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15.09.2014

10:29 Uhr

Neue Studie

Soziale Ungerechtigkeit in Europa nimmt zu

Die Europäische Union hat sich zuletzt wirtschaftlich etwas stabilisiert, dennoch nimmt die soziale Ungerechtigkeit weiter zu. Das ist auch noch eine Folge der Staatsschuldenkrise, die noch mehrere Länder im Griff hat.

Arbeitslose stehen in einer Schlange vor einem Arbeitsamt in Alcala de Henares, bei Madrid, Spanien: Die soziale Sprengkraft in Europa nimmt weiter zu. dpa

Arbeitslose stehen in einer Schlange vor einem Arbeitsamt in Alcala de Henares, bei Madrid, Spanien: Die soziale Sprengkraft in Europa nimmt weiter zu.

BerlinDer sozialpolitische Sprengstoff in Europa hat nach eine Studie der Bertelsmann-Stiftung im Zuge der Euro-Staatsschuldenkrise zugenommen. Auch wenn sich die Europäische Union (EU) zuletzt wirtschaftlich etwas stabilisiert habe, so habe das Maß an sozialer Gerechtigkeit in weiten Teilen der Union abgenommen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Analyse der Stiftung. Vor allem in den südeuropäischen Ländern sei es nicht gelungen, die Lasten der Krisenbekämpfung in Form harscher Einschnitte einigermaßen gerecht zu verteilen. Generell gebe es ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei der sozialen Gerechtigkeit in Europa. Allerdings seien in Deutschland gegen den Trend Fortschritte gelungen.

„Die wachsende soziale Kluft zwischen den Mitgliedsstaaten und zwischen den Generationen kann zu Spannungen und einem erheblichen Vertrauensverlust führen“, warnte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Sollte diese Entwicklung andauern, drohe das europäische Integrationsprojekt in Gefahr zu geraten. Daher sollte das Thema soziale Gerechtigkeit in der EU stärker in den Vordergrund geschoben werden.

Meilensteine der EU

25. März 1957

Die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlanden schließen die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).

1968

Die Länder der EWG vollenden den Binnenmarkt und schaffen alle Zölle auf gegenseitige Exporte und Importe ab.

1. Januar 1973

Dänemark, Irland, Großbritannien und Nordirland treten der EWG und EURATOM bei.

1. Januar 1981

Griechenland tritt der EWG bei.

1. Januar 1986

Portugal und Spanien treten der EWG bei.

7. Februar 1992

Maastrichter Vertrag über die Europäische Union. Die europäische Zusammenarbeit wird über die Politik hinaus auf Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Verbraucherschutz, Industrie, Entwicklungshilfe, Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz und Inneres erweitert. Außerdem wird die Gründung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro beschlossen.

1. Januar 1995

Österreich, Schweden und Finnland treten der Europäischen Union bei.

16 März 1995

Inkrafttreten des Schengener Abkommens über den Wegfall der Personenkontrollen an den Binnengrenzen.

1. Januar 1999

11 EU-Länder führen die Gemeinschaftswährung Euro ein – darunter Deutschland. Zunächst als Buchgeld, ab 1. Januar 2001 mit eigenen Münzen und Scheinen.

1. Mai 2004

Die EU erweitert sich nach Osten und nimmt Polen, Tschechien, Ungarn die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten auf. Außerdem treten Zypern und Malta der EU bei.

1. Januar 2007

Bulgarien und Rumänien werden EU-Mitglied.

10. Dezember 2012

Die EU erhält den Friedensnobelpreis wegen ihres Beitrags zur Förderung von Frieden, Versöhnung und Demokratie.

Die Wissenschaftler der Bertelsmann-Stiftung arbeiten mit einem sogenannten Gerechtigkeitsindex, der anhand einer Vielzahl einzelner Kriterien verschiedene Dimensionen der sozialen Gerechtigkeit erfasst: nämlich Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.

Angeführt wird die Rangliste der EU-Länder in Hinblick auf die Verwirklichung einer möglichst hohen sozialen Gerechtigkeit von Schweden, gefolgt von Finnland, Dänemark und den Niederlanden. Deutschland bekleidet Rang sieben, Frankreich Rang elf. Auch Großbritannien liegt mit Rang 13 noch über dem EU-Durchschnitt. Am Ende rangiert Griechenland, das mit am härtesten von der Staatsschuldenkrise betroffen war. Weit hinten liegen auch Italien (Rang 23), Spanien (Rang 21) und Portugal (Rang 20).

Von

rtr

Kommentare (4)

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Herr Fred Meisenkaiser

15.09.2014, 10:51 Uhr

Staatsverschuldung auf der Einen Seite - Vermögen der Reichen auf der anderen Seite - so einfach ist das!

Die Gewinne der Zockernbanken liegen auf den Konten der Reichen. Die Kosten der Krise sollen nun aber die Bürger tragen.
Dies ist bekannt, und von den neoliberalen und konservativen Machthabern so gewollt!

Herr Riesener Jr.

15.09.2014, 11:39 Uhr

Die Nutzer des Wortes "Soziale Gerechtigkeit" sind selten auf der Suche nach Erkenntnis, sondern wollen ihre einseitigen Ansichten durchsetzen. Es gibt ein nämlich ein anderes Wort, das auch gut klingt aber im Widerspruch zum ersten steht: "Leistungsgerechtigkeit". Das besagt, dass der, der doppelt so viel arbeitet, doppelt so viel verdient. Dies steht wie gesagt im Widerspruch zur "sozialen Gerechtigkeit", z.B. manche Behinderte können gar nicht arbeiten, sollten aber trotzdem Geld zum Leben bekommen. Das können sie nur von den Leistungsstarken bekommen, die dann aber eben weniger verdienen, als es die Leistungsgerechtigkeit vorgibt.

Man muss also einen Kompromiss finden: zwischen "Leistungsgerechtigkeit" und "sozialer Gerechtigkeit". Leute, die "soziale Gerechtigkeit" sagen, wollen oft Gleichheit - das ist aber nicht gerecht!

Herr Wolfgang Trantow

15.09.2014, 12:40 Uhr

Ein Erfolg unserer Frau Merkel bzw. Politiker. Sie wollen die Spaltung in Europa. Sie kennen nur Politiker, Manager, Reiche und Banker. Wer nicht dazu gehört ist nach deren Meinung selber Schuld. Schon alleine der sogenannte Kampf gegen Judenhass. Was macht Frau Merkel denn? Sie unterstützt massiv diesen Vorgang und weigert sich gegen den Islam vor zu gehen. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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