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12.11.2015

09:53 Uhr

Nordirak

Kurden starten Offensive gegen Terrormiliz IS

Kurdische Peschmerga-Kämpfer haben offenbar eine Offensive gestartet, um die IS-Kämpfer aus der Stadt Sindschar zu vertreiben. Dabei wurden sie von Luftangriffen der internationalen Anti-IS-Koalition unterstützt.

Der Kampf um die Stadt Sindschar hat begonnen. dpa

Nordirak

Der Kampf um die Stadt Sindschar hat begonnen.

ErbilKurdischen Einheiten im Irak haben eine Großoffensive gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in der Stadt Sindschar gestartet. „Der Angriff hat am Morgen um 8. Uhr begonnen, die Peschmerga-Kommandeure sind auf mehreren Achsen vorgerückt, um das Zentrum des Bezirks von Sindschar zu befreien“, sagte General Essedin Saadun der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Die strategisch wichtige Stadt liegt an einer Hauptversorgungsroute des IS.

Nach Angaben des Sicherheitsrates der autonomen Kurdengebiete im Nordirak sind an der Offensive 7500 kurdische Kämpfer beteiligt. Über der Stadt Sindschar standen Rauchsäulen, die von den Luftangriffe und von Granatenbeschuss herrührten. Sindschar liegt an einer wichtigen Verbindung zur nördlichen irakischen Großstadt Mossul.

IS im Nordirak: USA prüfen möglichen Giftgaseinsatz gegen Kurden

IS im Nordirak

USA prüfen möglichen Giftgaseinsatz gegen Kurden

Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen im Nordirak. Nun halten es auch die USA für möglich, dass die Terrormiliz Islamischer Staat dort Kurden mit Senfgas angriff.

Die IS-Miliz hatte im Sommer in einer Blitzoffensive Teile des Westiraks erobert und war bis nahe an die Hauptstadt Bagdad vorgedrungen. Auch Gebiete im Norden und Nordosten Syriens brachte die Gruppe in ihre Gewalt. Auf dem grenzübergreifenden Gebiet riefen die Extremisten ein Kalifat aus und verüben Gräueltaten an Andersgläubigen. Eine von den USA geführte internationale Militärkoalition geht in beiden Ländern mit Luftangriffen gegen die IS-Kämpfer vor.

Im Sommer vergangenen Jahres waren infolge der Blitzoffensive der Dschihadisten im Nordirak zehntausende Jesiden in die karge Bergregion geflohen, wo sie weder Wasser noch Essen hatten. Die Angehörigen der kleinen religiösen Minderheit werden von den Extremisten als Teufelsanbeter verfolgt. Die Sorge vor einem Völkermord an den Jesiden war einer der Gründe, warum US-Präsident Barack Obama vor vier Monaten Luftangriffe gegen die Dschihadisten autorisierte. Bereits Ende 2014 war es den Kurden mit internationaler Luftunterstützung gelungen, die wochenlange Belagerung der Sindschar-Berge durch den IS zu durchbrechen.

Peschmerga Kämpfer

Wer die Peschmerga-Kämpfer sind

Die Peschmerga-Milizen sind der bewaffnete Arm der Kurden, hervorgegangen aus bewaffneten Einheiten der Kurdenparteien. Im Nordirak genießen die Kurden seit dem Sturz Saddam Husseins in ihrer Autonomieregion weitestgehend Unabhängigkeit - und die Peschmerga wachsen mehr und mehr zu einer klassischen Armee zusammen.

Quelle: dpa.

So viele Peschmerga gibt es

Insgesamt gibt es rund 130.000 Kämpfer. 100.000 bilden den militärischen Arm, die weiteren 30.000 sind eine dem Innenministerium unterstellte Polizeitruppe. Der militärische Teil befindet sich derzeit in einem Umbau: Erst ein Drittel wurde bisher vom Peschmerga-Ministerium in Brigaden organisiert. Der Rest unterteilt sich nach wie vor in von Parteien kontrollierte Guerilla-Einheiten.

Die Rolle im Kampf gegen IS

Nach dem Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak wurden die Peschmerga-Milizen zur wichtigsten Kraft im Widerstand gegen die Extremisten. Als irakische Truppen Anfang Juni große Teile des Nordirak kampflos aufgaben, stellten sich die Peschmerga den IS-Kämpfern entgegen.

Unterstützung aus aller Welt

Mittlerweile unterstützen viele Staaten die Peschmerga mit Waffenlieferungen im Kampf gegen die IS-Extremisten. Auch Deutschland liefert Waffen aus Bundeswehrbeständen.

Von

dpa

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