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03.02.2012

08:26 Uhr

Neue Probleme

Wenn aus der Finanzkrise eine Sicherheitskrise wird

Wird aus der Finanzkrise eine Sicherheitskrise? Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt genau davor. Speziell der reduzierte Verteidigungsetat der USA dürfte für Europa Folgen haben.

Deutsche Marine-Soldaten bei einem Einsatz am Horn von Afrika. dpa

Deutsche Marine-Soldaten bei einem Einsatz am Horn von Afrika.

MünchenDer Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt unmittelbar vor Beginn der 48. Tagung am Freitag davor, dass auch die Finanzkrise zum Sicherheitsrisiko werden könnte. Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Sicherheit „sollte niemand unterschätzen“, sagte Ischinger der „Passauer Neuen Presse“.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sieht deutsche Regierungsstellen zunehmend durch staatliche Cyberangriffe bedroht. „Wir müssen davon ausgehen, dass eine Reihe von Staaten Cyber-Angriffe als Mittel zur Informationsbeschaffung aus Politik und Wirtschaft einsetzen“, sagte Friedrich vor der Sicherheitskonferenz dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe). Deutschland poche auf die Einhaltung internationaler Gepflogenheiten. „Allerdings brauchen wir noch internationale Abkommen, die festlegen, wie Staaten angemessen auf Angriffe aus dem Cyber-Raum reagieren können“, sagte Friedrich.

Unternehmen, die von Hackerangriffen im Internet betroffen sind, forderte Friedrich zu einer engeren Kooperation auf. „Viele Unternehmen sind überzeugt: Das kriegen wir mit unseren eigenen Bordmitteln hin, das muss niemand wissen“, sagte Friedrich . Die Angst vor Imageschäden sei aber einer Aufklärung hinderlich.

Ischinger sagte zugleich, Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert bedeute nicht mehr primär Landesverteidigung, sondern vor allem Export von Stabilität. Dazu gehöre Entwicklungspolitik, manchmal auch militärische Präsenz im Ausland, was allerdings Geld koste. „Wenn der Westen von den USA angefangen bis zur EU an der eigenen Verschuldung so sehr krankt, dass er sich den Export von Stabilität nicht mehr leisten kann, dann kommt es zum Import von Instabilität. Das ist die Gefahr.“

Ischinger geht davon aus, dass die USA trotz Kürzungen im Verteidigungsetat auch weiterhin „eine fast monopolartige Weltmachtrolle“ haben werden. Doch es gebe eine wesentliche Veränderung, so der Sicherheitsexperte und frühere deutsche Botschafter in den USA: „Amerika wird nicht länger bereit sein, den reichen Europäern jedes Mal militärisch zu helfen, wenn es mal irgendwo brennt."

Von

dapd

Kommentare (9)

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General-Investigation

03.02.2012, 10:22 Uhr

„Amerika wird nicht länger bereit sein, den reichen Europäern jedes Mal militärisch zu helfen, wenn es mal irgendwo brennt."

Oder einfach und verständlich ausgedrückt:

Endlich können die Amerikaner kein Geld mehr ausgeben um irgendwo auf der Welt ein anderes Land zu überfallen und es als Krieg gegen den Terror auszugeben!
Das ist doch mal ein Fortschritt! Und es wurde dringend mal Zeit - von wegen Weltpolizei. Als wenn man einen Kriminellen gleichzeitig zum Polizisten machen würde...

AusDemHamsterrad

03.02.2012, 10:32 Uhr

Export von Stabilität?
In den Irak oder nach Afghanistan z.B.?

Oder meinte der gute Herr, welcher natürlich nur die "Sicherheit" der Bürger im Sinne hat, Export von "Stabilitätsbringern" (Waffen?).

Ich kann hier nur das Intro aus Metal Gear Solid 4 empfehlen (z.B. über bekannte Videoportale ansehen).

"War, war has changed".

Was kommt als nächstes? Sind dann "private Sicherheitsfirmen" ala Blackwater auch bei uns nötig? Weil der Staat, wie bei allen "heilsamen" Privatisierungen, nicht mehr genügend Leisten (bezahlen) kann?

Beenden wir dieses Trauerspiel und setzen wir uns für direkte Demokratie ein.

Damit die Macht nicht nur alle 4 Jahre vom Volk ausgeht (und nicht wieder zurück kommt).

N_K

03.02.2012, 10:50 Uhr

"Wenn aus der Finanzkrise eine Sicherheitskrise wird"

Dafür wurde doch schon mal die EUROGENDFOR installiert. Und mit der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon wurde auch die Todesstrafe wieder eingeführt [http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/michael-grandt/schon-vergessen-die-eu-fuehrte-die-todesstrafe-wieder-ein.html;jsessionid=5C98EC28EAE98C5DFD7ADDCB9CA6BE31] oder [Das Amtsblatt der Europäi-schen Union (C 303/17 bis 303/18 vom 14.12.2007)]

Also: "Alles in Butter"!

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