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07.03.2013

06:50 Uhr

Neuwahlen

Caprilis soll für die venezolanische Opposition antreten

Nach dem Tod von Präsident Chavez muss in Venezuela laut Verfassung innerhalb von 30 Tagen ein neuer Präsident gewählt werden. Die Opposition will den 40-jährigen Gouverneur Henrique Capriles ins Rennen schicken.

Der venezolanische Oppositionsführer Miranda Henrique Capriles will Nachfolger von Chavez werden. Reuters

Der venezolanische Oppositionsführer Miranda Henrique Capriles will Nachfolger von Chavez werden.

CaracasNach dem Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez hat sich die Opposition auf einen Kandidaten für die bevorstehenden Wahlen verständigt. So soll der 40-jährige Gouverneur Henrique Capriles erneut ins Rennen gegen das Chavez-Lager geschickt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Oppositionskreisen erfuhr. Capriles hatte im Oktober die Präsidentenwahl gegen den Sozialisten verloren, der sich damit seine vierte Amtszeit trotz seines Krebsleiden sichern konnte. Allerdings erzielte der Zentrumspolitiker Capriles mit 44 Prozent das beste Ergebnis, das ein Oppositionskandidat jemals gegen Chavez erreicht hatte.

Chavez war am Dienstag in der Hauptstadt Caracas im Alter von 58 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Sein Stellvertreter und erklärter Wunschnachfolger Nicolas Maduro übernahm die Amtsgeschäfte kommissarisch. Chavez' Staatsbegräbnis ist für Freitag geplant. Die Verfassung sieht Neuwahlen innerhalb der nächsten 30 Tage vor. In Umfragen liegt Maduro im Vergleich zu Capriles deutlich in Führung.

Wie sich Venezuela unter Chavez entwickelt hat

Wie hat sich die Wirtschaft unter Chavez entwickelt?

Das je Einwohner erwirtschaftete Bruttosozialprodukt ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen. Lag er zu Beginn von Chavez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Was sind die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Chavez-Amtszeit von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoß der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den größten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen. Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der größten des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chavez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

Wie steht es um die Beziehungen zu Deutschland?

Deutschland betreffen die Entwicklungen in Venezuela kaum. 2012 wurden lediglich Waren im Wert von 539 Millionen Euro nach Deutschland ausgeliefert. Damit belegt Venezuela in der Rangliste der wichtigsten deutschen Lieferanten lediglich Platz 73, noch hinter Ländern wie Kambodscha und der Elfenbeinküste. Die deutschen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich auf 904 Millionen Euro - das entspricht nicht einmal 0,1 Prozent des gesamten Exportvolumens.

Chavez hatte das ölreiche Land 14 Jahre mit seiner Politik der Umverteilung und Verstaatlichung regiert. Mit seinem Tod verliert die Linke in Südamerika einen ihrer bekanntesten, aber auch umstrittensten Wortführer. In Caracas zogen Hundertausende auf die Straßen und begleiteten den Sarg von Chavez auf dem Weg zur Militärakademie, wo er die nächsten zwei Tage zur Totenwache aufgebahrt werden sollte.

Von

rtr

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