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30.12.2013

07:34 Uhr

Neue Partnersuche

Saudi-Arabien ist von den USA enttäuscht

In Riad ist man derzeit nicht gerade gut auf die USA zu sprechen. An Syrien und dem Iran scheiden sich die Gemüter. Mit Frankreich ist das ganz anders. Und beide Seiten spielen nun auf dieser Klaviatur.

König Abdullah von Saudi-Arabien pries bei seinem Treffen mit Hollande die „mutige“ Position Frankreichs in Sachen Syrien und Iran. dpa

König Abdullah von Saudi-Arabien pries bei seinem Treffen mit Hollande die „mutige“ Position Frankreichs in Sachen Syrien und Iran.

DubaiSaudi-Arabien macht schon seit längerem keinen Hehl aus seinem Frust über die Nahost-Politik der USA. Aber mittlerweile bleibt es nicht bei offener Kritik: Das Land streckt seine Fühler in andere Richtungen aus, sucht sich neue Verbündete zum Ende eines Jahres, in dem es sich zunehmend an die Seitenlinien gedrängt sah.

Eine Lösung könnte Frankreich sein, dessen Präsident zum Jahresende zu hochrangigen Gesprächen mit der saudiarabischen Führung nach Riad kam. Im Schlepptau hatte François Hollande bei seiner Ankunft am Sonntag eine Reihe von französischen Topmanagern aus der Verteidigungsindustrie und dem Energiesektor.

Diverse Verträge und Abkommen, die schon seit Monaten in Arbeit waren, wurden abgeschlossen. Aber die Visite diente auch dazu, außenpolitische Gemeinsamkeiten zu demonstrieren - sprich, die gemeinsame Abneigung gegenüber dem US-Kurs im Syrien-Konflikt und im Umgang mit dem Iran.

Hollande verwies während seines Besuchs gleich mehrfach auf die übereinstimmenden Positionen mit Saudi-Arabien in beiden Punkten, aber auch bei anderen Themen. Und er stellte heraus, dass sich das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im Laufe eines Jahrzehnts verdoppelt habe, auf acht Milliarden Euro im ablaufenden Jahr.

Ägypten als Machtfaktor im Nahen Osten

Bevölkerung

Mit rund 85 Millionen Einwohnern ist der Staat das bevölkerungsreichste arabische Land. Niltal und Nildelta zählen mit mehr als 1100 Menschen pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Wirtschaftskraft

Bei der Wirtschaftsleistung gab es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen prognostizierten Zuwachs von zwei, für 2013 von drei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich 2013 auf geschätzt knapp 276 Milliarden Dollar summieren.

Suezkanal

Kairo kontrolliert mit dem 1956 verstaatlichten Kanal eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Besondere Bedeutung haben die vielen Tanker, die Öl vom Golf nach Europa transportieren. Die Kanalgebühren sind eine tragende Säule des ägyptischen Staatshaushalts.

Tourismus

Die Branche ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Nach einem Einbruch im Revolutionsjahr 2011 mit 9,8 Millionen Touristen (2010: 14,7 Millionen) kamen 2012 bis November 9,5 Millionen. Die Zahl der deutschen Urlauber stieg in den ersten neun Monaten 2012 im Vergleich zu 2011 um gut 29 Prozent auf rund 830 000.

Nahostfrieden

Für die EU und die USA ist Ägypten seit langem ein verlässlicher Vermittlungs- und Verhandlungspartner. Auf die palästinensische Seite wirkte Kairo oft mäßigend ein. Ägypten war das erste arabische Land, das Israel anerkannte. Die Staaten schlossen 1979 einen Friedensvertrag.

Dschihadisten

Präsident Husni Mubarak verfolgte einen harten Kurs gegen Islamisten und präsentierte Ägypten als „Bollwerk gegen Dschihadisten“. Unter seinem Nachfolger Mohammed Mursi konnten militante Islamisten in einigen Bezirken östlich der Stadt Al-Arisch mehr oder weniger unbehelligt von der Staatsmacht schalten und walten. Aus Sicht der Armee waren die Operationen gegen Extremisten mit Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida in dem Gebiet in dieser Zeit halbherzig.

Der saudiarabische Botschafter in Großbritannien, Prinz Mohammed bin Nawaf bin Abdelasis al-Saud, hatte kürzlich die Iran- und Syrien-Politik einiger Partner als „gefährliches Spiel“ kritisiert. Zugleich rief er London auf, nach Jahrzehnten des Agierens im diplomatischen Schatten international wieder mit größerer Bestimmtheit aufzutreten.

„Wir können nicht stumm bleiben, und wir werden nicht einfach zuschauen“, schrieb Prinz Mohammed am 17. Dezember in einem Kommentar in der „New York Times“. Saudi-Arabien habe einen Schulterschluss mit seinen Freunden und Verbündeten erwartet, „die zuvor so viel über die Bedeutung moralischer Werte in der Außenpolitik geredet haben“. Der Meinungsartikel trug die Überschrift „Saudi-Arabien wird seinen Weg allein gehen“.

Aber vielleicht muss es das nicht. Denn es gibt ja Frankreich, das sich für ein militärisches Eingreifen in Syrien eingesetzt hatte, um dann zu erleben, dass die USA und Großbritannien einen Rückzieher machten. Frankreich teilt saudiarabische Befürchtungen, dass amerikanische und russische Sorgen über den wachsenden Einfluss radikalislamischer Gruppen im Bürgerkrieg am Ende Präsident Baschar al-Assad zum Sieger machen könnten.

Im Fall Iran hat Frankreich am Zustandekommen der laufenden Verhandlungen über das Teheraner Atomprogramm mitgewirkt, aber es warnt vor Blauäugigkeit, dringt auf eine wasserdichte Vereinbarung und darauf, die iranische Führung scharf im Auge zu behalten. Damit rennen die Franzosen in Riad offene Türen ein: Hier befürchtet man einen Deal mit dem Iran auf saudischarabische Kosten.

Es ist schon das zweite Mal seit seinem Amtsantritt im Mai 2012, dass Hollande Saudi-Arabien besucht hat. Sein Verteidigungsminister war sogar schon dreimal dort, zuletzt nach der Bekanntgabe eines 1,1 Milliarden Euro schweren Geschäfts mit der saudischen Marine.

Kommentare (3)

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neunundneunzigprozent

30.12.2013, 10:13 Uhr

Hollande braucht dringend mehr Schwung in seiner Wirtschaft,damit er seine Zinsen und Sozialleistungen in diesem Schuldgeldsystem bedienen kann.Dazu ist es egal,ob das Haus Saud ein feudalistisches diktatorisches Regime ist!Was ist eigentlich nach unseren Medien der Unterschied zwischen Syrien und Saudi-Arabien dann???Unter Assad können wenigstens andere Glaubensrichtungen ihre Religion ausüben.In Saudi-Arabien darf eine Frau nicht mal Fahrrad fahren!!!
Aber wessen Brot ich fress,dessen Lied ich pfeiff!!!
Soviel zu unseren freiheitlich,menschenrechtlich,demokratischen Regierungen
nicht nur in Frankreich!!!
Verändert endlich unser weltweites Schuldgeldsystem auf breiten direkten demokratischen Weg, und solche heuschlerischen Machenschaften haben ein Ende!!!
Alles andere ist nur ein rumpfuschen.

N_K

30.12.2013, 11:58 Uhr

"Saudi-Arabien ist von den USA enttäuscht"

Nur die Saudis? Gäbe es die FED, die CIA, NSA und den angeblichen Muselmanenterror (der CIA) nicht - die Welt wäre wesentlich friedlicher als heute. Was hat den der Ami bisher aus wirklich HUMANITÄREN Gründen getan - wirklich ohne den Dollar- und sonstigen Reibach im Blick zu haben? Friedensnobelpreise an Kriegstreiber verteilen lassen!

Kamich

30.12.2013, 13:35 Uhr

Zit:"Die Welt sehe dem Leiden des syrischen Volkes tatenlos zu, kritisierte kürzlich auch Prinz..." Nein wirklich? Ich denke, die Fakten der vielen Einmischungen und Waffenlieferungen von beiden Seiten (USA, Türkei/Saudis - Russland/Iran) lassen sich nicht leugnen. Tatenlos kann man das nicht nennen, nur steigern diese Taten das Leid - seit wann interessiert sich Einer von den Mächtigen für das Leid der Bevölkerung ? Auch unsere deutsche Politik versucht doch nur die lukrativen Waffenverkäufe an Saudi-Arabien zu rechtfertigen. Moral und gut gemeinte Gesetze sind da doch nur hinderlich.
Ich teile ihre Meinung (ohne FED/CIA/NSA.. wäre die Welt friedlicher) nicht. Natürlich erahnen wir, was die über 50 Putsch-Beteiligungen der CIA für Folgen hatte, wir können aber nicht wissen, was es für Folgen gehabt hätte, wenn die Welt anstatt uni-polar (Weltmacht USA) bzw. früher bipolar (USA-UDSSR) schon früher multi-polar gewesen wäre. Man stellt sich das gerne einfach vor - ein "Bösewicht" weniger - eine bessere Welt. Aber was ist denn mit dem Wesen des Menschen? Wenn Sie ehemalig geknechteten Menschen zur Macht verhelfen dauert es nicht lange, bis die selber zu Unterdrückern werden. Das braucht meist weniger als eine Generation. Aber auch der Wunsch, eine Supermacht als Weltpolizist würde für Gerechtigkeit und Frieden sorgen ist eine Utopie, die Globalisierung nach Vorgaben westlichen Machthaber ist am Scheitern. Die Allianz zwischen Saudis und den USA hat lange gut funktioniert, ist aber nur ein Zweckbündnis. Verständlich, dass die superreichen Geldgeber gegenüber den hoch Verschuldeten ein grösseres Gewicht einfordern.
Für "uns" im hochverschuldeten Westen stellt sich die Frage wie lange wir noch unsere "Werte" veraten wollen.
Ich persönlich würde die saudische Förderung des islamischen Terrorismus, die halsabschneidenden und bombenden Dschihadisten nicht länger unterstützen, auch wenn die Geschäfte mit Saudi-A. kurzfristig die Lösung unserer wirtsch. Probleme ermöglichten.

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