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18.04.2014

17:19 Uhr

Nigeria

Kein Rezept gegen den Terror

Immer aggressiver schlagen Islamisten in Nigeria zu. Fast jeden Tag gibt es Berichte über Bluttaten. Die Regierung scheint hilflos. Experten sagen, die Stabilität der ganzen Region sei in Gefahr.

Brennende Autos – Alltag in Nigeria, denn das Land bekommt den Terror nicht in Griff. AFP

Brennende Autos – Alltag in Nigeria, denn das Land bekommt den Terror nicht in Griff.

AbujaNach jeder Bombe, nach jeder neuen Hiobsbotschaft macht der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan neue Versprechen. Seine Regierung werde die Terrortruppe Boko Haram besiegen, sagt er selbstbewusst. Dabei scheint der Politiker mit dem schwarzen Hut als Markenzeichen weder eine Idee noch ein Rezept zu haben, um der radikalen Islamisten Herr zu werden. Stattdessen wird der Abstand zwischen den Anschlägen immer kürzer – und die Durchführung immer brutaler.

Längst konzentrieren sich die Extremisten nicht mehr auf den islamisch dominierten Norden des westafrikanischen Landes, wie Anfang der Woche der verheerende Bombenangriff auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja zeigte. Jonathan gab sich wie immer schockiert - aber seine neuen Versprechen wirken schlicht hilflos.

„Das Problem Boko Haram ist temporär“, erklärte der Staatschef seinem trauernden Land nach der Abuja-Attacke mit vermutlich weit über 200 Toten. Die Behauptung stimmte viele nachdenklich, verbreitet die Boko Haram doch schon seit 2009 ihren Terror mit bis heute weit über 6000 Opfern. Der Ausdruck „temporär“ scheint da nicht mehr recht passen zu wollen.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Nur wenige Stunden später wurde denn auch bekannt, dass mutmaßliche Mitglieder der Sekte mindestens hundert Mädchen aus einer Schule im Bundesstaat Borno Norden des Landes entführt hatten. Obwohl die Polizei nach den Schülerinnen fahndet, gilt es als unwahrscheinlich, dass sie gefunden werden. Fast noch nie hat die Regierung es geschafft, der völlig verängstigten Bevölkerung die Verantwortlichen für derlei Taten zu präsentieren - geschweige denn, diese vor Gericht zu bringen.

Die zuständigen Sicherheitskräfte betonten immerhin: „Wir haben das Fahrzeug lokalisiert, in dem die Mädchen verschleppt wurden. Jetzt suchen unsere Männer nach den Tätern.“ Das wahrscheinlichere Szenario: Die Schülerinnen werden die nächsten Jahre ihres Lebens als Sexsklavinnen in einem tief in den Wäldern verborgenen Rebellencamp dahinsiechen.

Jonathan reiste derweil am Dienstag mit zahlreichen Funktionären seiner Regierung nach Kano, um eine Wahlkampfveranstaltung abzuhalten. Anfang 2015 steht im bevölkerungsreichsten Land Afrikas die nächste Präsidentenwahl an. Oppositionelle und Bürger reagierten am Mittwoch in sozialen Netzwerken wütend und schockiert.

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