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30.10.2011

12:18 Uhr

Neuer EZB-Chef

Die Zinssorgen des Mario Draghi

Der neue EZB-Chef Mario Draghi steht vor enormen Herausforderungen. Während die Politik gegen ihre Schulden ankämpft, soll Draghi für Währungsstabilität sorgen. Noch hält der Taktiker sich mit einer Zinssenkung zurück.

Mario Draghi leitet am Donnerstag seine erste Sitzung für die Europäische Zentralbank in Frankfurt. AFP

Mario Draghi leitet am Donnerstag seine erste Sitzung für die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

Berlin/FrankfurtPremiere für den neuen EZB-Präsidenten: Am Donnerstag kommt die Europäische Zentralbank in Frankfurt erstmals unter ihrem neuen Chef Mario Draghi zu einer Ratssitzung zusammen. Doch die Zinswende wird der Italiener nach Ansicht von Experten bei seinem ersten Auftritt als Nachfolger von Jean-Claude Trichet noch nicht wagen.

Gegen eine Zinssenkung spricht trotz der Konjunktursorgen in der Euro-Zone, dass der Preisdruck noch immer hoch ist.

Zudem dürfte Draghi kein Interesse daran haben, sich auf der allerersten Sitzung unter seiner Regie sogleich den Ruf einer wenig stabilitätsorientierten „Zinstaube“ zu erwerben. Fachleute erwarten daher, dass Draghi zunächst nahtlos an den Kurs seines französischen Vorgängers anknüpfen wird, der sich nach acht Jahren an der Spitze der EZB in den Ruhestand verabschiedet.

Unter dessen Leitung war zuletzt im EZB-Führungsgremium eine geldpolitische Lockerung diskutiert, aber nicht beschlossen worden: „Der EZB-Rat dürfte auch auf seiner kommenden Sitzung noch keine Entscheidung für oder gegen eine Zinssenkung treffen, so dass auch die Wortwahl Draghis auf der Pressekonferenz der Trichets von Anfang Oktober ähneln dürfte“, meint EZB-Kenner Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Somit dürfte auch Draghi mit bewährten Signalwörtern zur Erläuterung des weiteren Kurses operieren. So könnte der neue Präsident einerseits die „hohe Unsicherheit“ und die „verstärkten Abwärtsrisiken“ für den Wirtschaftsausblick betonen, andererseits aber auch die niedrigen Zinsen und die „weitgehend ausgewogenen Risiken für die Preisentwicklung“ hervorheben. Damit könnte sich Draghi eine Hintertür für eine Zinssenkung offenhalten, ohne sich indes stärker festzulegen.

Kommentare (5)

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fondsberater

30.10.2011, 12:42 Uhr

Die EZB verweigert sich schlicht ihrer Aufgabe: bei über 3% Inflation ist eine Zinserhöhung angesagt und keine Senkung, was wieder einmal mehr beweist: die EZB ist die Nutte der Politik und abgewrackter Eurostaaten - immer willig und willfährig den Europa Kommissaren

Strategieberater

30.10.2011, 15:30 Uhr

Die EZB hat das Ziel einer stabilen Währung "ohne" Geldentwertung / Inflation. Dazu wurde ihr die Freiheit und Unabhängigkeit vom Staat gegeben. Durch den französischen Einfluss wurde das bisherige Gleichgewicht von Tauben und Falken zerstört. Die EZB verspielt mit der nicht vollzogenen, jedoch nötigen Zinserhöhung ihre Glaubwürdigkeit!

Account gelöscht!

30.10.2011, 15:59 Uhr

Die EZB arbeitet genauso wie die FED mit der Enteignung der Buerger. Jeder Zins unter (der ohnehin geschoenten) Inflationsrate ist Enteignung. Da sollte auch mal Frau Merkel eine Stellungnahme dazu abgeben, dass die Sparer Geld an die Banken geben und dafuer praktisch noch bezahlen muessen. Abartiger kann Kapitalismus ja kaum mehr sein. Erzwungene Geldgeschenke an die Finanzwirtschaft. Und die Politik weiss davon nix ;-)

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