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12.08.2015

02:56 Uhr

Nigeria

Boko Haram-Gewalt nimmt zu

Mehr als 15.000 Menschen sind gestorben, seit die Terrorgruppe Boko Haram versucht, in Nigeria einen islamischen Staat zu errichten. Erneut erschüttert Gewalt das Land. Doch Nachbarland Tschad gibt Anlass zur Hoffnung.

In einem Lager für Binnenvertriebene (IDP) im nigerianischen Maiduguri. Die Menschen in diesem Camp sind vor Angriffen der Islamistengruppe Boko Haram geflohen. AFP

Flucht vor Boko Haram

In einem Lager für Binnenvertriebene (IDP) im nigerianischen Maiduguri. Die Menschen in diesem Camp sind vor Angriffen der Islamistengruppe Boko Haram geflohen.

KanoBei einem Anschlag auf einen Markt im Nordosten Nigerias sind mindestens 47 Menschen getötet worden. Mindestens 50 Menschen seien bei der Bombenexplosion auf dem Wochenmarkt von Sabon Gari zum Teil schwer verletzt worden, sagte ein Krankenpfleger in der Stadt Biu am Dienstag.

Die Tat rund 135 Kilometer südlich von Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, wurde der Islamistengruppe Boko Haram angelastet. Weil viele Menschen bei dem Anschlag schwer verletzt worden seien, drohe die Zahl der Todsopfer zu steigen, sagte der Krankenpfleger.

Laut Augenzeugen ereignete sich der Anschlag gegen Mittag, als zahlreiche Menschen auf dem Markt waren. Der Sprengsatz sei in einem auf dem Markt abgelegten Pflanzenschutzmittel-Sack versteckt gewesen, sagte ein Mitglied einer Bürgerwehr, die gemeinsam mit der nigerianischen Armee gegen Boko Haram kämpft. Es bestehe kein Zweifel, das die Islamistengruppe die Tat verübt habe.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

Boko Haram kämpft seit dem Jahr 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Staats im muslimisch geprägten Norden Nigerias. In dem Konflikt wurden nach Angaben der Vereinten Nationen bislang mehr als 15.000 Menschen getötet.

Der nigerianische Staatschef Muhammadu Buhari sieht im Kampf gegen Boko Haram eine seiner vordringlichsten Aufgaben. Seit seiner Amtsübernahme Ende Mai nahm die Gewalt weiter zu; binnen zwei Monaten wurden 800 Menschen getötet.

Seit Anfang des Jahres hat Nigeria die Kämpfer von Boko Haram mit Hilfe der Nachbarländer Tschad, Kamerun und Niger aus einigen ihrer Hochburgen vertrieben. Die geschwächte Extremistengruppe verübt als Reaktion vermehrt Selbstmordanschläge in Nigeria, Kamerun und im Tschad.

Der tschadische Staatschef Idriss Deby Itno sagte am Dienstagabend vor Journalisten in N'Djamena, Boko Haram sei "enthauptet". Es gebe nun noch "kleine verstreute Gruppen im Osten Nigerias, an der Grenze zu Kamerun".

"Wir sind in der Lage, Boko Haram endgültig daran zu hindern, Schaden anzurichten", versicherte Itno. Er sagte einen kurzen Krieg gegen die Extremisten voraus, der bereits Ende des Jahres vorbei sein werde.

Itno sprach erstmals auch über einen mutmaßlichen Nachfolger des Boko-Haram-Chefs Abubakar Shekau. "Es gibt jemanden, der sich Mahamat Daoud nennt, der Abubakar Shekau ersetzt hat und dieser will mit der nigerianischen Regierung verhandeln", sagte der tschadische Präsident. Er selbst rate allerdings davon ab, "mit einem Terroristen einen Dialog zu führen".

Von

afp

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