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02.01.2013

20:48 Uhr

Neue Unruhen

Syrien versinkt in einer Welle der Gewalt

Die Auseinandersetzung zwischen Regierungstruppen und Rebellen wird immer brutaler. Seit Beginn der Proteste sind nun bereits 60.000 Menschen ums Leben gekommen - und Frieden ist nicht in Sicht.

Was bleibt sind Trümmer: Viele Gebiete in Syrien liegen nach Kämpfen von Regierungstruppen und Rebellen in Schutt und Asche. Reuters

Was bleibt sind Trümmer: Viele Gebiete in Syrien liegen nach Kämpfen von Regierungstruppen und Rebellen in Schutt und Asche.

BeirutMit einer neuen Welle der Gewalt hat das neue Jahr in Syrien begonnen. Bei einem schweren Luftangriff auf eine Tankstelle nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus kamen nach Angaben von Aktivisten am Mittwoch zahlreiche Menschen ums Leben. Rebellen griffen im Norden des Landes mindestens drei Flughäfen an und lieferten sich schwere Gefechte mit Regierungstruppen. Angesichts der eskalierenden Gewalt korrigierten die Vereinten Nationen die Zahl der Toten seit Beginn des Konflikts deutlich nach oben und bezifferten die Opfer auf mindestens 60.000.

Ein Kampfflugzeug vom Typ MiG habe am Mittwoch eine Rakete auf eine Tankstelle im Damaszener Vorort Mleiha abgefeuert, berichtete der örtliche Aktivist Mohammed Said via Skype. Bei dem Angriff seien Dutzende Menschen getötet oder verletzt worden, teilte die in Großbritannien ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Chronologie – der Konflikt zwischen Türkei und Syrien

6. Juni 2011

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien in die Türkei setzt ein. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verspricht den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später sind bereits fast 10 000 Syrer in türkischen Lagern.

12. November

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus.

16. März 2012

Die Türkei ruft ihre Bürger auf, Syrien wegen der Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt Ankara die Botschaft in Damaskus.

9. April

Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben rund 25 000 Syrer.

30. Mai

Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.

22. Juni

Syrien schießt vor der Küste einen türkischen Militärjet ab. Beide Piloten sterben. Das Flugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.

26. Juni

Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagt in einer vom Fernsehen übertragene Ansprache: „Bis sich das syrische Volk von diesem Diktator (Baschar al-Assad) mit blutbefleckten Händen befreit hat, wird die Türkei ihm (dem Volk) jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen.“

28. Juni

Ankara stationiert Raketenabwehrsysteme und Militärfahrzeuge an der Grenze.

6. Juni 201130. Juni

Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.

20. August

Wegen der schnell steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100 000 Menschen aufnehmen. 70 000 sind bereits in die Türkei geflüchtet, tausende warten tagelang auf der syrischen Seite der Grenze auf die Einreise in die Türkei.

18. September

Bei Kämpfen syrischer Regierungstruppen mit Rebellen werden in dem türkischen Grenzdorf Akcakale mehrere Menschen durch Schüsse aus Syrien verletzt.

3. Oktober

In Akcakale schlagen mindestens drei aus Syrien abgefeuerte Granaten ein. Eine Mutter und ihre vier Kinder sterben. Wenig später greift die türkische Armee erstmals Ziele im Nachbarland an. In den folgenden Tagen schlagen im Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück.

4. Oktober

Das Parlament in Ankara erlaubt der Regierung für ein Jahr Einsätze auch über die Grenze hinweg. Die Türkei habe aber kein Interesse an einem Krieg mit Syrien, heißt es.

10. Oktober

Die türkische Luftwaffe zwingt ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung in Ankara. Die Maschine war auf dem Weg von Moskau nach Damaskus. Es seien Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung an Bord gefunden worden.

Aktivisten beschrieben nach dem Angriff ein regelrechtes Inferno. Auf einem Amateurvideo waren ein rund ein Meter tiefer Krater und mindestens zehn Leichen zu sehen. Mehrere Autos standen in Flammen und schwarze Rauchsäulen stiegen zum Himmel auf. Das Video wirkte authentisch und stand im Einklang mit weiteren Berichten über den Vorfall. "Viele der Leute, die da waren, wurden getötet", sagte Aktivist Said. "Auf dem Boden liegen Leichenteile." Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten viele Fahrer mit ihren Autos vor der Tankstelle gewartet. Wegen der Treibstoffknappheit im Land stehen die Menschen oft stundenlang für Benzin an.

Warum die syrische Luftwaffe die Tankstelle angriff, war zunächst unklar. In den vergangenen Tagen war es in der Nähe bereits zu Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungstruppen gekommen. Nach Angaben von Aktivisten flog die Luftwaffe auch Angriffe auf die Damaszener Vororte Maadamije und Deir al Asafir. "Seit gestern waren die Luftangriffe sehr heftig", sagte Said am Mittwoch.

Unterdessen bezifferten die UN die Zahl der Todesopfer seit Beginn des Aufstands gegen die Regierung von Präsident Baschar al Assad vor 22 Monaten auf mindestens 60.000. Aktivisten und die Opposition waren bislang von rund 45.000 Toten ausgegangen. Das Hohe Kommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte teilte am Mittwoch mit, Experten hätten Opferzahlen von sieben verschiedenen Quellen, darunter auch Regierungsangaben, ausgewertet und seien für die Zeit zwischen 15. März 2011 und 30. November 2012 auf 59.648 Todesopfer gekommen. "Wir gehen davon aus, dass bis Anfang 2013 mehr als 60.000 Menschen getötet wurden", sagte UN-Menschenrechtsbeauftragte Navi Pillay.

Angesichts des hohen Blutzolls kritisierte sie das internationale Krisenmanagement. "Das Versagen der internationalen Gemeinschaft - vor allem des Weltsicherheitsrats - etwas zu tun, um das Blutvergießen zu beenden, beschämt uns alle", sagte Pillay. "Wir alle haben an den Rändern herumgedoktert, während Syrien brennt."

Kommentare (5)

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nethopper

03.01.2013, 01:05 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

pitpat

03.01.2013, 09:59 Uhr

ACHTUNG Medien-Manipulation !!!!
"...der in Großbritanien ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte!"

Es ist die (offensichtlich)dauerhaft einzige Informationsquelle, auf die auch immer Bezug genommen wird !
Allein der Name dieser "Organisation" kann ja "NUR GUTES" heißen, aber es ist leider nur eine 1-Mann-Institution, welche die Infos für unsere Medien WUNSCHGEMÄSS aufbereitet und dann verstreut !!!

Mir erscheint dieser Bericht auch wieder SEHR gefaerbt fuer eine !!! Intervention mit Truppeneinmarsch !!!

...wo doch jeder weiss, dass die FREIE SYRISCHE ARMEE nichts anderes ,als CIA bezahlte Soeldner sind , die mit den Schwarzgelden des militaerisch industriellen Komplexes bezahlt werden!!! Gucke mal wo die US Schulden so alle herkommen!!!!!




nurmalso

03.01.2013, 17:42 Uhr

Dieser einseitige Bericht ist schlecht recherchiert und dargestellt. Hier werden die meist ausländischen Rebellen (freie syrische Armee) als Helden dargestellt, dabei herrscht in den von ihnen besetzten Gebiete nur Mord, Vergewaltigung und Totschlag. Jede Armee auf der Welt würde genauso wie die syrische Armee handeln- nämlich ausländische Agresoren vertreiben. Warum hat der eine Rebell ein österreichisches Sturmgewehr? Wiso tauchen Bilder auf wo hochwertige Heckler& Koch Sturmgewehre zu sehen sind. Zur Abwechslung an die Redaktion, setzen Sie sich doch mal mit dem Beitrag des russischen Fernsehens (russia24) TAGEBUCH SYRIEN http://www.youtube.com/watch?v=I-Z_UaUHpLk auseinander.

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