Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2011

19:14 Uhr

Neuer Gaddafi-Auftritt

"Übt Vergeltung gegen sie, übt Vergeltung!"

Der strauchelnde libysche Diktator bäumt sich noch einmal auf. Er zeigte sich am Abend vor einer Schar jubelnder Getreuer und rief sie dazu auf, Land und Erdöl zu verteidigen. Derweil soll Libyen aus dem UN-Menschenrechtsrat fliegen.

Gaddafi am Abend vor jubelnden Anhängern. Quelle: Reuters

Gaddafi am Abend vor jubelnden Anhängern.

TripolisDer libysche Staatschef Muammar Gaddafi hat am Freitag seine Gefolgsleute zum Durchhalten im Kampf gegen die Aufständischen aufgerufen. Das Staatsfernsehen zeigte am Abend eine Ansprache des autokratischen Herrschers auf einem mit Getreuen gefüllten Platz in Tripolis. Mit erhobener Faust rief er auf einem Wall des Roten Schlosses, eines Forts in der Nähe des Grünen Platzes, aus: "Übt Vergeltung gegen sie, übt Vergeltung gegen sie!" Seien Getreuen sollten das Land und das Erdöl verteidigen. "Wir werden kämpfen, wenn sie das wollen", rief er. Wenn nötig, werde er die Waffenkammern öffnen, um alle Stämme zu bewaffnen, drohte er. "Wir sind bereit, über den Feind zu triumphieren."

Die Hauptstadt Tripolis ist die letzte Bastion, die Gaddafi nach den tagelangen Unruhen geblieben ist. Die Gaddafi-Gegner haben bereits weite Landesteile um Osten im Griff. Dazu zählt die zweitgrößte libysche Stadt Benghasi, die das Zentrum des Aufstands gegen Gaddafi ist, und Korrespondentenberichten zufolge auch die drittgrößte Stadt Misrata. Am Freitag rückten sie weiter Richtung Tripolis vor, wo in mehreren Stadtteilen nach Medien- und Augenzeugenberichten heftige Kämpfe zwischen Gegnern Gaddafis und Sicherheitskräften tobten. "Ich glaube, Tripolis erhebt sich", sagte ein Mann im Stadtzentrum. Augenzeugen berichteten von mehreren Toten.

Nach dem Freitagsgebet strömten Demonstranten aus einer Moschee im Zentrum der Hauptstadt und versuchten, den Grünen Platz zu erreichen, wie ein Augenzeuge sagte. Milizionäre hätten zunächst Warnschüsse in die Luft abgefeuert, um sie daran zu hindern, sagte ein weiterer Augenzeuge. Auf Dächern seien Scharfschützen postiert gewesen. Viele Demonstranten hätten die Flucht ergriffen. "Die Lage ist in Teilen von Tripolis chaotisch", sagte er.

Libyen-Videos bei Youtube: Augenzeugen des Massakers

Libyen-Videos bei Youtube

Augenzeugen des Massakers

Autoritäre Herrscher lassen unabhängige Berichterstattungen nicht zu. Doch in Schwellenländern sind videofähige Handys längst weit verbreitet – und werden so zu Augenzeugen der Gewalt.

Auch andere Bewohner der Hauptstadt meldeten Gewehrfeuer aus mehreren Vierteln. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, der andere Augenzeuge habe seine Angaben ins Telefon geschrien, während im Hintergrund Schüsse zu hören waren. Eine unabhängige Bestätigung der Augenzeugenangaben war nicht möglich.

Einwohner von Tripolis hatten zuvor berichtet, die Opposition habe per SMS zu Demonstrationen gegen Staatschef Muammar al Gaddafi aufgerufen. In den SMS-Botschaften an Einwohner der Hauptstadt hieß es: "Lasst uns diesen Freitag zum Freitag der Befreiung machen." In Tripolis lebt ein Drittel der libyschen Bürger. Die Protestaktion am Freitag war der Versuch einer ersten großen Kundgebung seit der blutigen Niederschlagung einer Demonstration Anfang der Woche mit Dutzenden Toten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×