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22.03.2013

20:00 Uhr

Neue Paketlösung der Troika

Zyperns Schicksal auf Messers Schneide

VonGeorg Watzlawek, Stefan Kaufmann, Jens Hagen

Nach dem dramatischen Tag liegt in Nikosia keine Lösung, aber ein Paket auf dem Tisch. Die Troika rückt die Laiki-Bank ins Zentrum, aber die Probleme nehmen kein Ende. Der Tag im Live-Blog.

Demonstranten vor dem Parlament in Nikosia verbrennen EU-Fahnen. dpa

Demonstranten vor dem Parlament in Nikosia verbrennen EU-Fahnen.

Wir schließen unseren Live-Blog um 20 Uhr. Das Wichtigste vom Tage zum Nachlesen im Überblick:
+ Der Tag begann mit Druck aus Berlin und Brüssel: der Plan aus Zypern, die Finanzlücke mit einem Solifonds zu füllen, werde keinesfalls akzeptiert
+ Die ursprüngliche Idee einer Bankenabgabe wird neu erwogen
+ Das Parlament auf Nikosia vertagt sich, zunächst auf den Nachmittag, dann auf den Abend
+ Russlands Investoren haben ihr Interesse verloren, Moskau bricht die Verhandlungen ab
+ Märkte reagieren verunsichert auf das anhaltende Hin-und-Herr

++ 20.00 Bankenabgabe von 15 Prozent in der Debatte

Zur Vermeidung des Staatsbankrotts ist nach Informationen des zyprischen Fernsehens nunmehr eine Zwangsabgabe von sogar 15 Prozent auf Guthaben von mehr als 100.000 Euro im Gespräch. Das zyprische Fernsehen berichtete am Freitagabend, dass diese Abgabe zu dem jüngsten Konzept der Regierung in Nikosia gehöre.

++ 19:30 Troika setzt auf Paketlösung

Handelsblatt-Reporter Jan Hildebrand hat aus Kreisen der Troika (EU, EZB, IWF) Details erfahren, wie eine Paketlösung aussehen könnte. Demnach wird mit Nikosia über ein neues Modell verhandelt, wie das Land einen Eigenbeitrag zum Hilfspaket liefern kann. Der Finanzbedarf des Landes soll durch die Abwicklung eines Teils der Laiki-Bank (Popular Bank) gesenkt werden. Der Rest soll über eine Zwangsabgabe auf Einlagen bei den übrigen zyprischen Banken zusammenkommen. Diese Abgabe könnte dann deutlich moderater ausfallen, als es die Einigung der Euro-Finanzminister vorsah.

Die Kontoinhaber bei der Laiki Bank müssten einen höheren Beitrag leisten, hieß es. Bei der Aufspaltung der zweitgrößten zyprischen Bank würden Guthaben über 100.000 Euro in eine Bad Bank überführt. Allerdings sind bei den Gesprächen der Troika neue Probleme aufgetaucht: Zyperns Wirtschaftslage werde schlechter als bislang eingeschätzt, dadurch steige der Finanzbedarf des Landes.

Bankangestellte machen sich ihrem Frust Lust - Deutschland ist der Sündenbock. dpa

Bankangestellte machen sich ihrem Frust Lust - Deutschland ist der Sündenbock.

++ 19:15 ++ Weitere Verzögerungen

Die mit Spannung erwartete Sitzung des zyprischen Parlaments verzögert sich weiter. Eigentlich sollte die Debatte um 19.00 Uhr beginnen. „Das kann noch lange dauern“, sagte jedoch ein Abgeordneter am Freitagabend. Nach aktuellen Stand der Spekulationen in Nikosia sollen nun doch Spareinlagen belastet werden, allerdings nur über 100 000 Euro - und die mit bis zu sieben Prozent. Der Abgabelast könne jedoch auch auf über zehn Prozent steigen, spekuliert Chris Adams, Finanzexperte der Financial Times.

++ 19:10 ++ Amerikaner spekulieren auf Einigung

Spekulationen auf eine bevorstehende Einigung über Finanzhilfen beflügeln die New Yorker Börsen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte am Nachmittag 0,6 Prozent auf 14.505 Punkte zu.

++ 18:50 ++ Steinbrück stützt Merkels Linie

Peer Steinbrück klärt seine Position zu Zypern, die weitgehend mit derjenigen der Kanzlerin übereinstimmt: Zypern müsse ein klares Bekenntnis zur EU und zum Euro abgeben, die Eigenbeteiligung des Landes in Höhe von 5,8 Milliarden Euro sei zwingend, die Idee eines Solidaritätsfonds ein Irrweg - und auch das Ultimatum der EZB an Zypern sei richtig gewesen, sagte der SPD-Kanzlerkandidat Zeit Online. Allerdings: Die von der Bundesregierung mitgetragene geplante Einbeziehung der Kleinsparer sei aber ein "Fehler" gewesen.

++ 18:30 ++ Hängepartie verunsichert Anleger in Europa

Der drohende Kollaps Zyperns hat die Anleger am Freitag von den europäischen Börsen ferngehalten, dennoch wurde eine Einigung am Wochenende erwartet. In dieser Gemengelage schloss der Dax 0,3 Prozent im Minus bei 7911,35 Zählern. Auf Wochensicht gab er 1,6 Prozent nach. Der EuroStoxx50 ging nahezu unverändert bei 2684 Punkten aus dem Handel. Der Euro rutschte zeitweise unter die Marke von 1,29 Dollar, berappelte sich dann aber wieder.

++ 18:20 ++ Angriffe auf Bundeswehr in Zypern
In der zyprischen Stadt Limassol sind deutsche Soldaten der Uno-Mission Unifil untergebracht. Dort kam es zu einem Zwischenfall. Wie jetzt bekannt wurde, wurden am Morgen vor dem Lager eine deutsche und zwei Uno-Fahnen von Flaggenmast gerissen. Auf einer Uno-Fahne herumgetrampelt, teilte die Bundeswehr einigen Bundestagsabgeordneten mit, berichtet Spiegel Online.

++ 18:00 ++ Fünf verrückte Idee, Zypern zu retten
In Nikosia und Brüssel halten die Verhandlungen an, eine Ende ist im Moment nicht absehbar. Die Beobachter aus der Welt vertreiben sich die Zeit mit Planspielen und Szenarien. Die Washington Post hat sich fünf verrückte Ideen ausgedacht, wie Zypern zu retten wäre. So verrückt wie der ursprüngliche Plan der Euro-Gruppe, auch die Kleinsparer zu enteignen, oder die Solidaritätsfonds-Idee der Zyprer sind die Ideen aus Washington aber gar nicht. Der letzte, durchaus ernstgemeinte Vorschlag: schiebt die 15,8 Mrd. Euro doch einfach rüber, soviel Geld ist das doch auch nicht.

++ 16:50 ++ Lambsdorff steht mit seiner Kritik alleine da

Spitzenpolitiker von Union und Opposition weisen die Rücktrittsforderung des FDP-Europapolitikers Alexander Graf Lambsdorff an den neuen Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem scharf zurück:

Rücktrittsforderung: FDP findet Sündenbock für Zypern-Chaos und erntet Kritik

Rücktrittsforderung

exklusivFDP findet Sündenbock für Zypern-Chaos und erntet Kritik

Dilettantisch und fahrlässig: FDP-Präsidiumsmitglied Lambsdorff lässt kein gutes Haar am Vorgehen des neuen Eurogruppenchefs in der Zypern-Krise. Doch seine Rücktrittsforderung geht selbst dem Koalitionspartner zu weit.

++ 16:34 ++ Griechische Piraeus-Bank steigt ein

Die Piraeus-Bank übernimmt offenbar das Griechenland-Geschäft der Bank of Cyprus und der Cyprus Popular Bank, berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP. Sie beziehen sich auf Aussagen von zwei mit den Verhandlungen vertrauten Bankern. Mit dem Schritt soll das griechische Bankensystem vor einer Ansteckung durch die Finanzkrise Zyperns geschützt werden. Spekulationen über einen Einstieg der Piraeus-Bank ließen den Aktienkurs des griechischen Instituts um mehr als 20 Prozent klettern.

++ 16:04 ++ Regierungspartei glaubt an Einigung mit Troika
Im Ringen um eine Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott scheint eine Lösung in Sicht: Zypern stehe kurz vor einer Einigung mit der Troika aus EU, EZB und IWF, sagte der stellvertretende Chef der konservativen Partei Demokratische Gesamtbewegung, Averof Neofytou. Gleichzeitig rief er die Bürger auf, Ruhe zu bewahren. Wann das zyprische Parlament zusammenkommt, um ein Rettungspaket zu beschließen, blieb weiterhin unklar. Die Rede war zuletzt von Freitagabend.

++ 16:00 ++ Dijsselbloem wartet auf neuen Vorschlag aus Zypern

Dass die Euro-Gruppe wenig von den jüngsten Überlegungen in Nikosia hält, hat sie mehr als deutlich gemacht. Jetzt schaut ihr Chef gespannt nach Zypern, welche Rettungs-Strategie die Regierung als nächstes fährt. „Die Euroländer legen einen hohen Betrag auf den Tisch. Zypern muss auch seinen Beitrag liefern.“ Er warte auf neue Vorschläge, ließ er Journalisten nach einer Sitzung des niederländischen Kabinetts wissen – berichtet Leon Willems vom Het Financieele Dagblad.

Kommentare (122)

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Secundante

22.03.2013, 09:42 Uhr

Abwickeln das Ganze! Zypern ist ein Kindergarten - allerdings ein brandgefährlicher. Verlogen, unrealistisch und inkompetent auf allen Gebieten - so etwas hat in der Euro-Gruppe nichts verloren.

Account gelöscht!

22.03.2013, 09:47 Uhr

Ob sich das Wunschdenken unserer Politiker erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Es ist sehr schwer sachlich zu bleiben, bei der Armut die auf Deutschland zurollen wird.

Wie haben den Bundesländerfinanzausgleich seit genau 1950. Also 63 Jahre gehen Ausgleichsgelder innerhalb Deutschland hin und her. Obwohl in jedem deutschen Bundesland nahezu die selben sozialen, kulturellen, ökonomischen, ökologischen und geographischen Bedingungen existieren, sind diese Ausgleichzahlungen innerhalb Deutschland immer noch nötig.

Wer kommt auf diese glorreiche Idee, dass die großen Länder wie Spanien, Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Frankreich mit ihren unterschiedlichen Souveränitäten und ihren Mentalitäten jemals ein gleiches Wirtschaftswachstum erwirtschaften könnten wie Deutschland oder die Niederlande. Das wird nie geschehen. Deshalb werden jedes Jahr gewaltige Summen gen Süden fließen um den Euro am Leben zu erhalten.

Genau dies wurde durch den Wechselkurs mit der Auf- oder Abwertung der nationalen Währung ausbalanciert. Dieser Mechanismus ist nicht mehr vorhanden. Die Ausbalancierung der nicht mehr vorhandenen Währungen geschieht nun mit dem unendlichen „Europäischen Länderfinanzausgleich“.

Wie lange können das die Geberländer durchhalten?

Spätestens wenn die Bevölkerung ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können und das Essen nicht mehr auf den Tisch kommt, haben wir ein sehr großes Problem. Dann interessiert sich kein Mensch mehr was aus dem Euro wird. Das schlimme daran ist, es wird so kommen, auch wenn viele Menschen die Wirkung der ökonomischen Realitäten nicht wahrhaben wollen.

Die meisten Menschen in Deutschland ächzen jetzt schon. Strom zu teuer, Miete zu teuer, Kfz zu teuer, Einkommen zu wenig, Rente zu wenig, als junger Mensch sehr arm als Rentner sehr arm. All diese Signale ignoriert die Bundesregierung, von Brüssel ganz zu schweigen.

WZimmemann

22.03.2013, 09:50 Uhr

Steuerpflichtige Deutsche ohne Zypernkonten retten Zypernkonten ohne Steuerpflicht.
So wird es wieder Dank der deutschen Blockparteien kommen. Daher im September die Alternative zu den Euro-Fanatikern wählen.

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