Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2017

16:22 Uhr

Neue Raketen könnten USA erreichen

Nordkorea auf dem Weg nach Washington

VonMartin Kölling

Nordkoreas Führer Kim Jong Un hat erneut den Test einer Langstreckenrakete befohlen. Experten schätzen, dass die Rakete unter Umständen sogar Washington erreichen könnte. Der US-Generalstab nimmt das ernst.

Nordkorea reizt den US-Präsidenten. AP

Raketenstart

Nordkorea reizt den US-Präsidenten.

TokioAnfang des Jahres wies Donald Trump die Behauptung Nordkoreas noch mit einem Ausrufezeichen zurück, schon bald die USA mit Atomwaffen erreichen zu können. „Es wird nicht passieren!“, twitterte er kurz vor seiner Vereidigung als US-Präsident. Doch mit dem zweiten Langstreckenraketentest in drei Wochen demonstrierte Nordkoreas Führer Kim Jong Un am Freitag, dass seine Raketen möglicherweise schon jetzt Trumps Washingtoner Amtssitz, das Weiße Haus, erreichen könnten.

Nach ersten Angaben japanischer und südkoreanischer Militärs schossen Nordkoreas Militärs um kurz vor Mitternacht Ortszeit eine Rakete auf einer sehr steilen und hohen Flugbahn rund 1000 Kilometer weit ins Japanische Meer.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Die Rakete landete dabei zwar in japanischen ökonomischen Gewässern, also außerhalb des eigentlichen japanischen Hoheitsgebiets. Aber dieses Mal war der Einschlag womöglich nah genug, um von Land aus gesehen zu werden. Eine fest installierte Kamera des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NHK auf Japans nördlichster Insel Hokkaido schnappte einen grellen Lichtstreif am Nachthimmel auf. Dabei dürfte es sich um die Rakete gehandelt haben.

Doch der eigentliche politische Paukenschlag war der Flug selbst. Den Zenit ihrer rund 47-minütigen Flugzeit soll Nordkoreas neueste Rakete in 3700 Kilometer Höhe erreicht haben., was auf eine enorme maximale Reichweite schließen lässt.

Damit übertraf das Geschoss die Werte des vorherigen Tests vom 4. Juli bei weitem. Die Anfang des Monats abgefeuerte Rakete hatte laut Schätzung von Experten auf einer normalen Flugbahn 6700 Kilometer weit fliegen können.

Mit der erneut steilen Parabel als Flugbahn verfolgt Nordkorea zwei Ziele: Die Regierung will beweisen, dass es die USA mit Atomraketen anvisieren kann, ohne dabei Japan zu überfliegen. Und diesen Nachweis hat Nordkorea nun erbracht, meint der Nordkorea-Experte Ankit Panda in einem Beitrag zum Magazin The Diplomat. „Der Test vom 28. Juli legt nahe, dass Nordkorea so weit entfernte Ziele wie New York oder Washington erreichen könnte.“

Erneuter Raketentest: China fordert Zurückhaltung von Nordkorea

Erneuter Raketentest

China fordert Zurückhaltung von Nordkorea

Nach dem Test einer Interkontinentalrakete ermahnt China die nordkoreanische Führung, die Uno-Resolutionen einzuhalten. Auch andere Staaten sollten sich in Zurückhaltung üben, um eine Eskalation zu vermeiden.

Gestützt wird er dabei vom Raketenexperte David Wright. Der schätzt, dass die Rakete je nach Größe der Ladung auf einer Standardflugbahn zwischen 10.400 und 11.000 Kilometer weit gereicht hätte. Washington liegt etwa 11.000 Kilometer von Nordkoreas Ostküste entfernt.

Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA feierte den Test mit ebenso steiler und langatmiger Propaganda. Nordkoreas Führer Kim Jong Un hätte den Test persönlich geleitet, meldeten die Propagandisten am Sonnabend. „Er, der immer unermüdlich Wunder und Siege bringt, die Imagination der Weltbevölkerung mit seiner seltenen militärischen Weisheit, großem Mut und Strategie überrascht, hat die militärische Aufgabe für Raketenentwicklung gestellt, frühzeitig einen weiteren Test der Hwasong-14 mit maximaler Reichweite durchzuführen, um die Zuverlässigkeit des ganzen Raketensystems ein weiteres Mal zu beweisen.“

Nordkoreas Fernsehen unterstrich Kims persönliche Anteilnahme mit Fotos, die den Führer beim Aufrichten der Rakete zeigte. Der Start der Rakete wurde sogar in bewegten Bildern aus immer neuen Perspektiven gezeigt. Danach gab es weitere Bilder Kims, wie er in einem provisorischen Kontrollzentrum dem Erfolg seiner Ingenieure lachend applaudiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×