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31.07.2013

10:51 Uhr

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni

Abrechnung mit dem Sonnenkönig

VonTanja Kuchenbecker

„Präsident Bling-Bling“ wurde Sarkozy während seiner Amtszeit genannt, weil er gerne in Saus und Braus lebte. Jetzt empören sich die Franzosen über die Verschwendung von Staatsgeldern für Carla Brunis Internetseite.

Carla Bruni und Nicolas Sarkozy: Die beiden gelten in Frankreich nicht gerade als bescheiden.

Carla Bruni und Nicolas Sarkozy: Die beiden gelten in Frankreich nicht gerade als bescheiden.

ParisMit Sonnenkönig Ludwig XIV oder mit Napoleon wurde er verglichen: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Willkür, Begünstigung von Freunden und Verschwendungssucht wurden ihm vorgeworfen. Sein Spitzname war „Präsident Bling-Bling“, in Anlehnung an den protzigen Stil von Rappern mit Goldketten. Seine Lebensweise erinnerte oft an einen Monarchen. Doch jetzt kommt immer mehr über seine Amtszeit ans Licht. Für die neueste Polemik sorgt die Internetseite von Carla Bruni-Sarkozy, die mit öffentlichen Geldern finanziert worden sein soll. Die Steuerzahler sind verärgert, mehr als 88.000 Franzosen unterschrieben bis Mittwoch morgen eine Onlinepetition.

Die Sängerin wird aufgefordert, das Geld „den Franzosen zurückzugeben“ und den Betrag zu spenden. Nach einem Bericht des Rechnungshofes soll der Internetauftritt der ehemaligen First Lady die Steuerzahler in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 410.000 Euro gekostet haben. Urheber der Petition ist der Webdesigner Nicolas Bousquet, für ihn sind das „astronomische Preise“. Die Seite www.carlabrunisarkozy.org existiert noch immer. Darauf geht es um Brunis Stiftung, die sich weltweit für benachteiligte Kinder einsetzt. Während Sarkozys Amtszeit informierte sie auch über Brunis Aktivitäten als Präsidentengattin.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Carla Bruni-Sarkozy will sich die Kritik nicht bieten lassen. Sie droht über einen Anwalt mit juristischen Schritten. Anwalt Richard Malka betonte : „Carla Bruni-Sarkozy behält sich das Recht vor, gegen alle Behauptungen zu klagen, die ihre persönliche Ehre verletzten.“ Die Webseite habe sie nur für offizielle Termine als First Lady benutzt. Die Webadresse habe ihre Stiftung aus praktischen Gründen behalten, erklärte die Stiftung. Geld komme von Sponsoren.

Seit einiger Zeit wird mit der Ära unter Sarkozy abgerechnet, auch deshalb, weil sein Nachfolger auf Bescheidenheit pocht. Die Krise schärfte zusätzlich das Bewusstsein für unnötige Ausgaben. Sarkozys Sonnenkönig-Gehabe und sein Ruf, arrogant zu sein, wurden ihm schon im Präsidentschaftswahlkampf gegen François Hollande zum Verhängnis. Sarkozy musste sich für seine verschwenderische Lebensweise und seine Freundschaft mit den Reichen des Landes verteidigen. Hollande dagegen gab sich bewusst bescheiden und sprach immer davon, ein „normaler Präsident“ sein zu wollen.

Kommentare (2)

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castellnevez

31.07.2013, 11:50 Uhr

Sarkozy hat nur etwas auf die Spitze getrieben, was alle seine Vorgänger jeglicher Couleur mit royaler Selbstverständlichkeit für sich beansprucht haben: das Geld der Steuerzahler nahezu unbegrenzt und unkontrolliert für zum Teil sehr private Zwecke ausgeben zu können. Dies war nur möglich, weil das ganze präsidiale System dies legalisiert hat. Auch wenn ich als Franzose weder Sarkozy gewählt noch Affinitäten für sein politisches Lager je empfunden habe, bedauere ich es sehr, dass gerade ein Präsident, der nicht aus den üblichen Pariser Kreisen stammt und nicht durch die völlig realitätsfernen Eliteanstalten Sc. Po, ENA u.ä. ge(ver)formt wurde, derart gescheitert ist. Alle Vertreter dieser Kaste, die über alle Parteiengrenzen hinweg die letzten 30 Jahre Frankreich ausgebeutet haben, reiben sich die Hände...

werner

24.08.2013, 15:37 Uhr

es ist immer das gleiche,nutte mit politiker,saus und braus mit steuergeldern,siehe wulff deutschland,berlosconi italien, und so weiter.an kann nur hoffen,dass in allen laendern endlich die buerger auf die barikaden gehen und diese verfluchten parasiten vertreiben.

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