Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2016

03:54 Uhr

Neues Kabinett in Großbritannien

Boris Johnson wird Außenminister unter May

Überraschung nach dem Amtsantritt: Die neue britische Premierministerin Theresa May hat Brexit-Wortführer Boris Johnson zum Außenminister ernannt. Noch ist offen, welche Rolle er bei den EU-Verhandlungen spielen wird.

Neuer Außenminister in GB

Das sagt Johnson über sein Comeback

Neuer Außenminister in GB: Das sagt Johnson über sein Comeback

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

LondonTheresa May gilt als resolut und durchsetzungsfähig. Wie rigoros sie vorgehen kann, zeigt die neue britische Premierministerin kaum zwei Stunden, nachdem sie im Amt ist. Boris Johnson, der prominente Brexit-Wortführer, der Mann mit den weißblonden Strubbelhaaren, wird Außenminister. Eine dicke Überraschung allemal – aber ist das auch eine gute Entscheidung?

Johnson, der zunächst als Favorit für das Premier-Amt galt, hat erst kürzlich das Handtuch geworfen. Der Populist gilt vielen Abgeordneten als sprunghaft, windig und wenig verlässlich.

Doch Frau May hat einen Makel: Zwar feierte das Brexit-Lager vor drei Wochen einen historischen Sieg, Großbritannien soll aus der EU – doch sie selbst plädierte im Wahlkampf gegen den Brexit, gehörte zum Pro-EU-Lager. Möglicherweise will sie diesen Makel jetzt dadurch wettmachen, dass sie den wortmächtigen Brexit-Mann ins Kabinett holt.

Allerdings dürfte Johnson vermutlich bei den Verhandlungen über das künftige Verhältnis Großbritanniens mit der Europäischen Union nur eine geringe Rolle spielen. Denn May hat für diese Aufgabe einen neuen Ministerposten geschaffen. Den Job des „Brexit-Ministers“ übernimmt nun David Davis. Davis wurde zum Staatssekretär für den Austritt aus der Europäischen Union ernannt, wie Mays Büro am Mittwochabend mitteilte. Damit ist er der britische Chefunterhändler in den Verhandlungen mit Brüssel.

Liam Fox wird Minister für internationale Handelsbeziehungen - ebenfalls ein wichtiges Amt mit Blick auf den geplanten Brexit. Liam gehörte zu den insgesamt fünf Kandidaten, die Premierminister werden wollten.

Theresa Mays Weg zur Macht

1986 bis 1994

Neben ihrer Arbeit im Finanzsektor sitzt Theresa May im Stadtrat des Londoner Bezirks Merton.

1997

May wird Abgeordnete für die Konservative Partei (Tories) im Unterhaus. Sie vertritt den Wahlkreis Maidenhead westlich von London.

1999 bis 2009

Während der Labour-Regierung hat May verschiedene Posten im konservativen Schattenkabinett. Sie ist unter anderem zuständig für Bildung, Familie und Kultur.

2002 bis 2003

Als erste Frau in der Geschichte wird May „Chairman“ der Konservativen Partei, vom Amt her vergleichbar mit einer Generalsekretärin.

Mai 2010

May wird zur neuen Innenministerin („Home Secretary“) ernannt.

Juni/Juli 2016

Vor der Abstimmung über den Brexit spricht sich May erst spät für einen Verbleib in der EU aus. Nach dem britischen Votum für den Brexit setzt sich May im parteiinternen Machtkampf um die Nachfolge von Premierminister David Cameron durch.

11. Juli

May übernimmt den Vorsitz der Konservativen Partei von Cameron.

13. Juli

May wird britische Premierministerin und zieht damit in den Amtssitz in der Londoner Downing Street Nr. 10.

Der bisherige Außenminister Philip Hammond hatte zuvor das Finanzressort von George Obsborne übernommen. Hammond will der heimischen Finanzbranche trotz des Brexit-Votums den Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten. Er befürchtet, dass andernfalls viele Finanzunternehmen in andere europäische Städte abwandern könnten. Osborne war einer der engsten Vertrauten des ehemaligen Premierministers David Cameron, der nach dem verlorenen Brexit-Referendum sein Amt niedergelegt hatte. Neue Innenministerin wird Amber Rudd.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×