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18.05.2016

19:41 Uhr

Nigeria

Vor zwei Jahren entführtes Chibok-Mädchen gefunden

Sie hat ein kleines Kind bei sich und ist traumatisiert, doch die mittlerweile 19-Jährige ist wieder mit ihrer Familie vereint – als erste der 219 Mädchen, die vor zwei Jahren von der Boko Haram verschleppt wurden.

218 der von Boko Haram entführten Mädchen sind noch immer verschollen (Archivfoto). AP

Verschleppte Schülerinnen

218 der von Boko Haram entführten Mädchen sind noch immer verschollen (Archivfoto).

LagosZwei Jahre nach ihrer Entführung durch die nigerianische Terrormiliz Boko Haram ist eine der Schülerinnen aus Chibok wieder bei ihrer Familie. Der Arzt der mittlerweile 19-Jährigen sagte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, die junge Frau habe ein kleines Kind bei sich gehabt und sei durch den Sambisa-Wald geirrt, als sie von Jägern gefunden worden sei.

Die junge Frau ist das erste der sogenannten Chibok-Mädchen, das wieder auftauchte. Sie war zusammen mit 275 Mitschülerinnen im April 2014 von der Boko Haram aus ihrer Schule entführt worden, als sie sich auf ihre Prüfung vorbereitete. Dutzenden Mädchen gelang unmittelbar danach die Flucht, 219 blieben jedoch verschollen.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

Einige ihrer Leidensgenossinen seien in der Gefangenschaft gestorben, die anderen immer noch in den Händen der Extremisten, sagte die 19-Jährige nach Angaben von Arzt Idriss Danladi. Auch das nigerianische Militär bestätigte, dass eines der Chibok-Mädchen gefunden worden sei, und stellte ihre Rettung als sein eigenes Verdienst dar. Sie sei eine von mehreren geretteten Personen, sagte Armeesprecher Sani Kukasheka Usman. Die 19-Jährige, ihr Kind und ihre Mutter wurden demnach von ihrem Heimatort Mbalala bei Chibok in einen Militärstützpunkt in der Stadt Damboa gebracht.

Die Mutter habe nach der Entführung ihrer Tochter einen Selbstmordversuch unternommen, sagte der Arzt Danladi, der auch die Eltern anderer verschleppter Mädchen behandelt hatte. Ihr Vater starb nach der Entführung, ebenso wie mindestens 15 weitere Elternteile der Mädchen, wie der Arzt sagte.

Boko Haram lehnt westliche Bildung ab und hat Tausende weitere Kinder und junge Frauen entführt und etwa 20.000 Menschen getötet. Das Militär hat mittlerweile Tausende Boko-Haram-Geiseln befreit. Chibok-Mädchen waren bisher aber nicht darunter.

Von

ap

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