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01.11.2011

09:46 Uhr

Neuer EZB-Chef

Mario Draghi, bitte übernehmen Sie!

Der neue Chef der Europäischen Zentralbank ist Pragmatiker, aber kein Stabilitätspolitiker deutschen Schlages. Mit dem Kauf von Staatsanleihen durch die EZB hat er kein Problem – was in Deutschland für Skepsis sorgt.

Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu. dapd

Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu.

Es war sein letzter Tag an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Und Jean-Claude Trichet verbrachte ihn damit, den Märkten Interpretationshilfe für seinen Nachfolger Mario Draghi zu geben. Der Italiener, der heute sein Amt an der EZB-Spitze antritt, hatte sich dafür ausgesprochen, die „unkonventionellen Maßnahmen der EZB so lange weiterzuführen, wie nötig.“ Die Märkte verstanden darunter die Fortführung des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die EZB.

Trichet sah sich genötigt, zu erklären, was sein Nachfolger wirklich gemeint haben könnte. Jüngste Äußerungen Draghis seien vom Finanzmarkt „nicht richtig verstanden worden“, sagte Trichet der Nachrichtenagentur Reuters. Tatsächlich hatte Draghi konkret nur die großzügige Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken und die Neuauflage des Pfandbrief-Aufkaufprogramms genannt. Trotzdem wirft Trichets „Nachhilfe“ einen Schatten auf Draghis Start in Frankfurt. Denn die Kommunikation mit den Märkten gehört zur Schlüsselqualifikation von Notenbankpräsidenten.

Klar ist überdies, dass der neue EZB-Chef keine Schonzeit eingeräumt bekommt. Schon in zwei Tage muss Draghi die Sitzung des 23-köpfigen EZB-Rats leiten, bei der es wieder einmal hoch her gehen wird. Soll die EZB ihr kräftig zurückgefahrenen Käufe von Staatsanleihen wieder hochfahren, wie das Italiens Premier Silvio Berlusconi gerne hätte. Oders soll die EZB die Staatsanleihenkäufe beenden, wie es die deutschen Vertreter im EZB-Rat und deren Verbündete fordern? Und soll die EZB umgehend den Leitzins von 1,50 Prozent senken, um Rezessionsgefahren einzudämmen? Oder würde ein solcher Schritt das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der Notenbank und ihrem neuen italienischen Präsidenten nur noch verstärken?

Kommentare (12)

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01.11.2011, 10:02 Uhr

Der Euro und diese EZB vernichten den gesamten Wohlstand der deutschen Bevölkerung. Die deutschen Technokraten wie Schäuble und Merkel - noch besser: rot-grün! - ficht das nicht an. Der Euro als "politisches Projekt" - koste es, was es wolle. Mittlerweile sollte jeder begriffen haben, was mit diesem Hinweis gemeint ist: Der Euroideologie wird alternativ- und bedingungslos alles geopfert; die größte politische, wirtschaftliche und soziale Katastrophe in Deutschland und Europa seit 1945 steht an! Die Menschen werden vollends verarmen!

Beo

01.11.2011, 10:12 Uhr

Draghi wird den Finanzsektor schützen, so wie es ihm in der Goldman Schule beigebracht wurde:

http://www.therazzline.net/article/goldman_connection.html

berkmann

01.11.2011, 11:05 Uhr

Nord- und Südeuropäer passen von der Mentalität her nicht in eine gemeinsame Währung.
Das haben alle Experten schon vorher gesagt, aber die Euro-Ideologen wollen ja von der Realität nichts hören.
Wer nicht hören will, muss fühlen.
Herr Draghi wird die Kaufkraft des Euro noch mehr zerstören.

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