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25.01.2006

09:45 Uhr

Neuer Vorsitz

Afrikanische Union wendet Krise ab

Nach zahlreichen Protesten gegen eine Kandidatur Sudans hat der Präsident von Kongo-Brazzaville, Denis Sassou Ngeusso, gestern den Vorsitz der Afrikanischen Union (AU) übernommen. Sudan, das turnusmäßig den Vorsitz übernehmen sollte, stimmte einem Kompromiss zu.

wd HB KAPSTADT. Die AU-Staaten wählten ihn auf ihrem Gipfel im sudanesischen Khartum einstimmig zum neuen Vorsitzenden und wendeten damit eine Krise ab. Sudan, das turnusmäßig den Vorsitz übernehmen sollte, stimmte einem Kompromiss zu, um einen Konflikt zu vermeiden. Das erklärte ein Sprecher des sudanesischen Außenministeriums. Sudans Staatschef Omar al Baschir werden Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen im westsudanesischen Darfur zur Last gelegt. Dem Kompromiss zufolge soll er jetzt erst im kommenden Jahr den AU-Vorsitz übernehmen.

„Sonst hätte die AU-Führung ihre Glaubwürdigkeit verloren“, sagt Siphamandla Zondi, Afrika-Direktor des Institutes for Global Dialog in Johannesburg. Die AU hat sich bei ihrer Neugründung vor vier Jahren ausdrücklich zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen die Diktatoren des Kontinents verpflichtet. Der Kompromiss schiebe das Problem um den sudanesischen AU-Vorsitz nur heraus, kritisierte die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch.

Die AU-Führung leitet die Friedensverhandlungen für die Krisenregion Darfur. Der Konflikt zwischen Regierung und Rebellen hat zehntausende Opfer gefordert, zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die AU hat eine kleine, vom Westen logistisch wie militärisch finanzierte Truppe in den Sudan entsandt. Allerdings haben die rund 6 000 Soldaten den Konflikt nicht stoppen können, zumal das Regime in Khartum sie behindert. Daher mehren sich in der AU die Rufe, die ineffiziente Truppe durch Uno-Blauhelme zu ersetzen.

Neben rund 50 Menschenrechtsgruppen kritisiert der benachbarte Tschad Sudan – schließlich spitzt sich ein Grenzkonflikt zu. Erst vor vier Wochen hatten tschadische Rebellen vom Sudan aus den Grenzort Adre angegriffen. Daraufhin warf Tschad Sudan vor, seinen Nachbarn in den Darfur-Krieg verwickeln zu wollen: „Ein aggressiver Nachbar wie der Sudan darf auf keinen Fall den AU-Vorsitz übernehmen,“ sagte Tschads Staatschef Idriss Deby.

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