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23.06.2012

11:35 Uhr

Neues Konfliktpotential

Syrien schießt türkischen Kampfjet ab

Ein türkisches Kampfflugzeug ist offenbar in den syrischen Luftraum eingedrungen und wurde dort von der Luftabwehr abgeschossen. Der Vorfall belastet die - ohnehin schon angespannten - Beziehungen der beiden Länder.

Die Grenze zwischen der Türkei und Syrien. dapd

Die Grenze zwischen der Türkei und Syrien.

Ankara/DamaskusDie gespannten Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei drohen sich weiter zu verschlechtern: Das syrische Militär hat in der Nacht zum Samstag bestätigt, dass ein türkisches Kampfflugzeug vor der Küste über dem Meer abgeschossen wurde. Die Maschine sei in syrischen Luftraum eingedrungen, hieß es. Türkische und syrische Marineeinheiten suchten inzwischen gemeinsam nach den beiden vermissten Besatzungsmitgliedern des Jets vom veralteten Typ F4-Phantom.

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Nach Darstellung eines Militärsprechers in Damaskus war ein „unbekanntes Flugziel“ mit hoher Geschwindigkeit und in niedriger Flughöhe in den syrischen Luftraum eingedrungen, wie die Staatsagentur Sana berichtete. „Daher hat die syrische Luftabwehr mit Flugabwehrgeschützen das Feuer eröffnet und das Ziel in einem Kilometer Entfernung von der Küste getroffen.“ Die Maschine sei schließlich westlich der Ortschaft Om al-Tuyur in der Provinz Latakia in das Meer gestürzt. Die Maschine war auf dem Luftwaffenstützpunkt Malatya gestartet und flog in der Nähe des engen Luftkorridors, der die Türkei mit den türkischen Truppen auf Nordzypern verbindet.

Erst später habe sich herausgestellt, so der Militärsprecher, dass es sich bei der abgeschossenen Maschine um ein türkisches Militärflugzeug handelt. Mit dem Eindringling sei so verfahren worden, „wie es die Gesetze für solche Situationen vorsehen“, sagte der Militärsprecher zum Abschuss. Marineeinheiten beider Länder hätten inzwischen Kontakt aufgenommen und suchten gemeinsam nach den beiden Besatzungsmitgliedern des Jets.

Schon kurz zuvor hatte die Türkei offiziell bestätigt, dass ein türkisches F4-Kampfflugzeug über dem Mittelmeer von Syrien abgeschossen wurde. Das wurde am Freitagabend nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Anlara mitgeteilt. Das in Malatya gestartete Flugzeug war am Mittag vom Radarschirm verschwunden. Sobald die Umstände des Vorfalls geklärt seien, würden die notwendigen Schritte unternommen und eine „endgültige Position bezogen“, hieß es.

Am Nachmittag hatte Erdogan Onlineberichte der türkischen Zeitung „Hürriyet“ zurückgewiesen, wonach sich Damaskus wegen des Flugzeugs bei ihm entschuldigt habe. „Ich habe keine solche Information erhalten“, sagte er. Fragen, warum der türkische Jet so nahe an der syrischen Küste unterwegs war, beantwortete er nicht.

Die Türkei kündigte eine entschlossene Reaktion an. Die zwei Piloten an Bord des Flugzeugs vom Typ F-4 würden weiter vermisst, hieß es aus dem Büro von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Maschine war am Mittag von den Radarschirmen verschwunden.

Außenminister Guido Westerwelle hat sich äußerst besorgt über den mutmaßlichen Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch Syrien gezeigt. Bei einem Besuch in Bangladesch verlangte Westerwelle am Samstag „genaueste Aufklärung“ über das Geschehen. Wörtlich sagte er: „Ich bin in großer Sorge. Es muss alles dafür getan werden, dass es in dieser ohnehin angespannten Lage zu keiner weiteren Eskalation kommt.“

Der Zwischenfall könnte die ohnehin angespannten Beziehungen beider Staaten weiter verschlechtern. Die Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition in seinem Land vorgeht. Viele Syrer haben auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen in der benachbarten Türkei Schutz gesucht. Die türkische Regierung plädierte für die Einrichtung von Schutzkorridoren in Syrien, um Flüchtlinge vor Übergriffen zu bewahren. Da dies aber den Einsatz von Soldaten erfordert hätte, nahm die türkische Regierung von solchen Überlegungen Abstand, solange der UN-Sicherheitsrat kein Mandat dafür erteilt.

Die Regierung in Damaskus wirft der Türkei vor, die syrische Opposition zu unterstützen und Aufständische von ihrem Gebiet aus aktiv werden zu lassen. Die Türkei hat dies zurückgewiesen.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 sind nach UN-Schätzungen mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Mindestens 500.000 Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Insgesamt soll sich die Zahl der Hilfsbedürftigen seit März auf 1,5 Millionen verdoppelt haben.

Kommentare (5)

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ukmukturu

23.06.2012, 06:32 Uhr

das war ein test im auftrag der nato ,ob die syrische luftabwehr kampfbereit ist und wenn ja,in welchen zeitfenstern

KFR

23.06.2012, 07:33 Uhr

da werden ab einige Leute sauer, wenn die Transfer-Routen für afghanische Goodies, Agenten und gelder durch die Türkei gesperrt werden

Hagbard_Celine

23.06.2012, 10:24 Uhr

Was haben türkische Flugzeuge in syrischen Luftraum zu suchen ?

Nichts.

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