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03.01.2011

12:43 Uhr

Neue Uran-Technik

China-AKW werden vom Ausland unabhängig

China hat nach eigenen Angaben einen "Durchbruch" in der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente erzielt. Mit der neuen Technik wird die Urannutzung "60 mal effizienter" - und China von ausländischen Vorkommen unabhängig. Der Kernenergie steht damit in China eine große Zukunft bevor.

Mit einer neuen Technik zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstäben macht sich China unabhängig von ausländischen Uranvorkommen. dpa

Mit einer neuen Technik zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstäben macht sich China unabhängig von ausländischen Uranvorkommen.

HB PEKING. Der Nachschub an Kernbrennstoffen für seine Atomkraftwerke ließe sich damit sehr langfristig sichern, berichtete am Montag das chinesische Staatsfernsehen. Es gehe um die "Gewinnung von Plutonium und Uran aus abgebrannten Kernbrennstoffen". Mit der neuen Technologie reichten die in China entdeckten Uran-Bestände "bis zu 3000 Jahre" - im Gegensatz zu den bisher veranschlagten 50 bis 70 Jahren, hieß es in dem Bericht.

Durch den technischen Durchbruch gewinnt China ein Stück energiepolitische Unabhängigkeit: Bislang gehen chinesische Wissenschafter davon aus, dass die Volksrepublik selbst bei einem vergleichsweise bescheidenen Ausbau seines Atomprogramms bis 2020 mehr als 60 Prozent seines Uranbedarfs wird importieren müssen.

Die Uran-Nutzung werde durch die neue Technologie "60 mal effizienter". Die Anlage sei allein von chinesischen Technikern gebaut worden. "Sie ist zu 100 Prozent original", sagte Wang Jian, Chefingenieur des Wiederaufarbeitungsprojekts der China National Nuclear Cooperation (CNNC), dem Staatsfernsehen. Bisher verfolgen nur Frankreich, Großbritannien, Russland und Japan die schwierige Technologie zur Wiederaufarbeitung.

China ist besorgt über die Brennstoffversorgung seines Atomkraftprogramms, das den steigenden Stromverbrauch der schnell wachsenden chinesischen Wirtschaft sichern soll. Dem "Durchbruch" seien 24 Jahre an Versuchen und Rückschlägen vorausgegangen. "Durch eine Reihe chemischer Prozesse müssen wir abgebrannten Kernbrennstoff während der Erhitzungsphase wieder aufarbeiten, um sowohl den wiederverwertbaren Teil des verbrannten Materials als auch den neu erzeugten Teil zu gewinnen", erläuterte Wang Jian.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist nicht nur der weltgrößte Energiekonsument, sondern auch der größte Kohleverbraucher und Klimasünder. Durch den massiven Ausbau der Kernenergie soll die Abhängigkeit von der klimaschädlichen Kohle verringert werden. In keinem anderen Land werden heute so viele neue Atomkraftwerke gebaut. 12 Atomeiler sind in Betrieb, 24 im Bau, weitere geplant. Laut Internationaler Atomenergie-Behörde (IAEA) wurden 2009 gut 70 000 Gigawatt Atomstrom produziert. Bis 2020 will Peking die Kapazitäten verachtfachen. Dann sollen sechs Prozent von Chinas Strom aus der Kernkraft kommen.

Kommentare (4)

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BWLer

03.01.2011, 14:54 Uhr

Wenn denn da keiner übertrieben hat - dann könnte das die Nachricht des Jahres bleiben. Und den endgültigen Abschied vom alten Abendland bedeuten. Tja, hierzulande werden die Mittel eben auf der Magistrale Stuttgart - Ulm verbraten.

Zipflkl4tscher

03.01.2011, 17:24 Uhr

@bWLer:

Genau Du Schlaumeier - und als Gegner der Magistrale Stuttgart-Ulm darfst Du hier auf der Strasse dagegen protestieren und lamentieren, während Du in China schon längst im bunker sitzen würdest oder in gar nichts davon mitbekommen hättest, weil in Deinem winzigen chinesischen Kaff auf dem Lande weder ne Zugverbindung noch Fernsehen hast.
Wenn das Leben in China also so viel besser ist, dann darfst Du gerne auswandern und wir haben einen S21-Gegner weniger... danke!

Berliner Sonne

03.01.2011, 19:19 Uhr

Leider hat China nicht die Erfahrung im Umgang mit den radioaktiven "Abfällen" bei der Aufarbeitung (Cäsium, Strontium und vor allem Krypton, ein Gas, was mit gar nichts reagiert) Somit dürften wir auf weiteren atomar-globalen Dreck einstellen. Da Europa schon besonders schlampig mit den atomaren Kochtöpfen (La hague, Sellafield) umgeht, wird man die Russen und jetzt die Chinesen wohl schwerlich bekehren können - Viva la Atomica
Damit hat überdies China den Weg frei zur globalen Führungsmacht - und müssen sich noch weniger vorschreiben lassen.

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