Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2006

21:27 Uhr

Neues Video

Entführer stellen „letztes Ultimatum“

Die irakischen Entführer der beiden deutschen Ingenieure haben einem Fernsehbericht zufolge erneut mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Die Geiseln waren vor drei Wochen entführt worden.

Vor vier vermummten Männern sind die beiden Leipziger auf dem jüngsten Video der Entführer zu sehen. Das Video hat keinen Ton. Lediglich die Sprecherin erläutert die Morddrohung der Entführer. Foto: dpa

Vor vier vermummten Männern sind die beiden Leipziger auf dem jüngsten Video der Entführer zu sehen. Das Video hat keinen Ton. Lediglich die Sprecherin erläutert die Morddrohung der Entführer. Foto: dpa

HB KAIRO/LEIPZIG. Die Entführer sprachen von einem „letzten Signal“. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija, der das Video am Montagabend ausstrahlte, stellten die Geiselnehmer aber keine konkreten neuen Forderungen und setzten auch keine Frist. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich erschüttert. Die Bemühungen würden unvermindert fortgesetzt, um René Bräunlich (32) und Thomas Nitzschke (28) so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen.

In dem Video sind Bräunlich und Nitzschke zu sehen, die schweigend und mit ernsten Gesichtern ihre gefesselten Hände in die Kamera halten. Die beiden Männer tragen orangefarbene Hemden und knien am Boden. Hinter ihnen stehen die schwarz vermummten, bewaffneten Entführer, von denen einer eine Erklärung verliest. Der Ton des Videobandes war bei Al-Arabija nicht zu hören. Eine Sprecherin des Senders erklärte nur, die Geiselnehmer hätten gedroht, die beiden Männer zu töten und von einem „letzten Signal“ gesprochen. Das Video stamme von der Gruppe Ansar al-Tawhid wa al-Sunna (Anhänger der göttlichen Einheit und des Vorbildes des Propheten). Der Name dieser Gruppe war auch schon in dem vorherigen Video der Entführern genannt worden. Das Video zeigt als Aufnahmedatum den vergangenen Samstag.

Steinmeier (SPD) sagte am Rande seiner Nahost-Reise in Jerusalem, es handele sich wieder um ein „schockierendes Zeugnis menschlicher Erniedrigung“. Die Experten des Auswärtigen Amtes werteten das Video aus. „Wir tun das, was wir können.“

Die Geiselnehmer hatten in einem früheren Videoband gedroht, die Geiseln zu töten, falls die Bundesregierung nicht alle Kontakte zu der irakischen Übergangsregierung abbrechen sollte. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Wochen mehrfach erklärt, sie habe sich bislang vergeblich um Kontakt zu den Entführern bemüht.

Nitzschke und Bräunlich waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Baidschi entführt worden, wo sie für ihren Arbeitgeber einen Auftrag in einer Fabrik ausführen sollten. Ob es den Entführern wirklich um politische Forderungen oder um Lösegeld geht, ist immer noch unklar.

Bräunlichs Lebensgefährtin reagierte mit Betroffenheit auf das neue Video der Geiselnehmer. „Es ist immer noch der gleiche Schock“, sagte Sindy Brost am Montagabend. Die 29-Jährige hatte zuvor an der Mahnwache an der Nikolaikirche teilgenommen. Das Video sei zugleich aber auch ein Lebenszeichen, sagte Brost.

Mit einer weiteren Mahnwache bekundeten in Leipzig knapp 400 Menschen wieder ihre Solidarität mit den beiden Irak-Geiseln. Freunde und Arbeitskollegen wollen so lange Mahnwachen initiieren, bis beide Männer wieder frei sind. Bei dem Friedensgebet in der Nikolaikirche verlas Pfarrer Christian Führer Anteil nehmende Briefe aus ganz Deutschland. Auch Führer sieht in der neuen Videobotschaft ein Zeichen der Hoffnung. „Die beiden leben noch“, sagte er im Anschluss an die Mahnwache. Er werte die Aufnahme zudem als Zeichen der Gesprächsbereitschaft. „Wenn der Dialog ins Laufen gekommen ist, haben wir Hoffnung, dass es zu einem guten Ende kommt“, sagte Führer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×