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11.02.2013

13:40 Uhr

„Nicht mehr die Kraft, die Kirche zu führen“

Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Das Oberhaupt der katholischen Kirche wird sein Amt am 28. Februar niederlegen. Das teilte der Vatikan mit. Er habe nicht mehr genug Kraft für das Amt, sagte der Papst. Ein Nachfolger im Amt soll bis Ostern feststehen.

Papst tritt zurück

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RomPapst Benedikt XVI. wird Ende des Monats zurücktreten. Das teilte der 85-Jährige persönlich am Montag auf Lateinisch bei einer Vollversammlung der Kardinäle in Rom mit. Der Vatikan bestätigte den Entschluss des Pontifex. Er habe aufgrund seines Alters nicht mehr „die Kraft“, die katholische Kirche zu führen. Zu dieser Erkenntnis sei er nach Prüfung seines Gewissens gelangt.

Der Papst sprach während des Rats zur Heiligsprechung der Märtyrer von Otranto. Er sagte, er fühle das Gewicht des Postens und wolle den Posten  „zum Wohl der Kirche“ verlassen. Benedikt XVI. feiert im April seinen 86. Geburtstag. Auch der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, führte Gesundheitsgründe für den Rücktritt. „Das Alter drückt“, sagte der 89-Jährige. „Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.“ Georg Ratzinger sagte weiter: „Ich war eingeweiht.“ Er räumte ein, seit Monaten von den Rücktrittsplänen des Papstes gewusst zu haben.

Der Papst tritt zurück: Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet

Der Papst tritt zurück

Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet

Der Rücktritt kam selbst für enge Vertraute überraschend. Kardinal Meisner hielt ihn für einen Scherz. Doch schon gibt es einen Zeitplan für die Papst-Nachfolge. Der Tag im Rückblick im Liveblog von Handelsblatt Online.

In seiner Ansprache sagte Benedikt, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Er sei sich der Schwere dieser Entscheidung wohl bewusst, erklärte aber in voller Freiheit, das ihm am 19. April 2005 von den Kardinälen anvertraute Amt auf dem Stuhl Petri abzugeben. Die Kardinäle werden gebeten sein, für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes zusammenzukommen. Wörtlich sagte der Papst in der Erklärung: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

Ein Nachfolger im Amt soll bis Ende März feststehen. „Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen.

Papst Benedikt XVI. war viel unterwegs

September 2012

Papst Benedikt XVI. besucht den Libanon.

März 2012

Eine Reise führt den Papst nach Mexiko und Kuba.

September 2011

Sein Deutschlandbesuch führt Benedikt XVI. nach Berlin, Thüringen und Freiburg.

August 2011

Als Stammgast beim Weltjugendtag ist der Papst dieses Mal in Madrid zu Gast.

November 2010

In Spanien besucht er Santiago de Compostela und Barcelona.

September 2010

Auslandsreise nach Großbritannien.

Mai 2009

Der Papst besucht das Heilige Land.

März 2009

Besuch in Kamerun und Angola.

September 2008

Apostolische Reise nach Frankreich. Anlass ist der 150. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes.

Juli 2008

Weltjugendtag in Sydney in Australien.

April 2008 -

Auslandsreise in die USA und Auftritt bei der UN.

September 2006

Heimatreise nach Bayern.

Juli 2006

Weltfamilientreffen in Valencia in Spanien.

Mai 2006

Papst Benedikt XVI. reist in das Heimatland seines Vorgängers nach Polen.

August 2005

Der Papst auf dem Weltjugendtag in Köln.

Der Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, nannte die Ankündigung einen „Blitz aus heiterem Himmel“. Benedikt hatte bereits vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass er es sich durchaus vorstellen könne, etwa aus Gesundheitsgründen das Pontifikat abzugeben. Die Kardinäle waren eigentlich zusammengekommen, um über neue Heiligsprechungen abzustimmen.

Der Papst ist in Bayern verwurzelt

Marktl am Inn

In der Stadt am Inn ist Joseph Ratzinger am 16. April 1927 als Sohn des Gendarmeriemeisters Joseph und seiner Frau Maria geboren worden. Nach seiner Wahl zum Papst kommt großer Rummel in Marktl auf, von der Papst-Torte bis zum Papst-Bier sind dort viele Souvenirs zu kaufen. Bei seinem Bayern-Besuch 2006 stattet Benedikt XVI. seiner Taufkirche St. Oswald einen Besuch ab.

Traunstein

Hier besucht er das Studienseminar St. Michael. Die Familie hat im nahen Hufnagel ein Haus bezogen. Später wird Ratzinger Traunstein als seine Heimatstadt bezeichnen, da die Eltern zuvor oft umgezogen sind. Im Zweiten Weltkrieg wird Ratzinger als Flakhelfer eingezogen und gerät kurzzeitig in US-Gefangenschaft, bleibt aber unverletzt. Nach dem Krieg legt er in Traunstein sein Abitur ab.

Freising

In der geschichtsträchtigen Domstadt beginnt Ratzinger 1946 ein Theologiestudium. Sein Ziel ist es, Priester zu werden. Schon als Student gilt er als außergewöhnlich begabt. 1951 wird er zusammen mit seinem Bruder Georg zum Priester geweiht. In seiner Promotion geht es um den Kirchenlehrer Augustinus. An der philosophisch-theologischen Hochschule Freising lehrt er von 1957 an Dogmatik, ehe er an die Uni Bonn wechselt.

Regensburg

1969 erhält Ratzinger einen Ruf nach Regensburg. An der jungen Universität lehrt er Dogmatik und Dogmengeschichte. Im Vorort Pentling hat lässt er sich ein Haus bauen. Seine Eltern und seine Schwester Maria sind auf dem Pentlinger Friedhof begraben. Sein Bruder Georg, einst Leiter der Regensburger Domspatzen, lebt in Regensburg.

München

Joseph Ratzinger verbringt einen Teil seines Theologiestudiums in München, später arbeitet er als Kaplan in zwei Pfarreien der Landeshauptstadt. 1977 muss der mittlerweile renommierte Professor den Hörsaal verlassen und auf einem Bischofsstuhl Platz nehmen: Er wird zum Erzbischof von München-Freising ernannt. Fünf Jahre später folgt der Ruf nach Rom, Kardinal Ratzinger wird Präfekt der Glaubenskongregation.

Auf dem Petersplatz herrschte ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen. Italiens Regierungschef Mario Monti nahm die unerwartete Nachricht erschüttert auf. „Ich bin sehr erschüttert über diese unerwartete Nachricht“, sagte Monti. Die Bundesregierung in Berlin reagierte bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung.

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„Ein einfacher, kleiner Arbeiter“

Radikale Umwälzungen waren nicht sein Ziel. Dennoch wird er in Erinnerung bleiben.

„Die Bundesregierung hat den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung für die katholische Kirche“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. „Er hat seine ganz persönliche Handschrift als Denker an der Spitze dieser Kirche und auch als Hirte eingebracht.“ Ihm gebühre Dank dafür, diese Weltkirche acht Jahre lang so geleitet zu haben. Seibert fügte hinzu, welche Gründe auch immer zu dem Schritt geführt hätten, sie seien „natürlich zu ehren und zu achten“. Der Sprecher kündigte an, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch am Montag zu dem Rücktritt äußern werde.

Kommentare (37)

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Merkur

11.02.2013, 12:13 Uhr

Ja was ist denn nun mit dem Vatikan??? Ist der Redakteur eingeschalfen oder warum ist der Artikel unvollendet geblieben?

Account gelöscht!

11.02.2013, 12:21 Uhr


Dann kann man ja nur hoffen, dass ein neu gewählter Papst die katholische Kirche ein wenig weltoffener führt; "Revolutionen" sind von den alten Herren sowieso nicht zu erwarten.

Schoen_waer_es

11.02.2013, 12:22 Uhr

Vor dem Papst wären mir unzählige andere eingefallen, die zum Wohle der Menschheit zurücktreten sollten.
Im Gegensatz zum Papst hier ein Teil an Versagern, die Welt nicht braucht:

Draghi
Monti
Merkel
Hollande
Schäuble
Osbama
Bernancke
.............

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