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04.11.2011

17:23 Uhr

Neue Position

Schweizer Notenbank-Chef wird Vize des FSB

Die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder haben den Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand zum Vize-Vorsitzenden des Financial Stability Board (FSB) ernannt. Die Position wurde extra für ihn geschaffen.

Philipp Hildebrand wird Vize des FSB, bleibt aber auch Chef der Schweizer Notenbank. dpa

Philipp Hildebrand wird Vize des FSB, bleibt aber auch Chef der Schweizer Notenbank.

ZürichDie in Cannes versammelten Staats- und Regierungschefs der G20-Länder haben den Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Financial Stability Board (FSB) ernannt. Er werde sein Amt zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion als Präsident der SNB ausüben, teilte die Nationalbank am Freitag mit. Die Position des Stellvertretenden Vorsitzenden wurde für Hildebrand extra neu geschaffen, obwohl die Schweiz nicht Mitglied der G20 ist und die Schweizer Regierung auch nicht nach Cannes eingeladen war. G20-Länder wie etwa Frankreich werfen der Schweiz vor, teilweise immer noch eine Steueroase zu sein.

Nach der Finanzkrise machte sich Hildebrand einen Namen als Vorkämpfer für schärfere Kapitalvorschriften für große internationale Banken. Ihm ist es weitgehend zu verdanken, dass die Schweiz die wohl höchsten Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Banken beschlossen hat. In seiner Heimat war er deswegen angefeindet und sogar zum Rücktritt aufgefordert worden.

Der FSB besteht aus Vertretern von Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzministerien. Die 2009 als Nachfolge-Organisation des Stability-Forums geschaffene internationale Organisation soll sich um die Neuordnung des internationalen Finanzsystems kümmern und die Regierungschefs beraten.

Zum Vorsitzenden des FSB wurde der kanadische Zentralbank-Chef Mark Carney ernannt. Er löste den Italiener Mario Draghi ab, der seit dem 1. November Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Die Ernennung sei eine Ehre, erklärte Hildebrand. Er werde sich weiterhin mit aller Energie dafür einsetzen, das internationale Finanzsystem stabiler und effizienter zu machen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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ColeWilliams

04.11.2011, 23:31 Uhr

Wo genau ist der Platz dieser neuen Institution zwischen IMF, BIS etc. eigentlich? Es drängt sich der Verdacht auf, dass ihre Gründung ausschliesslich dem Tatendrang entsprang, nachdem man glaubte einen Schuldigen für die (Finanz-)Krise gefunden zu haben. Tatsächlich haben vor der Krise die bestehenden Institutionen und allen voran die Politik ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht, was diesmal zu wirklich massiven Fehlallokationen in der Realwirtschaft geführt hat.
Es bleibt zu befürchten, dass das FSB ausser Papier (siehe www.financialstabilityboard.org) nicht viel produzieren wird. Dessen Regeln werden im Bedarfsfall vermutlich wieder aufgrund von "Sondersituationen" oder Lobby-Arbeit ausser Kraft gesetzt werden, wie in der Vergangenheit die Maastricht-Kriterien in Europa, das Trennbankensystem in den USA und ganz allgemeine Marktmechanismen fast überall auf der Welt.
Die entwickelten Volkswirtschaften werden sich erst langsam (wieder) an eine notwendige Strenge gewöhnen, was bestehende Regeln angeht. Je später das passiert, umso schmerzvoller wird die Erfahrung sein.

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