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03.01.2014

06:54 Uhr

Neue Snowden-Enthüllungen

NSA entwickelt Super-Computer zum Ausspähen

Laut Dokumenten von Edward Snowden soll die NSA an einem sogenannten Quantencomputer arbeiten. So ein Rechner könnte nahezu alle Verschlüsselungen knacken. Der BND hingegen hat seine Überwachung deutlich zurückgefahren.

Geheime Computerentwicklung bei der NSA? Laut Dokumenten von Edward Snowden soll der US-Geheimdienst an einem sogenannten Quantencomputer arbeiten. dpa

Geheime Computerentwicklung bei der NSA? Laut Dokumenten von Edward Snowden soll der US-Geheimdienst an einem sogenannten Quantencomputer arbeiten.

WashingtonDer US-Geheimdienst NSA arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge an der Entwicklung eines sogenannten Quantencomputers. Dieser solle in der Lage sein, nahezu alle Verschlüsselungen zu knacken, berichtete die US-Tageszeitung „Washington Post“ am Donnerstag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Der Geheimdienst könnte sich dem Bericht zufolge damit umfangreichen Zugriff auf Bank-, Gesundheits-, Regierungs- oder Wirtschaftsnetzwerke verschaffen.

Die Entwicklung könne sich noch über Jahre hinziehen, berichtet die Zeitung. Die Forschung zur Entwicklung des Computers sei Teil eines mit fast 80 Millionen Dollar ausgestatteten Projekts namens „Eindringen in harte Ziele“.

Große Technologieunternehmen wie etwa der US-Konzern IBM arbeiten bereits seit längerer Zeit an der Entwicklung entsprechender Rechner, die wesentlich schneller und sicherer sein sollen als digitale Computer. Die NSA wolle sich zu dem Bericht nicht äußern. Experten sagten der Zeitung jedoch, es sei unwahrscheinlich, dass der Geheimdienst die Entwicklung von Quantencomputern vorantreibe, ohne dass die Technologieindustrie davon wisse.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Seit Juni kamen durch die Enthüllungen Snowdens eine Reihe von Spähaktivitäten der NSA und verbündeter Geheimdienste ans Licht. Vor einigen Tagen legte eine Expertengruppe US-Präsident Barack Obama 46 Vorschläge für eine Begrenzung der Geheimdienstbefugnisse vor. Obama will sich im Januar dazu äußern.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hingegen hat einem Zeitungsbericht zufolge im Jahr 2012 deutlich weniger E-Mails, Telefonate, Faxe und SMS überwacht als in den beiden Vorjahren. Insgesamt seien 851.691 Telekommunikationsvorgänge ausgespäht worden, berichtete die Zeitung „Die Welt“ am Freitag unter Berufung auf die Vorabfassung eines Berichts an das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags. Im Jahr 2011 waren demnach noch etwa 2,9 Millionen solcher Kontakte überprüft worden, im Jahr 2010 mehr als 37 Millionen.

Mit Blick auf die höheren Zahlen gab der BND laut der Zeitung an, es habe damals eine „weltweite Spamwelle“ gegeben, in deren Folge das „automatische Selektionsverfahren“ weiter optimiert worden sei. Im „Gefahrenbereich Internationaler Terrorismus“ wurden demnach im Jahr 2012 insgesamt 1804 Telekommunikationsvorgänge überwacht. 137 seien als nachrichtendienstlich relevant eingestuft worden. Im Jahr 2011 hatte die Gesamtzahl der erfassten Konversationen in diesem Bereich dem Bericht zufolge bei 327.557 gelegen.

Kommentare (7)

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Hans

03.01.2014, 08:23 Uhr

Die Verdienste Edward Snowdens sind für Europa unbezahlbar!

günther schemutat

03.01.2014, 08:48 Uhr

Mit einem Ouantencomputer ist alles möglich. Verglichen vom Pferd zur Rakete. Damit würden die Amerikaner einen Vorsprung von Jahrzehnten in allen Bereichen des Lebens und der Technik uneinholbar erreichen. Das macht Angst
für die Zukunft.

dot

03.01.2014, 09:54 Uhr

Ich wünsche der NY viel Erfolg mit ihrer Begnadigungsdebatte. Die amerikanische Öffentlichkeit ist schön öfters mit Hilfe der Presse zu einem Wandel im Denken gekommen.

Und gegen den Quantencomputer kann man wohl direkt nichts machen, aber wenn die Skepsis auf Konsumentenseite gegenüber US-IT weiter zunimmt, bekommt das angloamerikanische Geschäftsmodell "Datendiebstahl" ein Renditeproblem.

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