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13.05.2015

07:31 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten

Die Anklage lautete „Illoyalität und Respektlosigkeit“ gegenüber Nordkoreas Staatschef: Angeblich wurde Verteidigungsminister Hyon Yong Chol deshalb Ende April hingerichtet – offenbar mit Flugabwehrgeschützen.

Nordkorea

Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten

Nordkorea: Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten

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SeoulNordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat nach Geheimdienstinformationen seinen Verteidigungsminister Hyon Yong Chol abgesetzt und vor Publikum hinrichten lassen. Der Hinrichtung des Ministers mit Flugabwehrgeschützen hätten am 30. April hunderte nordkoreanische Behördenvertreter zugesehen, sagte der Vize-Chef des südkoreanischen Geheimdienstes NIS, Han Ki Beom, nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss. Hyon war zu Kims engsten Umfeld gezählt worden.

Yonhap berief sich in dem Bericht auf einen Abgeordneten, der an der Ausschusssitzung mit dem Geheimdienstvertreter teilgenommen hatte und südkoreanische Reporter drüber informierte. NIS-Vize Han sagte demnach, mit der Hinrichtung in einer Militärakademie im Norden von Pjöngjang sei Hyon für „Untreue und Respektlosigkeit“ gegenüber Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un bestraft worden. Der Minister sei dabei ertappt worden, wie er bei offiziellen Militärveranstaltungen eindöste. Außerdem habe er Kim Widerworte gegeben. Laut unbestätigten Berichten aus Geheimdienstquellen beging Hyon einen nicht näher spezifizierten Verrat.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Die Exekution in der Militärakademie wurde den Angaben zufolge mit Flakfeuer vollzogen. Unbestätigten Berichten zufolge ist im kommunistischen Nordkorea diese Methode hochrangigen Regierungsvertretern vorbehalten, an denen die Führung ein Exempel statuieren will. Im April hatte die in den USA ansässige Organisation Commitee for Human Rights in Korea Satellitenbilder von Mitte Oktober veröffentlicht, die die Militärakademie zeigten. Zu sehen war eine Schießanlage mit Flugabwehrgeschützen, die offenbar in Vorbereitung einer Hinrichtung aufgereiht waren.

Ende April war aus südkoreanischen Geheimdienstkreisen verlautet, dass Kim 15 Widersacher aus den Reihen der Regierung habe hinrichten lassen, darunter zwei Vize-Minister. Sie hätten sich über Kims Anweisungen beklagt.

Hyon hatte den Posten des Verteidigungsministers erst vor knapp einem Jahr übernommen. Zuletzt wurde er bei Musikaufführungen am 27. und 28. April in der Öffentlichkeit gesehen.

In Nordkorea ist der Verteidigungsminister vor allem für die Logistik und den internationalen Austausch der Armee zuständig. Die Ausrichtung der Verteidigungspolitik obliegt der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission und der Zentralen Militärkommission der Kommunistischen Partei.

Kommentare (15)

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Herr Teito Klein

13.05.2015, 07:36 Uhr

Politische Säuberung
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Erst ließ Kim Jong-un seinen Onkel an Hunde verfüttern, dann seine Tante vergiften.
Jetzt ließ er seinen Verteidigungsminister hinrichten.
Er soll angeblich während einer Veranstaltung von Kim Jong-un geschlafen haben.
Bald ist er allein zuhaus.

Herr jens wellner

13.05.2015, 10:31 Uhr

Unfassbar, dass eine solche Person über Atomwaffen verfügt! Erschreckend. Da muß man ja fast dankbar sein, dass die Hinrichtung nicht mit taktischen Atomraketen vollzogen wurde. Manchmal verwundert es schon, welche Gestalten auf diesem Planeten so herumlaufen können....

Herr Jan Heilmann

13.05.2015, 10:49 Uhr


Im mittelalterlichen Absolutismus war die Entledigung von seinen engsten Vertrauten meist der Vorbote eines großen Wandels.

Jetzt wird niemand mehr Kim Jong widersprechen und ihn auf Fehler aufmerksam machen.Klassich ins Abseits manövriert.

Die Selbstzerstörung einer ganzen Nation hat gerade begonnen.

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