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14.10.2016

18:13 Uhr

Nigeria

Der schwierige Aufstieg einer Nation

Nigeria will Exporteur von Lebensmitteln werden. Gleichzeitig verhandelt das Land mit der EU über einen Flüchtlingsdeal. Es scheint, als ginge es für das Land bergauf. Doch es gibt noch viele Hürden.

Nach langer Gefangenschaft sind 21 von 270 Mädchen in Nigeria freigelassen worden. Sie waren vor gut zwei Jahren von Boko Haram, einer radikalen Islamisten-Miliz, verschleppt worden. dpa

In Freiheit

Nach langer Gefangenschaft sind 21 von 270 Mädchen in Nigeria freigelassen worden. Sie waren vor gut zwei Jahren von Boko Haram, einer radikalen Islamisten-Miliz, verschleppt worden.

BerlinNigerias Präsident Mahammadu Buhari hat angekündigt, dass sein Land in etwa eineinhalb Jahren ausreichend Lebensmittel für die eigene Bevölkerung produzieren und dann mit Exporten beginnen will. „Wir hatten guten Regen und erwarten eine sehr gute Ernte“, sagte Buhari am Freitag in Berlin nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deshalb würden die Probleme mit Nahrungsmittelimporten für das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas nicht so groß wie befürchtet. „Wir werden Nahrungsmittelsicherheit schaffen und sogar Lebensmittel exportieren können, etwa Weizen, Mais und Reis. Ich denke, in etwa 18 Monaten werden wir in diesen Bereichen autark sein.“

Erst im September hatte das ölreiche Land einen Milliardenkredit der Afrikanischen Entwicklungsbank erhalten, um seine Wirtschaft breiter aufzustellen. Nigeria, das etwa 182 Millionen Einwohner hat, steckt in einer Depression. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um 1,8 Prozent voraus – nach einem Wachstum 2015 von 2,7 und 2014 sogar von 6,3 Prozent. Die deutschen Exporte nach Nigeria fielen nach Angaben des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft in den ersten fünf Monaten 2016 um 33 Prozent auf 274 Millionen Euro. Die Importe gingen wegen des niedrigen Ölpreises im selben Zeitraum um 28,4 Prozent auf 681 Millionen Euro zurück. Merkel betonte die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes, in dem rund 100 deutsche Firmen arbeiten. Deutschland wolle zudem bei der Ausbildung von Jugendlichen helfen.

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Zusätzlich wird die EU laut Bundeskanzlerin Angela Merkel noch im Oktober Verhandlungen mit Nigeria über ein Migrationsabkommen aufnehmen. „Wir werden auch über ein Rückführungsabkommen sprechen“, sagte Merkel. Aus dem Staat mit etwa 182 Millionen Einwohnern haben in den ersten neun Monaten rund 25.000 Menschen Asyl in der EU beantragt. Die Anerkennungsquote in Deutschland liegt unter zehn Prozent. In Deutschland lebten Hunderte Nigerianer, deren Asylverfahren abgelehnt worden seien und die in ihre Heimat zurückkehren müssten, sagte Merkel. Sie betonte zugleich die Bereitschaft, dass Deutschland und die EU Bildungsangebote in Nigeria selbst finanzieren wollten.

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Merkel attestierte der nigerianischen Regierung Entschlossenheit im Kampf gegen die islamistische Miliz Boko Haram, die im Nordosten Nigerias und den angrenzenden Ländern Tausende Menschen getötet und Millionen vertrieben hat. Buhari betonte, dass Boko Haram nur noch in 14 von 177 Regionen des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas aktiv sei. Die Miliz habe für Anschläge auf Moscheen, Schulen und Märkte durch das gemeinsame Vorgehen der Armeen immer weniger Möglichkeiten. Am Donnerstag hatte die Regierung verkündet, dass Boko Haram 21 entführte Mädchen freigelassen habe. Im April 2014 hatte die Miliz etwa 270 Mädchen aus dem nordnigerianischen Ort Chibok entführt.

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rtr

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