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14.10.2012

19:24 Uhr

Nobelpreisträger Stiglitz

Der Euro spaltet die Europäer

ExklusivDen Friedensnobelpreis habe die Europäische Union zu Recht bekommen, sagt Joseph Stiglitz. Weniger überzeugt ist der Wirtschaftsnobelpreisträger von der Gemeinschaftswährung: Der Euro sei nicht gut für den Frieden.

Der US-amerkanische Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. dpa

Der US-amerkanische Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

DüsseldorfWirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hält die Europäische Union für einen würdigen Träger des Friedensnobelpreises. „Die EU ist als Friedensprojekt gegründet worden und hat den Frieden in Europa gesichert. Also bekommt sie den Preis zu Recht“, sagte der US-Amerikaner im Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). Das Nobelpreis-Komitee wolle damit „die Botschaft aussenden, dass es sich lohnt, für den Fortbestand des Friedensprojekts EU zu kämpfen“.

Der Euro allerdings fördere nicht gerade die Integration Europas, sagte der Wirtschaftsprofessor von der Columbia University in New York. „Jeder unabhängige Beobachter von außen wird zustimmen, dass der Euro und die Politik zur Rettung des Euro im Moment die Europäer spalten“, sagte er. Extremistische und nationalistische Strömungen bekämen Auftrieb. „Das ist nicht gut für den Frieden.“

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Die Lage in der Euro-Zone sei instabil, warnte Stiglitz. Derzeit sei unklar, ob es zu mehr oder weniger Integration kommen werde. „Es ist also möglich, dass die Gründerväter Recht behalten, aber sie haben sich bestimmt eine natürliche Evolution in Richtung politischer Union vorgestellt und nicht eine Zwangsehe zur Vermeidung eines Desasters.“

Von

dih

Kommentare (11)

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Elliots-Freiheitsanzug-Orakel

14.10.2012, 19:46 Uhr

Die Lage in der Euro-Zone sei instabil, warnte Stiglitz.

Wie hat die Eintracht gespielt?

R.Rath

14.10.2012, 19:52 Uhr

"Eine Zwangsehe zur Vermeidung eines Desasters." trifft den Nagel auf den Kopf. Die Euro-Rettungsbemühungen samt Fiskalunion und ESM sind dererlei Instrumente, um eine Zwangsehe mit der Peitsche herbei zu führen. Die EU war in der Tat als evolutionärer Prozess von den Gründervätern gedacht. Die verfrühte und schlecht vorbereitete Einführung des Euro ist nicht mehr als Friedensprojekt zu bezeichnen, das die europäischen Völker zusammenführt, sondern leider muß eher das Gegenteil vermutet werden. Deshalb ist auch der Friedensnobelpreis für die EU mit gemischten Gefühlen zu sehen. Der Euro hat ihn bestimmt nicht verdient. Da EU und Euro inzwischen von vielen kritischen Zeitgenossen nicht ohne Grund als siamesische Zwillinge betrachtet werden, wäre eine Notoperation zur Trennung angezeigt, um diese Fundamentalbehinderung wieder auf ein erträgliches Maß zurückzuführen.

Account gelöscht!

14.10.2012, 20:01 Uhr

Das real existierende Europa hat es 60 Jahre versäumt, sich eine politische Stimme zu geben, nachdrücklich - über Sonntagsreden hinaus - politisch Einfluss zu nehmen. Selbst in Ex-Jogoslawien mussten uns die Amis erst durch eigenen Einsatz zum Eingreifen zwingen. Brüssel ist ein Hühnerhof von sich streitenden Partikularinteressen, ein Lobbysumpf und ein Tummelplatz von Begünstigten. Der Euro hat dabei die Kraft, ganz Europa zu zerlegen. Die Einzigen, die in diesem tollen neuen Europa der Selbstbeweihräucherung nichts zu melden haben, sind die Bürger, denn sie stören bei dem gemeinsamen Irrsinnsprojekten durch zu viel kritische Nachfragen. Und damit bleibt Brüssel ein antidemokratischer, sozialistisch Gängelungsapparat.

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