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23.08.2012

10:12 Uhr

Neues Selbstbewusstsein

Viele Türken wollen kein EU-Mitglied werden

Eines Tages könnte die Türkei EU-Mitglied werden. Doch der Rückhalt für dieses Ziel schwindet. Viele türkische Wähler wollen gar kein EU-Mitglied werden. Nicht nur die Finanzkrise hat ihre Skepsis verstärkt.

Die blaue Moschee in Istanbul. ap

Die blaue Moschee in Istanbul.

Istanbul Nur noch 17 Prozent der türkischen Wähler glauben nach einer neuen Umfrage daran, dass ihr Land eines Tages in die EU aufgenommen wird. Damit hat der Rückhalt für das Ziel eines Beitritts im einzigen muslimischen EU-Bewerberland ein Rekord-Tief erreicht, wie Türkei-Forscher Faruk Sen sagte. Bevölkerung und Politik in der Türkei hätten die EU "abgeschrieben", betonte der ehemalige Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien.

Sens Türkisch-Deutsche Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (Tavak) befragte für die Studie insgesamt 1110 türkische Wähler in mehreren Landesteilen. Nur noch 15 Prozent der Türken erwarten demnach, dass ihr Land innerhalb der nächsten zehn Jahre in die EU aufgenommen wird; im vergangenen Jahr hatten noch 27,5 Prozent diese Hoffnung. Jeder dritte Befragte äußerte die Ansicht, dass eine EU-Mitgliedschaft der Türkei nichts Positives bringen werde.

Ohnehin habe sich in der Befragung gezeigt, dass viele Türken der EU sehr distanziert gegenüber stünden, sagte Sen. Fast vier von fünf Wählern sind angesichts der Finanzkrise in Europa und starker Wachstumsraten in der Türkei der Ansicht, dass ihr Land die EU wirtschaftlich nicht mehr braucht.

Diese EU-Skepsis beruhe zum einen auf einem neuen Selbstbewusstsein der Türken, sagte Sen: "Die Türkei hat in den vergangenen zehn Jahren ein kumulatives Wirtschaftswachstum von 59 Prozent erzielt." Die ablehnende Haltung von EU-Staaten wie Frankreich und Deutschland gegenüber der türkischen Bewerbung habe ebenfalls zur Abkühlung der EU-Begeisterung im Land geführt. Zudem hätten die Krisen in EU-Ländern wie Griechenland, Spanien, Irland und Italien den Blick der Türken auf die EU verändert. Angesichts dieser Lage orientiere sich die Türkei auch in der Außenwirtschaft neu. So seien die türkischen Exporte nach Afrika stark gestiegen.

Die EU und die Türkei verhandeln seit 2005 über einen Beitritt, doch sind die Gespräche bisher nur sehr langsam vorangekommen. Die Türkei-Skepsis in einigen EU-Ländern sowie der ungelöste Zypern-Konflikt haben größere Fortschritte verhindert. Nach Ansicht der EU ist zudem die Reformbereitschaft der Türkei stark zurückgegangen.

Von

afp

Kommentare (9)

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Andy

23.08.2012, 10:39 Uhr

Ich will auch keine Türken in der EU haben.
Was ist da erst los wenn die alle rüberwandern.

Ich will meine Kinder nicht in eine Schule stecken, in der die meisten Menschen Ausländer sind - ganz ehrlich.
Und zudem finde ich, dass die Ausländer Geld zahlen sollten um hier zu studieren.

MikeM

23.08.2012, 10:41 Uhr

Ich kann es ihnen nicht verübeln, so bescheuert sind die Türken nicht!

pro-d

23.08.2012, 10:52 Uhr

Vural Öger, der bekannte türkische Reiseunternehmer mit deutschem Pass und ehemaliger EUAbgeordneter der SPD, sagte 2004 in der Zeitung Hürriyet: „Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20
Millionen liegen."


Und dann sagte er noch: „Das, was Kamuni Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen."


Wird es so weit kommen?

Hoffentlich nicht.

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