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04.07.2016

14:36 Uhr

Nigel Farage tritt zurück

„Erst lügen – und dann weglaufen!“

Verantwortungslos und feige: Ukip-Parteichef Nigel Farage empört mit seinem Rücktritt europäische Politiker. Mit dem Rechtspopulisten verlieren die Brexit-Befürworter innerhalb kürzester Zeit ihr zweites Zugpferd.

UKIP-Vorsitz abgelegt

Farage: „Will mein Leben zurück“

UKIP-Vorsitz abgelegt: Farage: „Will mein Leben zurück“

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LondonAls „sehr feige“ hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn den Rückzug des britischen Politikers Nigel Farage von der Spitze der EU-feindlichen Partei Ukip bezeichnet. „Auf einmal ziehen sich Politiker wie Boris Johnson und Nigel Farage wieder in ihr Schneckenhaus zurück“, sagte Asselborn dem „Tagesspiegel“ (Dienstag) mit Blick auf das Abtauchen der führenden Befürworter eines Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit). Ukip-Chef Farage hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt angekündigt.

„Ich hoffe, dies dürfte eine Lehre sein, dass man politischen Opportunisten wie der AfD in Deutschland oder Geert Wilders in den Niederlanden nicht auf den Leim gehen darf“, warnte Asselborn. Vergangene Woche hatte der frühere Londoner Bürgermeister Johnson überraschend angekündigt, sich nicht um die Nachfolge des scheidenden Premiers und Brexit-Gegners David Cameron zu bewerben.

Der Fraktionsvorsitzende der EVP im EU-Parlament, Manfred Weber, nannte Farages Rücktritt verantwortungslos und feige. „Farage sagt, dass er sein Leben zurück wolle. Er sollte lieber über das Leben all jener Briten nachdenken, die er von Europa abgeschnitten hat“, twittert der CSU-Politiker.

Nach Brexit-Votum

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„Erst lügen und hetzen, dann das Chaos anrichten und jetzt weglaufen!“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Axel Schäfer. „Farage und Johnson zeigen, um was es ihnen geht: Nicht das Votum des Landes, sondern puren Egoismus! Beide sollten jetzt konsequenterweise ihre Parlamentssitze in Westminster und Straßburg aufgeben.“

Farage begründete seinen Rücktritt damit, dass sein politisches Ziel, dass Großbritannien die Europäische Union verlasse, nun erreicht sei. Er habe gewollt, dass Großbritannien eine selbstverwaltete Nation werde. Eine Karriere als Politiker habe er nie angestrebt, sagte der 52-Jährige. Es ist schon das zweite Mal, dass Farage seinen Rückzug als Parteichef ankündigt. Dieses Mal werde es aber endgültig sein, sagte er.

Er werde seinen Sitz im Europäischen Parlament behalten, um die Brexit-Verhandlungen bis zum Ende mitzumachen, fügte er hinzu. Die Bedingungen des Ausscheidens seien noch unklar. Wenn Regierung und Labour-Partei den Willen ihrer Wähler missachteten, dann könnten die besten Tage von Ukip noch bevorstehen. Farage war jahrelang Vorkämpfer eines EU-Austritts Großbritanniens, in den Vordergrund seiner Kampagne stellte er das Thema Einwanderung. Am 23. Juni stimmte eine Mehrheit der Briten in einem Referendum dann tatsächlich für den Brexit.

Vor einer Woche hatte Farage noch im Europaparlament seinen Erfolg gefeiert. Er sagte, die EU solle mit Großbritannien ein gutes Handelsabkommen schließen, sonst seien auch deutsche Arbeitsplätze in Gefahr. Großbritannien werde nicht das einzige Land sein, das die Gemeinschaft verlasse. Die Mehrheitsentscheidung der britischen Wähler gegen die EU sei ein „Licht der Hoffnung“ für den übrigen Kontinent. Unterstützung bekam er von der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen. Von anderen Kollegen im EU-Parlament musste Farage sich Buhrufe anhören.

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