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02.07.2015

21:13 Uhr

Neue Schätzung des IWF

Athen braucht drittes Rettungspaket über 50 Milliarden Euro

VonJan Hildebrand, Moritz Koch

Die Rettungsmission wird teurer: Der Währungsfonds sieht für Griechenland einen sehr hohen Finanzbedarf in den kommenden drei Jahren. Der IWF fordert nun von den Europäern, die Schulden Athens für 20 Jahre zu stunden.

Bericht der IWF-Chefin

Lagardes düstere Griechenland-Prognose

Bericht der IWF-Chefin: Lagardes düstere Griechenland-Prognose

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Berlin, WashingtonFür die Europäer ist es eine peinliche Aufzählung. Am Donnerstagabend saßen in Brüssel die Finanzstaatssekretäre der EU-Staaten zusammen mit einem Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF). Erst vier Länder, hielt der IWF-Mann den europäischen Beamten vor, hätten in der 70-jährigen Geschichte des Währungsfonds ihre Schulden nicht bezahlt: Sudan, Somalia, Simbabwe, Kuba – und jetzt Griechenland.

Der IWF ist in der Griechenland-Krise häufig derjenige, der unangenehme Wahrheiten laut ausspricht. Das gilt nicht nur für den Hinweis auf den fälligen Kredit über 1,55 Milliarden Euro, den die Athener Regierung diese Woche nicht beglichen hat. Am Donnerstagabend hat der Währungsfonds noch eine andere Botschaft verkündet, die in Europa eigentlich am liebsten niemand hören würde: die weitere Rettung Griechenlands wird teuer – vor allem für die Euro-Staaten.

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Die Experten aus Washington haben die erste offizielle Schätzung über das Ausmaß der griechischen Finanzmisere in den kommenden Jahren veröffentlicht – und damit auch darüber, wie teuer ein mögliches drittes Hilfsprogramm für Athen die europäischen Steuerzahler zu stehen kommen würde.

Der gesamte Finanzbedarf von Oktober 2015 bis Ende 2018 beträgt nach den Prognosen des Währungsfonds 52 Milliarden Euro. Die Europäer müssten davon mindestens 36 Milliarden Euro aufbringen – und sie Athen zu „hochgradig großzügigen Kreditbedingungen“ leihen. Das ist wesentlich mehr, als die Europäer bisher bereit sind, zuzugeben – geschweige denn zu zahlen.

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Die Diskrepanz zwischen Arithmetik des Währungsfonds und der Europartner ergibt sich daraus, dass der IWF die Aussicht auf Wachstum, Steuereinnahmen und Privatisierungserlöse wesentlich pessimistischer einschätzt. Und schlimmer noch: Selbst die düstere Lageeinschätzung des IWF hat sich schon wieder überholt. Seit Montag sind in Griechenland die Banken geschlossen, die Wirtschaft ist stark beeinträchtigt. Damit würde ein drittes Hilfsprogramm noch teurer, heißt es. So müssten man wohl zusätzliches Geld für Bankenhilfen einplanen.

Kommentare (21)

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Herr Hans Läufer

02.07.2015, 19:40 Uhr

Wer muß da gerettet werden und wovor?
Griechische Millardäre vor dem Verlust ihrer Yacht? Ich will nicht mehr! Die griechischen Rentner mögen sich an ihre reichen Landsleute wenden. Und die deutsche Regierung soll sich endlich mal wieder um Deutschland kümmern. Hier ist auch nicht alles rosig.

Herr Wolfgang Stroebele

02.07.2015, 19:55 Uhr

ist ja interessant, welche bahnbrechende Erkenntnis des IWF. Stellt sich nur die Frage, warum der IWF jetzt so urplötzlich einen Finanzbedarf in dieser Höhe ermittelt und feststellt, dass eine Stundung notwendig ist.. Letzte Woche war davon noch nich ansatzweise die Rede. Da sind ja seltene Armleuchter am Werk.

Herr Reinhold Epping

02.07.2015, 20:14 Uhr

>Der IWF ist in der Griechenland-Krise häufig derjenige, der unangenehme Wahrheiten laut ausspricht.<

In der Ukraine-Krise scheint das allerdings nicht zu gelten. Da kann man nur sagen: Weiterhin viel Glück, lieber IWF, beim intelligenten, politisch aber nicht wirtschaftlich motivierten Milliarden versenken.

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