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21.09.2013

10:05 Uhr

Neue Spannungen

Nordkorea sagt Familienzusammenführung mit dem Süden ab

Wenige Tage vor den mit Spannung erwarteten geplanten Zusammenführungen nord- und südkoreanischer Familien hat Nordkorea die Treffen abgesagt. Das Vorhaben werde wegen der „feindlichen“ Politik des Südens verschoben.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un: Vorerst keine Familientreffen. dpa

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un: Vorerst keine Familientreffen.

SeoulNach Monaten der gegenseitigen Annäherung zwischen Nord- und Südkorea gibt es einen Rückschlag im Entspannungsprozess: Der Norden sagte am Samstag die geplante erste Zusammenführung von Familien seit fast drei Jahren unvermittelt ab. Er warf dem Süden vor, den Dialog zwischen beiden Ländern zu vergiften. Das nordkoreanische Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas machte in einer von der Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung deutlich, erst wenn sich die Gesprächsatmosphäre normalisiert habe, könnten Verhandlungen geführt werden. Von der Regierung Südkoreas gab es zunächst keine Reaktion darauf.

Nach bisheriger Planung wollten beide Seiten ab Mittwoch in mehrtägigen Treffen Familien zusammenführen, die seit dem Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 getrennt sind. Dieses Vorhaben wird nach Angaben des Komitees nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Dasselbe gilt für die für den 2. Oktober angesetzten Gespräche über die Wiedergenehmigung von Reisen in die nordkoreanische Touristenregion Kumgang.

Der 92-jährige Kang Neung Hwan, der seinen in Nordkorea lebenden Sohn besuchen wollte, zeigte sich „zutiefst enttäuscht“. „Es wird immer schmerzhafter für mich, darauf zu warten, ihn zu sehen“, sagte er der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Koh Jeong Sam sagte, die Enttäuschung seiner 95-jährigen Mutter sei nicht in Worte zu fassen. Sie habe viele Geschenke für ihre Schwestern im Norden besorgt. Auf den offiziellen Listen für die Treffen standen jeweils etwa hundert Süd- und Nordkoreaner.

Experten in Südkorea vermuten ein taktisches Manöver des Nordens, um mehr Zugeständnisse zu erreichen. Die international fast vollständig isolierte Führung in Pjöngjang wolle insbesondere in den von ihr bevorzugten Verhandlungen über die Kumgang-Reisen Vorteile herausschlagen, sagte Yang Moo Jin, Professor an der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul.

Zwischen beiden Seiten hatte es zuletzt eine Phase des diplomatischen Tauwetters gegeben. So wurde am Montag die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong wieder in Betrieb genommen. Sie war im April nach wachsenden politischen Spannungen geschlossen worden. Vorausgegangen waren mehrere Provokationen der Regierung in Pjöngjang. Diese verstieß unter anderem mit einem Raketentest gegen UN-Vorgaben, nahm einen dritten Nukleartest vor und drohte den USA und Südkorea mit einem Atomkrieg. Etwas Ruhe kehrte erst Ende April nach dem Ende gemeinsamer Militärmanöver der USA und Südkoreas ein. Zudem war Nordkoreas wichtigster Unterstützer China zunehmend von der Führung in Pjöngjang abgerückt.

Kommentare (1)

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hanji

21.09.2013, 22:52 Uhr

Ein Detail könnte man korrekt und vor allem politisch neutral darstellen: "Damals hatte ein nordkoreanischer Soldat einen südkoreanischen Touristen erschossen, der sich in ein abgesperrtes Gebiet verirrt hatte." (zit.). Es war eine Frau, eine angebliche "Touristin" aus Seoul. Sie wurde von einer nordkoreanischen Wachfrau tödlich getroffen, weil sie der mehrfachen Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht nachkam. Sie hatte sich nicht verirrt, sondern war im Morgengrauen am Hotelportier vorbeigeschlichen und geradewegs zur nahen DMZ, dem militärischen Sperrgebiet, gelaufen, um in dieses trotz der zahlreichen Warnschilder und Zäune einzudringen. Warum die meisten Südkoreaner dieses Ereignis für den ersten großen Skandal der MB Lee Administration halten? Weil die USA das Geumgangsan-Projekt seit Beginn 1999 mit allen denkbaren Mitteln bekämpft und schlecht geredet hatten. Weil die getötete Frau kurz nach dem Amtsantritt des US-freundlichen Präsidenten MB Lee die Juli-Reise buchte, und diese entgegen koreanischer Gepflogenheit ohne Freunde oder Verwandte antrat. Weil sie die erste der 1 Mio. Touristen war, die auf die Idee kam, nachts das Hotel zu verlassen, um ins Sperrgebiet einzudringen. Im Ergebnis konnten MB Lee und CIA ihr Ziel verwirklichen und das verhasste Touristenprojekt nach fast 10 Jahren Erfolgsstory ohne Massenproteste schließen. Ein Schelm, wer hier irgendwelche Zusammenhänge konstruiert - alles garantiert reiner Zufall!

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