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11.05.2015

21:35 Uhr

Neue Verschwörungstheorie zum Tod von Bin Laden

Alles nur gelogen?

VonAxel Postinett

Der Tod von Osama Bin Laden soll nicht mehr als ein inszeniertes Theaterstück gewesen sein, um Obamas Wiederwahl zu sichern. Ein Vorwurf, der dem Präsidenten schwer schadet. Und seiner damaligen Außenministerin Clinton.

Afghanische Zeitung nach dem Tod von Osama bin Laden – in den USA werden Zweifel an der offiziellen Geschichte laut. dapd

Afghanische Zeitung nach dem Tod von Osama bin Laden – in den USA werden Zweifel an der offiziellen Geschichte laut.

San FranciscoFalls Ex-Gouverneur Jesse Ventura noch mal an einer Neuauflage seines 2010 erschienenen Buches arbeitet, wird er ein neues Kapitel anfügen müssen - an „American Conspiracies: Lies, Lies, and More Dirty Lies That the Government Tells Us“ (Amerikanische Verschwörungen: Lügen, Lügen und noch mehr dreckige Lügen, die uns die Regierung auftischt“).

Der Investigativ-Journalist Seymour M. Hersh behauptet in einem Artikel in der „London Review of Books“, dass die Obama-Regierung sich die Geschichte rund um den Tod von Al Qaida-Terrorist Osama Bin Laden am 2. Mai 2011 dreist zusammengelogen hat. Die Wahlen zur zweiten Präsidentschaft von Barack Obama standen an und da passte dieser Glanzpunkt seiner außenpolitischen Karriere zeitlich einfach wunderbar in die politische Landschaft. Am Ende wurde der Präsident auch wiedergewählt.

Doch laut Hersh soll es keine Nacht- und Nebelaktion unter Einsatz des Lebens von US-Eliteeinheiten und ohne pakistanische Beteiligung gegeben haben. Alles sei abgesprochen gewesen, auch die Pakistani wussten Bescheid, erzählt der Journalist einer nun verblüfften Öffentlichkeit. Bin Laden soll bereits seit Jahren unter pakistanischem Hausarrest gestanden haben. Tatsächlich war sein angebliches Geheimversteck nur einen Steinwurf von einer scharf bewachten Militärakademie entfernt. Bei der ganzen Aktion soll nur ein Schuss abgefeuert worden sein.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Amerika ist für Verschwörungstheoretiker ein El Dorado. Noch immer werden gut besuchte Konferenzen zum Tod von John F. Kennedy und zahlreichen Theorien dazu abgehalten. Nicht verstummen wollen auch die Gerüchte um das Geheimlabor Area 51 der US-Airforce in Nevada mit den Körpern toter Aliens aus dem Weltraum. Und die Kondensstreifen hinter den zahlreichen Passagierjets sind mit todbringenden Chemikalien versetzt, mit der eine geheime Macht die Erde entvölkern will.

Amerika ist das Land der freien Rede und des Misstrauens gegen „die da oben“. Man wäre da schnell versucht, Hershs Theorie in die Schmunzelecke abzutun, wenn er nicht ein so angesehener Journalist wäre. Der Pulitzer-Preisträger hat das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg aufgedeckt. Eines der Schlüsselereignisse, die die Stimmung in den USA gegen den unseligen Dschungelkrieg kippen ließen. Später half er den Folterskandal im amerikanischen Geheimgefängnis Abu Ghuraib aufzuarbeiten. Der Mann ist umstritten, aber nicht als Spinner bekannt.

Entsprechend ging es hoch her in TV-Talkshows am Sonntag, dem Tag der Veröffentlichung der Geschichte, und am Montag. Was verschweigt uns der Präsident? Hershs Geschichte stützt sich dabei auf eine einzige, nicht genannte Quelle – einen „hochrangigen pensionierten US-Geheimdienstmitarbeiter“. Sie geht so: Bin Laden war von Einheimischen gegen eine Belohnung verraten und inhaftiert worden. Saudi Arabien habe dann jahrelang dafür bezahlt, dass der saudische Staatsbürger Bin Laden nicht an die USA ausgeliefert worden sie.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

12.05.2015, 15:03 Uhr

"Alles nur gelogen"

Niemand weiß es und es gibt wohl niemanden, der auch nur einen USD auf die Richtigkeit der Angaben der USA setzt.

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