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11.03.2014

13:54 Uhr

Neue Notenbankchefin

Zypriotin wird zweite Frau im EZB-Rat

Chrystalla Georghadji wird die neue Chefin der zypriotischen Notenbank – und springt damit im EZB-Rat der Deutschen Sabine Lautenschläger bei. Georghadji steht vor dem Scherbenhaufen der zypriotischen Bankenkrise.

Im März 2013 erschütterte Zypern eine dramatische Bankenkrise. AFP

Im März 2013 erschütterte Zypern eine dramatische Bankenkrise.

NikosiaDie deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger bekommt weibliche Verstärkung im Rat der Europäischen Zentralbank. Zypern nominierte am Dienstag die 58-jährige Chrystalla Georghadji als neue Notenbankchefin des Inselstaates. Sie soll am 11. April Nachfolgerin von Panikos Demetriades werden. Georghadji war seit 1998 Rechnungshofpräsidentin Zyperns und hat sich dabei den Ruf als entschlossene Korruptionsbekämpferin erworben.

Sie wird nach ihrem Wechsel an die Spitze der Notenbank automatisch als Vertreterin Zyperns in den EZB-Rat einziehen, der über die Zinspolitik im Währungsraum entscheidet. In dem Gremium ist seit einigen Wochen mit der deutschen EZB-Direktorin Lautenschläger wieder eine Frau vertreten, nachdem der Rat lange Zeit eine reine Männerdomäne war.

Demetriades hatte zu Wochenbeginn seinen Rücktritt bei Zyperns Präsident Nikos Anastasiades eingereicht. Demetriades wird vorgeworfen, er habe sich im Frühjahr 2013 inkompetent verhalten, als sich Zyperns Bankenkrise zuspitzte und es zu einer internationalen Rettungsaktion für das Land kam.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Das Land ist wirtschaftlich noch immer schwer angeschlagen. Die Wirtschaft schrumpfte Ende vorigen Jahres zum Vorquartal um 0,8 Prozent und steckt damit weiter in der Rezession. Wie drastisch der Wirtschaftseinbruch ausfällt, zeigt der Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im letzten Quartal 2013 binnen Jahresfrist um 5,0 Prozent.

Von

rtr

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