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18.11.2016

13:07 Uhr

Nicolas Sarkozy

„Die USA werden sich von ihrer Führungsrolle zurückziehen“

Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy rechnet damit, dass Europa in Trumps Amtszeit international eine stärkere Rolle einnehmen wird. Im Frühjahr will er bei der Präsidentschaftswahl den Elysée-Palast zurückerobern.

Der französische Ex-Staatschef schätzt, dass Frankreich in der Amtszeit von Donald Trump international an Gewicht gewinnen wird. AFP; Files; Francois Guillot

Nicolas Sarkozy

Der französische Ex-Staatschef schätzt, dass Frankreich in der Amtszeit von Donald Trump international an Gewicht gewinnen wird.

ParisIn der Amtszeit des designierten US-Präsidenten Donald Trump dürften Frankreich und Europa nach Einschätzung des französischen Ex-Staatschefs Nicolas Sarkozy international an Gewicht gewinnen. „Die USA werden sich von ihrer Führungsrolle zurückziehen, und das ist eine fantastische Möglichkeit für Frankreich und Europa“, sagte Sarkozy bei einer TV-Debatte von Frankreichs konservativen Präsidentschaftsanwärtern.

In den kommenden Jahren würden Frankreich und Europa „auf die internationale Bühne zurückkehren“, sagte der 61-jährige frühere Staatschef (2007-2012), der bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017 den Elysée-Palast zurückerobern will. „Amerika wird nicht da sein, um uns in den Schatten zu stellen.“

Sein innerparteilicher Rivale Alain Juppé warnte dagegen in der TV-Debatte, Trumps Präsidentschaft bedeute einen dreifachen „Schock“ in den Bereichen Handel, Verteidigung und Umwelt.

Die sieben konservativen Präsidentschaftsanwärter traten am Donnerstagabend letztmals vor der ersten Runde der Vorwahl am Sonntag im Fernsehen gegeneinander an. Zentrale Themen waren die internationale Politik, Europa, Bildung und Soziales.

Empört reagierte Sarkozy auf eine Frage zu neuen Vorwürfen der illegalen Wahlkampffinanzierung aus Libyen im Jahr 2007. Die Frage sei „unwürdig“, fuhr der Ex-Staatschef einen Fernsehmoderator an. „Schämen Sie sich nicht, einem Mann Gehör zu verschaffen, der im Gefängnis saß, der unzählige Male wegen Verleumdung verurteilt wurde und der ein Lügner ist?“

Ein umstrittener französisch-libyscher Geschäftsmann hatte kürzlich erklärt, er habe Sarkozy und seinem Umfeld vor der Präsidentschaftswahl 2007 drei Mal Koffer mit insgesamt fünf Millionen Euro aus Libyen gebracht. Schon in der Vergangenheit hatte der Mann Sarkozy vorgeworfen, für seinen Präsidentschaftswahlkampf Geld vom damaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi bekommen zu haben. Beweise erbrachte er aber nie. Sarkozy hat die Vorwürfe stets vehement abgestritten. Die Justiz ermittelt.

Warum die Vorwahl der französischen Konservativen wichtig ist

1. Der Sieger hat gute Chancen auf den Job im Élysée

Nach viereinhalb schwierigen Jahren mit Wirtschaftsflaute, hoher Arbeitslosigkeit und der verheerenden Terrorserie stehen die Zeichen in Frankreich auf Machtwechsel. Amtsinhaber François Hollande hängt im Umfrage-Keller und ist nach allzu freimütigen Äußerungen gegenüber Journalisten auch im eigenen Lager isoliert. Doch egal, wer für die Sozialisten letztlich ins Rennen geht: Umfragen sagen dem konservativen Kandidaten bislang gute Chancen voraus, im Mai das Ruder in Deutschlands wichtigsten EU-Partner zu übernehmen.

2. Die Wahl entscheidetüber die Strategie gegen Le Pen

In der Vorwahl geht es auch darum, wie die Konservativen sich gegen Rechtspopulistin Marine Le Pen behaupten wollen. Die Front-National-Chefin kann auf den Einzug in die Stichwahl hoffen und wittert nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten Morgenluft. Während Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy mit knallharten Forderungen FN-Themen wie Identität und Sicherheit besetzt, grenzt Favorit Alain Juppé sich klarer ab. Linken Wählern fiele es damit wohl leichter, im zweiten Wahlgang für Juppé zu stimmen, um Le Pen zu verhindern. Ein Sieg der Euro-Kritikerin Le Pen würde die EU in eine tiefe Krise stürzen und könnte populistische Strömungen auch in anderen Ländern stärken. Bislang gilt das als wenig wahrscheinlich – aber auch den Sieg Trumps hatten Umfragen nicht vorhergesehen.

Bei Frankreichs Konservativen findet am Sonntag die erste Runde der Vorwahl für die Präsidentschaftswahl 2017 statt. Die entscheidende Stichwahl wird eine Woche später ausgetragen. Während Umfragen lange Zeit ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhersagten, konnte zuletzt Ex-Premierminister François Fillon aufholen.

Der Vorwahl der Republikaner kommt eine zentrale Bedeutung zu: Bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai gilt der konservative Kandidat als haushoher Favorit. Erwartet wird eine Stichwahl zwischen einem konservativen Politiker und der Rechtsextremen Marine Le Pen, bei welcher der konservative Kandidat gewinnen dürfte. Dem unbeliebten Amtsinhaber François Hollande oder einem anderen Sozialisten werden so gut wie keine Chancen eingeräumt, die erste Wahlrunde zu überstehen.

Von

afp

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