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26.04.2013

01:59 Uhr

Neuer Bericht

USA vermuten Nervengift-Einsätze in Syrien

Die USA ändern ihre Sicht auf Syrien, und sagen erstmals Präsident Assad habe „sehr wahrscheinlich“ Chemiewaffen eingesetzt. Nach dem Bericht hat die Opposition an den Westen appelliert, einzugreifen.

Geheimdienste

USA: In Syrien wurden Chemiewaffen eingesetzt

Geheimdienste: USA: In Syrien wurden Chemiewaffen eingesetzt

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WashingtonDie USA haben erstmals eingeräumt, dass die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad offenbar Chemiewaffen eingesetzt haben. Die syrischen Streitkräfte hätten wahrscheinlich „in geringen Mengen“ chemische Waffen benutzt, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel am Donnerstag in Abu Dhabi. Die USA hatten den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als „rote Linie“ für eine mögliche Militärintervention bezeichnet.

Hagel bekräftigte bei einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass ein Chemiewaffen-Einsatz „nicht akzeptabel“ sei. Auch wenn noch nicht abschließend feststehe, dass Assads Truppen für den Angriff verantwortlich seien, sei dies doch „sehr wahrscheinlich“, sagte er. Nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste wurde vermutlich Sarin-Gas eingesetzt.

Wirren um syrische Chemiewaffen

Seit wann verfügt Syrien über Chemiewaffen?

Das syrische Chemiewaffenprogramm soll in den 70er und 80er Jahren mit Hilfe der Sowjetunion entwickelt worden sein, um die Abschreckung gegen das Nachbarland Israel zu erhöhen. Laut einem Bericht der Washingtoner Denkfabrik CSIS von 2008 soll Syrien anschließend von der Unterstützung des Iran bei der Entwicklung von Chemiewaffen profitiert haben.

Um welche Art von Waffen handelt es sich und wo sind diese gelagert?

Öffentlich zugängliche Informationen über das Arsenal existieren praktisch nicht, da Syrien nicht Mitglied der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen ist. Nach Einschätzung der Brookings Institution in Washington verfügt Syrien aber über ein hochentwickeltes Chemiewaffenprogramm, zu dem Senfgas, Saringas und das tödliche Nervengas VX gehört.

Laut einer Untersuchung des Zentrums für Studien zur Nicht-Verbreitung (CNS), gibt es in Syrien mindestens vier, möglicherweise fünf Chemiewaffenfabriken, die nahe der Städte Damaskus, Aleppo und Hama liegen. US-Beamte hatten im Februar die Zahl der zum Schutz der Waffen nötigen Einsatzkräfte auf 75.000 Mann beziffert. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" von diesem Monat wurden Chemiewaffen zuletzt womöglich an andere Orte gebracht.

Wie ist Syrien bislang mit den Waffen umgegangen?

Die syrischen Chemiewaffen sind bisher noch nie zum Einsatz gekommen, auch nicht bei Konflikten mit Israel wie dem Libanonkrieg 1982. Der zur Opposition übergelaufene Ex-Botschafter Syriens im Irak, Nawaf Fares, hatte in der vergangenen Woche gesagt, Syriens Machthaber Baschar al-Assad könnte die Chemiewaffen gegen die Aufständischen einsetzen und habe dies womöglich schon getan. Am Montag dann erklärte Damaskus, die Waffen "niemals" gegen die syrische Bevölkerung einzusetzen, schloss aber einen Einsatz im Fall eines "ausländischen Angriffs" nicht aus.

Wie sind die internationalen Reaktionen angesichts der möglichen Gefahr durch die Waffen?

Die USA haben Syrien zuletzt aufgefordert, die Sicherheit bei der Lagerung der Chemiewaffen zu gewährleisten, andernfalls werde die internationale Gemeinschaft die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Israel zeigte sich insbesondere besorgt, sollten Chemiewaffen in den Wirren des Syrien-Konflikts der libanesischen Hisbollah-Miliz in die Hände fallen. Auch Jordaniens König Abdullah II. hatte gewarnt, das bereits in Syrien präsente Terrornetzwerk Al-Kaida könne von dem Chaos in Syrien profitieren und "schlimmstenfalls" an Chemiewaffen gelangen.

Eine Untersuchung der UN war bisher dadurch verhindert worden, dass Syrien und die UN sich nicht über das Ausmaß des Zugangs für Kontrolleure einig werden konnten. Nach den neuesten Berichten hat UN-Chef Ban Ki Moon seine Forderung nach „vollem und uneingeschränkten Zugang“ erneuert, sagte ein Sprecher in New York.

Ein Team von UN-Waffenexperten steht seit Wochen bereit, in Syrien Hinweisen auf eine Chemiewaffeneinsatz nachzugehen. Das Regime in Damaskus, das den Einsatz der Experten ursprünglich selbst angefordert hatte, lehnt eine Zusammenarbeit mittlerweile jedoch ab.

Soldaten des Assad-Regimes bei Damaskus: Angeblich sollen Truppen Chemiewaffen eingesetzt haben. dpa

Soldaten des Assad-Regimes bei Damaskus: Angeblich sollen Truppen Chemiewaffen eingesetzt haben.

Auch die Opposition in Syrien reagierte auf die neuen Hinweise aus den USA. Die Syrische Nationalkoalition forderte die internationale Gemeinschaft in einer Erklärung zu einem entschiedenen Handeln auf.

Das Weiße Haus bestätigte, dass mehrere Mitglieder des US-Kongresses schriftlich darüber informiert worden seien, dass die Geheimdienste „mit unterschiedlichem Grad der Zuverlässigkeit“ vom Einsatz von Chemiewaffen „in geringem Maße“ ausgingen.

Kommentare (16)

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Harald

25.04.2013, 21:24 Uhr

Ich vermute es ist wie im Irak...

Nomadd

25.04.2013, 23:11 Uhr

Ja, das vermute ich auch ;D
Nach der Invasion wird's keine Hinweise mehr auf Chemiewaffen geben.

Wird Zeit, dass Putin mit dem nuklearen Gegenschlag droht, falls sich die USA einmischen sollten.

Steinweg

25.04.2013, 23:13 Uhr

Ausser in der U-Bahn in Tokio hat diese Substanz-Gruppe doch wohl noch niemand angewendet. Selbst Hitler traute sich nicht.

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