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12.01.2013

16:33 Uhr

Nordirland

Polizei setzt Gummigeschosse und Wasserwerfer ein

Ein Streit um eine Flagge hat ausgereicht, um Nordirland wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Ende der Randale ist nicht absehbar. Die früher führenden Protestanten fühlen sich plötzlich als benachteiligte Gruppe.

Belfast kommt nicht zur Ruhe. dpa

Belfast kommt nicht zur Ruhe.

BelfastIm Streit um das Hissen der britischen Flagge auf dem Rathaus von Belfast ist es in Nordirland erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Die seit Wochen anhaltenden Krawalle zwischen pro-britischen Randalierern aus dem protestantisch-loyalistischen Lager und der Polizei wanderten in der Nacht zum Samstag vom Osten in den Norden der Hauptstadt Belfast.

Nach Polizeiangaben wurden dabei vier Polizisten verletzt. Die Demonstranten setzten Autos und Doppeldecker-Busse in Brand und warfen mehr als 30 Brandsätze sowie Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizei. Die Ordnungshüter antworteten mit Wasserwerfern und Gummigeschossen. Zwei Randalierer wurden festgenommen.

Am Samstag kamen gut 1000 pro-britische Demonstranten vor dem Belfaster Rathaus zusammen, um friedlich für ihre Rechte zu demonstrieren. Darunter waren viele junge Leute. Viele Teilnehmer kamen aus den armen Protestanten-Gegenden in Ost-Belfast. Sie verurteilen, dass die britische Flagge über dem Rathaus von Belfast an nur noch an einigen wenigen Tagen im Jahr gehisst wird. Früher wehte sie 365 Tage im Jahr.

Viele Demonstranten bezeichneten den Flaggenstreit als „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“. Die protestantischen Loyalisten, früher bestimmende politische Kraft in Nordirland, sehen sich seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 auf dem politischen Abstellgleis. „Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse“, sagte der Chef der unionistischen Partei PUP, Billy Hutchinson während der Demonstration. Es gehe nicht um die Flagge an sich, sondern um die Art, wie die Entscheidung zustande kam. „Wir müssen die Art ändern, wie in Nordirland Politik gemacht wird“, sagte er.

Das Streitobjekt: Die Britische Flagge vor dem Belfaster Rathaus. dpa

Das Streitobjekt: Die Britische Flagge vor dem Belfaster Rathaus.

In der nächsten Woche soll es auf politischer Ebene ein Spitzentreffen geben, an dem neben dem nordirischen Ministerpräsidenten Peter Robinson und seinem katholischen Stellvertreter Martin McGuinness auch die britische Nordirland-Ministerin Theresa Villiers und der irische Außenminister Eamon Gilmore teilnehmen werden. Dabei soll nach Lösungen für die Probleme in der Krisenregion gesucht werden.

Die Änderung bei der Flagge hatte die pro-irische, katholische Sinn-Fein-Partei vorangetrieben und mit Hilfe der überkonfessionellen Alliance Partei durchgesetzt. Die Katholiken wollen die Zugehörigkeit Nordirlands zu Großbritannien beenden und eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland herbeiführen. Bei den seit Wochen anhaltenden Protesten wurden inzwischen mehr als 70 Polizisten verletzt.

Nach Angaben der Polizei blockierten Demonstranten in der Nacht zum Samstag mehrere wichtige Straßenkreuzungen. Nach Informationen des „Belfast Telegraph“ wurde an einer Ausfallstraße eine Rohrbombe gefunden. Die städtischen Behörden hatten den öffentlichen Nahverkehr schon am Nachmittag praktisch eingestellt. Tausende Belfaster verließen die Stadt, um den Protesten zu entgehen. Eine Gegenbewegung rief andererseits erfolgreich zur Party in der Innenstadt auf.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Diener.J

12.01.2013, 11:07 Uhr

Viele gläubige Menschen sind der Ansicht, die Kirchen sollten sich in die Politik einschalten, denn die Religion könne bei der Lösung unserer Zeit eine wichtige Rolle spielen.Andere wiederum vertreten die Meinung, es wäre besser,Religion und Politik zu trennen.

Stellt sich da nicht die Frage: Sollten diese beiden
starken gesellschaftlichen Kräfte überhaupt zusammenwirken?

Was würde Jesus sagen?

Schlesier

12.01.2013, 14:23 Uhr

In Syrien nennt man Sie Freiheitskämpfer , in Nordirland sind es bestimmt Terroristen . Obwohl die Menschen dasselbe wollen.

Burn_the_flag

12.01.2013, 16:27 Uhr

Häh? Das soll alles nur um eine dämliche Flagge gehen? Warum sägt dann niemand den Flaggenmast ab und Ruh ist?

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