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28.12.2015

20:39 Uhr

Nord Stream 2

Streit um neue Gas-Pipeline aus Russland in die EU

VonKlaus Stratmann

Die einen hassen sie, die anderen sehnen sie herbei: die Gasleitung Nord-Stream 2 von Russland in die Europäische Union. Doch es gibt massiven Streit um die geplante Erweiterung der Pipeline. Aus gutem Grund.

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BerlinWenn Politiker wie der slowakische Präsident Andrej Kiska auf das Pipeline-Projekt „Nord Stream 2“ zu sprechen kommen, verschlechtert sich ihre Stimmung schlagartig. Die geplante Gasleitung durch die Ostsee ist aus Kiskas Sicht in zweierlei Hinsicht ein problematisches Projekt: Es stehe einerseits „im Widerspruch zum Interesse der EU, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern“, sagt Kiska.

Andererseits würde die Ukraine mit Nord Stream 2 völlig aus dem russischen Gastransport nach Westeuropa ausgeklammert und könnte damit leichter mit einem Gaslieferstopp der Russen erpresst werden. Das stehe im krassen Widerspruch zum Ziel der EU, der Ukraine zu helfen.

Der Slowake hat damit die Hauptargumente gegen die Leitung auf den Punkt gebracht. Er steht mit seiner Auffassung nicht allein. Die osteuropäischen EU-Mitglieder sind allesamt gegen das Projekt und werden dabei von anderen EU-Mitgliedern unterstützt.

Beim EU-Gipfel Mitte Dezember traten die Gegensätze offen zu Tage. Selbst Donald Tusk fiel es schwer, seine Neutralität als EU-Ratspräsident zu wahren. Der Pole kritisierte, die europäische Energieversorgung werde mit der Pipeline nicht auf eine breitere Basis gestellt. Tusk verwies darauf, dass der russische Energiegigant Gazprom nach Einschätzung der EU-Kommission mit Nord Stream 2 eine dominierende Stellung auf dem deutschen Markt bekäme.

Die Deutschen, wichtigste Befürworter der zusätzlichen Gasleitung, geraten zusehends in die Defensive. Beim Gipfel zog sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf das Argument zurück, die Pipeline sei ein rein wirtschaftliches Projekt privater Investoren.

Worum geht es bei der Leitung? Nord Stream 2 soll die bereits bestehende Nord-Stream-Pipeline ergänzen. Nord Stream besteht schon heute aus zwei Strängen. Der erste Strang liefert seit November 2011 Erdgas vom russischen Vyborg durch die Ostsee nach Greifswald.

Der zweite Strang ging im September 2012 in Betrieb. Anteilseigner sind Gazprom, Wintershall, Eon, Gasunie und Engie (früher GDF Suez). Die beiden Stränge der Leitung können jährlich etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas befördern. Die Kapazitäten sind allerdings nicht ausgelastet.

Kommentare (5)

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Herr Theo Heuss

28.12.2015, 20:50 Uhr

Wie wird der 3 Milliarden Dollar Kreditausfall der Ukraine bewertet?

Soll eine RUS-Pipeline wirklich durch ein Land verlaufen, in welchem korrupte und unseriöse Politiker nur durch US-amerikanischen Interessensvertretern unf ihren europäischen Vasallen am Leben gehalten wird?

aza azaziel

29.12.2015, 08:56 Uhr

Nix Freihandel!

Fuerchtet Euch vor dem TTIP, ihr Stallhasen. Es ist – wie alles andere – keine Verbesserung des Freihandels, sondern ein Instrument der Durchsetzung amerikanischer Machtinteressen. Kein Wunder, dass nicht einmal Bundestagsabgeordnete lesen duerfen, was da verhandelt wird.

Herr Ulrich Groeschel

29.12.2015, 09:26 Uhr

Russland hat die Gaslieferungen in die Ukraine eingestellt weil man das Gas nicht bezahlen kann. Wie es weitergeht wissen wir Ende Januar. Ich sehe keinen Sinn darin die Ukraine weiter zu unterstützen wenn sie keine Reformen durchführt und man nicht die Korruption bekämpft. Auch in Washington hat man erkannt, dass sich aufgrund der inneren Probleme sozialer und wirtschaftlicher Art in der Ukraine die Konfliktlage gar nicht verbessern kann Siehe der Standard.at vom 27.12.

Was wir benötigen sind Gaslieferungen aus verschiedenen Quellen. Das können Nordstream 1 und 2 sein, ein Terminal für Flüssiggas (LNG) z.B. in Wilhelmshaven und eine oder 2 Southstream Pipelines, darunter auch die welche von der EU gestoppt wurde. Darüber sollte wieder verhandelt werden. Mehrere Pipelines sind teuer, aber sie bringen mehr Versorgungssicherheit. Das scheinen weder Brüssel noch einige Länder in Osteuropa erkannt zu haben.

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