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19.05.2011

00:28 Uhr

Neuer Kautions-Vorstoß

Der demütigende Abstieg des Dominique Strauss-Kahn

Unter Dauerbeobachtung einsitzend auf der Gefängnisinsel Rikers Island, umringt von Schwerverbrechern mit ansteckenden Krankheiten: Dominique Strauss-Kahn erfährt gerade, wie tief man fallen kann. Und dabei ist die drohende Gefängnisstrafe wegen Vergewaltigung möglicherweise längst nicht alles, was der festgenommene IWF-Direktor fürchten muss.

Dominique Strauss-Kahn senkt beim Gerichtstermin den Kopf. Quelle: dapd

Dominique Strauss-Kahn senkt beim Gerichtstermin den Kopf.

New York/DüsseldorfDer wegen eines mutmaßlichen Vergewaltigungsversuchs verhaftete Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn will einen neuen Versuch starten, auf Kaution aus der Haft entlassen zu werden. Zwei Tage, nachdem eine Richterin in New York den ersten Vorstoß abgelehnt hatte, hätten seine Anwälte erneut die Freilassung auf Kaution beantragt, melden amerikanische Medien am Mittwoch. Schon am Donnerstag solle es eine Anhörung dazu geben.

Noch ist unklar, mit welchem Angebot oder welcher Strategie die Anwälte in die Verhandlung gehen wollen. Der Franzose soll am Samstag in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen sexuell belästigt haben. Nach Angaben der 32-Jährigen wollte er sie zu Oral- und Analsex zwingen. Die Anwälte des 62-Jährigen hatten eine Kaution von einer Million Dollar angeboten und versichert, Strauss-Kahn würde bei seiner in den USA lebenden Tochter bleiben. Das könne überprüft werden, etwa mit einer elektronischen Fußfessel.

Das Gericht hatte eine Freilassung aber abgelehnt. Bei dem vermögenden und international vernetzten IWF-Chef bestehe Fluchtgefahr. Er sitzt seit Montag auf der Gefängnisinsel Rikers Island in New York. Rikers Island - Home of New York's Boldest. "Hier wohnen die Härtesten von New York", steht auf der Tafel, kurz bevor es Richtung Insel geht, auf der es knapp ein Dutzend Gefängnisse gibt. Rund 14.000 Häftlinge sind hier untergebracht, gut zwei Drittel der Insassen sind entweder Schwarze oder Latinos. Die Sträflingsinsel: Im Prinzip eine kleine Stadt. Es gibt Schulen, Krankenhäuser, Sportplätze, Kapellen, Supermärkte, Friseure und sogar eine Autowaschanlage. Amerikas Steuerzahler kostet die Haftanstalt jährlich 860 Millionen Dollar.

Der derzeit prominenteste unfreiwillige Gast auf der Insel: Dominique Strauss-Kahn. Der IWF-Direktor ist im "West Facility" eingesperrt, in einer Einzelzelle - in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung. Der 62-Jährige hat einen ganzen Flügel der Haftanstalt für sich. So sei sein Schutz vor gefährlichen Insassen gewährleistet, sagt das zuständige New York City Department of Correction. Das Gebäude gilt als besonders geeignet für Häftlinge, die abgeschieden sein sollen. Auch solche mit hochansteckenden Krankheiten können hier laut Medienberichten untergebracht werden.

An diesem Freitag soll zum ersten Mal eine Grand Jury zusammentreten, die letztlich über einen Prozess gegen den 62-Jährigen entscheiden wird. Der 62-Jährige, der in seiner Heimat als Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, soll in einem New Yorker Hotel über das Zimmermädchen hergefallen sein. Ihm werden sechs Straftaten zur Last gelegt, für die er mehr als 70 Jahre Haft bekommen kann. Neben sexueller Belästigung ersten Grades gehören versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung dazu.

New York ist die Stadt, in der man hoch steigen und tief fallen kann. Viel tiefer als Strauss-Kahn geht es kaum noch. "Innerhalb weniger Stunden", so beschreibt es das "Wall Street Journal", "erlebte er eine der freundlichsten und eine der unfreundlichsten Unterbringungsmöglichkeiten, die New York City zu bieten hat. Von der Edel-Suite am Times Square, die 3000 Dollar kostet, die er aber zum rabattierten Preis von 800 Dollar bekommen haben soll, in die Einzelzelle. Die New York Times schreibt von einem "besonders demütigenden Abstieg".

Und diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Auf Rikers Island erinnert der Tagesablauf an Krankenhaus: Mittagessen um 11 Uhr, Abendessen um 17 Uhr, Frühstück zwischen 5 und 6 Uhr. Weckdienst inbegriffen. Immerhin muss Strauss-Kahn als Untersuchungshäftling keine Gefängniskleidung tragen. Und im Gegensatz zu den übrigen Insassen, die Baracken mit 50 Mann bewohnen sollen, darf er seine Mahlzeiten alleine einnehmen.

Der IWF-Chef ist rund um die Uhr unter Beobachtung und hat keinen Kontakt zu Mithäftlingen. Um einen Selbstmord zu verhindern, schauen Wachleute alle 15 bis 30 Minuten in seine Zelle, berichtet die britische BBC.

Unterdessen berichten französische Zeitungen, dass ein Überwachungsvideo aufgetaucht sei. Es zeige zuerst das Zimmermädchen, dass offenbar in Panik aus dem Raum stürme. Wenig später verlasse auch Strauss-Kahn das Hotelzimmer, den Angaben zufolge „in Hast“. Der 62-Jährige war wenig später aus der Ersten Klasse eines Air-France-Flugzeugs geholt worden, das nur Minuten später Richtung Europa abheben sollte.

IWF-Chef in Haft

Strauss-Kahn auf Gefängnisinsel Rikers Island

IWF-Chef in Haft: Dominique Strauss-Kahn auf Gefängnisinsel verlegt

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Kommentare (8)

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RalphFischer

18.05.2011, 14:27 Uhr

Guilty till proven innocent.

Sexualdelikte sind mit das gefährlichste was Amerika derzeit zu bieten hat.
Für nicht Amerikaner kaum nachvollziehbar und auch weitgehend unbekannt.

Wer sich einer Frau nähert mit der er nicht verheiratet ist, steht schon mit einem Bein im Gefängnis.

Account gelöscht!

18.05.2011, 14:59 Uhr

Mir kann das egal sein, denn mich interessieren die USA nicht. Aber DSK hätte es wissen müssen, schließlich arbeitet er in Washington.

Kommentatore

18.05.2011, 15:21 Uhr

Ein Husten ist auch eine ansteckende Krankheit :-D Also dieser Beginn der Story ist an Dramatik nicht zu überbieten....

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