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16.08.2011

17:19 Uhr

"News of the World"-Abhörskandal

Abgeordnete wollen Murdoch-Sohn erneut vorladen

Das britische Unterhaus erwägt, den Medienunternehmer James Murdoch erneut zu vernehmen: Er und sein Vater haben offenbar nicht die ganze Wahrheit gesagt. Inzwischen distanzieren sich Murdochs eigene Aufklärer von ihm.

Das britische Unterhaus will James Murdoch erneut vorladen. Quelle: AFP

Das britische Unterhaus will James Murdoch erneut vorladen.

LondonIn der Affäre der britischen Skandalzeitung „News of the World“ um abgehörte Telefone kommt der Sohn des Medienunternehmers und Besitzers der Zeitung Rupert Murdoch mehr und mehr unter Druck. Am Dienstag wurden neue Hinweise bekannt, dass James Murdoch (38) vor einem Parlamentsausschuss nicht die volle Wahrheit gesagt haben könnte.

Es stehe die Frage im Raum, ob James Murdoch den Ausschuss in die Irre geführt hat, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson. Britische Abgeordnete erwägen, James Murdoch deshalb noch einmal vorzuladen: Er war für das Europageschäft seines Vaters und damit auch für „News of the World“ verantwortlich und Chef des Verwaltungsrates der britischen Senderkette BSkyB, deren vollständige Übernahme Murdoch wegen dem Abhörskandal abblasen musste.

James Murdochs Aussage, er habe von der Abhöraktion nichts gewusst, hatten der frühere „News of the World“-Chefredakteur Colin Myler und Ex-Firmenanwalt Tom Crone widersprochen. Beide wollten vermutlich im nächsten Monat vor dem Ausschuss aussagen. News International betonte am Dienstag, man arbeite mit der Polizei in vollem Umfang zusammen.   

Der Ausschuss präsentierte am Dienstag neues Beweismaterial. Darin wird deutlich, dass die illegale Abhörpraxis bei der „News of the World“ keineswegs nur ein Einzelfall war, sondern unter dem früheren Chefredakteur und späteren Regierungssprecher von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, bei Redaktionskonferenzen „breit diskutiert“ wurde. Einem Bericht der Zeitung „The Guardian“ zufolge soll Coulson nicht nur davon gewusst, sondern diese Aktionen auch ausdrücklich befürwortet haben.

Der „Guardian“ beruft sich bei seinen Angaben auf einen Brief des früheren „News of the World“-Reporters Clive Goodman, der wegen der Abhöraktion zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Goodman habe den Brief vor vier Jahren verfasst, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war. In dem Schreiben heißt es demnach, das illegale Abhören sei in „voller Kenntnis und mit voller Unterstützung“ der „News of the World“-Führung erfolgt.    

Das sind harte Vorwürfe, die sowohl die ehemalige „News of the World“-Führung, als auch die Mutterfirma News International treffen, die beide lange erklärt hatten, Goodman sei der einzige Reporter, der in die Abhöraktionen involviert gewesen sei. Goodman schreibt hingegen, auch andere Mitarbeiter hätten Telefone angezapft.

Doch wusste Verleger Rupert Murdoch selbst von den Abhörpraktiken? Die Anwaltskanzlei, die er 2007 mit der Aufklärung des Skandals betraut hatte, distanzierte sich heute von Murdoch: Er sei entweder "verwirrt oder falsch informiert" gewesen, als er vor dem Unterhaus aussagte, erklärte die britische Anwaltskanzlei Harbottle & Lewis laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Rupert Murdoch habe vor dem Ausschuss "falsche und missverständliche" Aussagen getroffen, warum er Harbottle & Lewis 2007 engagierte, schrieb die Kanzlei in einem Brief, den das Unterhaus heute veröffentlichte.

Harbottle & Lewis sei "nicht engagiert worden um News International ein "Zeugnis über einwandfreie Führung" zu verschaffen, das die Firma dem Parlament oder irgendjemand Jahre später und aus gänzlich anderen Gründen vorlegen könne", so die Kanzlei. Die Verwendung ihrer Beratungsleistungen zu diesem Zweck sei durch die damaligen Verträge ausdrücklich ausgeschlossen worden.

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