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27.12.2012

18:18 Uhr

Neue Regierung

Japan vor Kehrtwende in der Atompolitik

Trotz der Katastrophe von Fukushima rückt die neue japanische Regierung vom geplanten Atomausstieg ab. So kündigt der neue Industrieminister eine Prüfung von Ausstiegsplänen an und schließt neue Reaktoren nicht aus.

Das neue japanische Regierungsteam um Premierminister Shinzo Abe (erste Reihe, vierter von links) will von einem Atomausstieg nichts mehr wissen. dpa

Das neue japanische Regierungsteam um Premierminister Shinzo Abe (erste Reihe, vierter von links) will von einem Atomausstieg nichts mehr wissen.

TokioJapans neue Regierung hat eine Kehrtwende in der japanischen Atompolitik angekündigt: Als sicher eingestufte Atomreaktoren sollten wieder in Betrieb genommen und die Pläne zum Ausstieg aus der Kernenergie auf den Prüfstand gestellt werden, sagte der neue Industrieminister Toshimitsu Motegi am Donnerstag in Tokio. Auch der Bau neuer Reaktoren sei nach eingehender Sicherheitsüberprüfung nicht ausgeschlossen.
Die "Politik der Vorgängerregierung", die einen Ausstieg bis 2040 vorsah, müsse nochmals überprüft werden, betonte Motegi. Japans neuer Regierungschef Shinzo Abe und sein Kabinett sind seit Mittwoch im Amt. Der Chef der Liberaldemokraten (LDP) hatte bereits im Wahlkampf die Ansicht vertreten, Japan könne sich aus wirtschaftlichen Gründen den Ausstieg aus der Atomkraft nicht leisten. Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte hingegen vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 langfristig für einen Verzicht auf die Atomkraft plädiert.

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Vor einer erneuten Inbetriebnahme von Akw müsse sich die unabhängige Regulierungsbehörde des Landes allerdings auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Sicherheit der Reaktoren verbürgen, erkläre Industrieminister Motegi. Auch die Entscheidung zum Bau neuer Meiler werde auf der Grundlage von Untersuchungen von Spezialisten getroffen. Gleichzeitig kündigte der Minister den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien an.
Das ressourcenarme Land fürchtet bei einem Ausstieg aus der Kernenergie massive Stromausfälle. Befürworter der Atomkraft verweisen darauf, dass eine Versorgung mit alternativen Energien nicht bis 2040 gewährleistet werden könne. Derzeit sind nur zwei der 50 Atommeiler in Japan am Netz, alle anderen sind in Erwartung von Sicherheitskontrollen abgeschaltet.

Trotz des Unglücks in Fukushima infolge eines schweren Erdbebens mit einem anschließenden Tsunami hatten Anti-Atom-Parteien bei der Parlamentswahl Mitte Dezember nicht punkten können. Abes konservative LDP hatte bei der Wahl zusammen mit der verbündeten Komeito-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus errungen.
Abe will Berichten japanischer Medien zufolge am Samstag Fukushima besuchen. Dort war es in Folge der Naturkatastrophen in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze gekommen. Der Betreiber der havarierten Atomanlage, Tepco, beantragte am Donnerstag weitere 698,6 Milliarden Yen (mehr als sechs Milliarden Euro) an Staatsgeldern für Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe. Damit belaufen sich die Zahlungen mittlerweile auf umgerechnet 28,5 Milliarden Euro. Tepco begründete den zusätzlichen Bedarf damit, dass mehr Geschädigten geholfen werden müsse als geplant.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

27.12.2012, 18:55 Uhr

es sieht so aus, als hätte Japan Mensch mit 'Gehirn' in der Regierung.

Nicht einfach panisches 'wurschteln'

ich bin gespannt, was wir in Deutschland (Europa) die nächsten Jahre noch alles sehen werden...

Vielleicht langfristig doch das Weite suchen...

columbus

27.12.2012, 19:03 Uhr

Genau richtig! Und wieder mal ein Beweis dafür wie verbohrt die meisten Deutschen leider sind und sich hierzulande eine einsame Insel der "Atomausstiegs"-Glücksseligkeit vorstellen wollen. Und das alles im Bewusstsein verstäkter Braunkohle-KW-Emmissionen, horrender Strompreisentwicklungen zu Lasten aller und mehr Abhängigkeit von Stromimporten in Spitzenzeiten. Aber der "grüne Strom"- er lebe hoch! Der Rest ist ja Schnuppe!

Account gelöscht!

28.12.2012, 06:58 Uhr

Vernünftig und nachvollziehbar !
Japans Energieversorgung ist auf Kernkraft ausgerichtet , das können sie auch in 10 oder 20 Jahren nicht so schnell ändern .
Japan ist ein Industrieland und auf Energie angewiesen , sie sollten so schnell wie möglich alle(relativ) sicheren anlagen wieder hochfahren .
An Deutschland sollten sie sich kein beispiel nehmen !!!

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