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28.03.2013

08:08 Uhr

Nord-Süd-Konflikt

USA schicken Tarnkappenbomber nach Südkorea

Die Spannungen nehmen zu. Nordkorea kappte gestern die militärische Leitung. Die USA schicken zur „Abschreckung“ atomwaffenfähige Tarnkappenbomber nach Seoul. Trotzdem dürfen Südkoreaner weiter in Nordkorea einreisen.

Der B-2 Stealth Bomber. Die USA schicken atomwaffenfähige Bomber zur „Abschreckung“. ap

Der B-2 Stealth Bomber. Die USA schicken atomwaffenfähige Bomber zur „Abschreckung“.

SeoulInmitten zunehmender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben die USA am Donnerstag zwei atomwaffenfähige Tarnkappenbomber vom Typ B-2 nach Südkorea entsandt. Die Maschinen starteten vom Luftwaffenstützpunkt Whiteman im Bundesstaat Missouri und warfen über einem militärischen Übungsgelände in Südkorea Munitionsattrappen ab, wie die US-Armee mitteilte. Die Flüge sollten demnach der „Abschreckung“ dienen. Die Übung zeige „die Fähigkeit der USA, schnell und nach Belieben zielgenaue Langstreckenangriffe zu fliegen“.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten zuletzt deutlich zugenommen, nachdem Pjöngjang als Reaktion auf die Verschärfung von UN-Sanktionen nach einem dritten unterirdischen Atomtest den Nichtangriffspakt mit Südkorea aufgekündigt hatte. Zuvor hatte Nordkorea den USA bereits mit einem atomaren Erstschlag gedroht.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Die USA und Südkorea vereinbarten am vergangenen Freitag eine verstärkte militärische Zusammenarbeit. Die US-Regierung verpflichtete sich, Südkorea bei Provokationen militärisch beizustehen. In einem Telefonat mit seinem südkoreanischen Kollegen Kim Kwan Jin bekräftigte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel am Mittwoch das Versprechen.

Grenzen sind noch geöffnet

Trotz wachsender Spannungen im Verhältnis zu Südkorea lässt Nordkorea weiter Pendler aus dem Nachbarland einreisen. Tag für Tag kommen Hunderte Südkoreaner zum Arbeiten in den gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Rund 400 Südkoreaner hätten am Donnerstagvormittag (Ortszeit) ohne größere Probleme die Grenze überschreiten können, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul.

Begleitet von neuen Kriegsdrohungen hatte Nordkorea am Mittwoch die einzige militärische Kommunikationsleitung zum Süden gekappt, die zuletzt noch genutzt wurde. Über diese Leitung wurde per Telefon unter anderem die Anzahl der ein- und ausreisenden Südkoreaner durchgegeben. Beobachter vermuten, dass Nordkorea vorerst den Betrieb in dem Industriepark aufrechterhalten wolle. Das Projekt ist eine wichtige Devisenquelle für Nordkorea.

Das Kappen der Leitung erfolgte nach immer neuen militärischen Drohungen des kommunistischen Landes gegen Südkorea und die USA in den vergangenen Wochen. Pjöngjang reagiert damit auf die Ausweitung von UN-Sanktionen - nach einem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar - und jährliche südkoreanisch-amerikanische Militärübungen.

Kommentare (8)

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Karl

28.03.2013, 08:37 Uhr

Wollen mal sehen was für einen Zweck dieser Fake "Krieg" hat....
Momentan noch schwer abzuschätzen....
Auf alle Fälle dient er aber der Ablenkung ....

Account gelöscht!

28.03.2013, 08:56 Uhr

Die USA sollen Südkorea Atomwaffen geben. Dann wird man sehen wie schnell China die Stalinisten zur Ordnung rufen wird.

hanji

28.03.2013, 10:15 Uhr

Es heißt im Artikel "Trotz wachsender Spannungen (...)lässt Nordkorea weiter Pendler aus dem Nachbarland einreisen." Das würde ich etwas anders kommentieren, etwa so: Unabhängig vom taktischen, innenpolitisch motivierten Propaganda-Krieg gegen die USA hält sich der Norden die Tür zur Zusammenarbeit mit den Landsleuten im Süden offen. Bester Beweis: Industriezone Kaesong. Kriegsdrohungen und Abschreckung gegen den potentiellen Angreifer USA, gleichzeitig ein Türspalt offen halten für die lang ersehnte Entspannung mit dem Süden. Für die Koreaner (Nord wie Süd) ist das kein Widerspruch, auch wenn die USA mit aller militärisch-politischen Macht versuchen, einen Keil zwischen die beiden Landesteile zu treiben und den Konflikt künstlich schüren (s. B2 Bomber Aktion, Großmanöver entlang der Seegrenze, UN-Sanktionen etc.).

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