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25.07.2012

17:51 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Un ist verheiratet

In den vergangenen Wochen war eine junge Frau häufig an der Seite des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un gesehen worden. Das Staatsfernsehen klärt nun auf: es soll sich um seine Ehefrau handeln.

Verliebt, verlobt, verheiratet

Romanze auf Nordkoreanisch

Verliebt, verlobt, verheiratet: Romanze auf Nordkoreanisch

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SeoulGeheimnis gelüftet: Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben verheiratet. Die Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt, die den knapp 30-jährigen Diktator in den vergangenen Wochen bei verschiedenen Anlässen begleitet hatte, identifizierten die Staatsmedien des kommunistischen Landes am Mittwoch erstmals als Ri Sol Ju.

Kim und „Genossin Ri Sol Ju“ hätten an einer Feier anlässlich der Fertigstellung eines Vergnügungsparks in Pjöngjang teilgenommen. Wann die beiden geheiratet haben und andere Details zu Ris biographischen Hintergrund wurden zunächst nicht genannt. Nach Berichten südkoreanischer Medien könnte sie eine Sängerin gewesen sein.

Lange war über die Frau an Kim Jong Uns Seite gerätselt worden. AFP

Lange war über die Frau an Kim Jong Uns Seite gerätselt worden.

Die nordkoreanischen Medien hatten seit Anfang Juli wiederholt Auftritte einer mysteriösen jungen Frau an der Seite Kims gezeigt, ohne sie jedoch zu identifizieren. Im Ausland war gerätselt worden, ob sie seine Schwester, Freundin oder Ehefrau sei. Sie trat bei Veranstaltungen wie etwa bei einem Konzert mit Tänzern in Kostümen von Disney-Figuren oder beim Besuch eines Kindergartens, stets auffällig in der Rolle einer „First Lady“ auf.

Das Bekanntwerden des Ehestandes Kim werteten Beobachter in Südkorea als Überraschung. Dahinter könnte die Absicht stecken, dass Kim ein freundlicheres Image von sich geben und zugleich das Bild als unerfahrener Machthaber von sich weisen wolle. Auch gab sich Kim zuletzt bei Besuchen ziviler Einrichtungen auffällig volksnah.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Nordkorea ist eines der am stärksten abgeschotteten Länder der Erde. Das Privatleben des Kim-Clans ist in den Medien gewöhnlich tabu. Kim Jong Un wurde erst im Dezember nach dem Tod seines Vaters und langjährigen Militärdiktators Kim Jong Il an die Machtspitze befördert.

Über den jüngsten von drei bekannten Söhnen Kim Jong Ils weiß man im Ausland wenig. Kim Jong Un soll in der Schweiz auf eine internationale Schule gegangen sein. Mit seinem Machtantritt war die Hoffnung nach Reformen und Öffnung des Landes verbunden. Bisher gab es dafür aber nach außen keine sichtbaren Anzeichen.

Der Bericht über seinen Ehestand kam wenige Tage nach der Verleihung des Marschall-Titels an Kim. Damit festigte er nach Ansicht von Experten weiter seine Macht. Kim war kurz nach dem Tod seines Vaters auch zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt worden.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

25.07.2012, 16:03 Uhr

War denn die Grüne Caudia Roth nicht zur Hochzeit eingeladen?

Account gelöscht!

25.07.2012, 16:31 Uhr

Warum wird seit kurzem über jeden umgefallenen Sack Reis in Nord-Korea berichtet?

Account gelöscht!

25.07.2012, 20:12 Uhr

Vielleicht kriegen die armen Süd-Koreaner eine Wiedervereinigung bald. Es soll auch eine Säuberung stattfinden. Vielleicht kommt eine Perestroika und man muss in 5 Jahren blühende Landschaften in Nord Korea versprechen. Ich hoffe Seoul spart sich den Wahnsinn und verkauft den Norden an China.

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