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04.03.2016

02:55 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Un macht Atomwaffen startklar

Nach Nordkoreas jüngstem Atomtest hat der Uno-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Sanktionen gegen das Land in die Wege geleitet. Nun kündigt Machthaber Kim Jong Un an, er bereite sich vor – auf Präventivschläge.

Nukleare Mobilmachung? Machthaber Kim Jong Un salutiert Soldaten in nordkoreanischen Gewässern (undatiertes Archivbild). dpa

Kim Jong Un

Nukleare Mobilmachung? Machthaber Kim Jong Un salutiert Soldaten in nordkoreanischen Gewässern (undatiertes Archivbild).

SeoulNordkoreas Staatsführung hat einem Medienbericht zufolge angeordnet, das Atomwaffenarsenal des Landes bereit zum sofortigen Einsatz zu machen. Machthaber Kim Jong Un habe den Befehl dazu am Freitag erteilt, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die nordkoreanische Staatsagentur KCNA. Das Militär bereite sich auf Präventivschläge vor, sagte Kim demnach. Die derzeitige Lage sei sehr heikel.

Erst am Mittwoch hatte der UN-Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet, die die bislang schärfsten Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang nach einem jüngsten Atom- und einem Raketentest vorsieht. Zu den Strafmaßnahmen äußerte sich die nordkoreanische Führung bislang nicht.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Nur Stunden später feuerte der kommunistische Staat nach Angaben Südkoreas sechs Kurzstreckenraketen ab, die nach einer Flugstrecke von 100 bis 150 Kilometer ins Meer stürzten. Der genaue Typ der Raketen, die von Wonsan an der nordkoreanischen Ostküste in Richtung Japanisches Meer (Ostmeer) abgeschossen worden waren, blieb zunächst unklar. Nordkorea testet regelmäßig Raketen mit kurzer Reichweite.

Mit der Resolution 2270 reagierte der Uno-Sicherheitsrat auf Nordkoreas Atomtest im Januar - den insgesamt vierten des Landes - und auf den ebenfalls weltweit kritisierten Start einer Weltraumrakete im Februar. Die internationale Gemeinschaft sieht in dem Satellitenstart den verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete. Nordkorea spricht von friedlichen Zwecken.

Der Abschuss der Kurzstreckenraketen am Donnerstag wurde von Beobachtern als Zeichen des Protests gegen den Resolutionsbeschluss des Sicherheitsrates gewertet. Die Resolution sieht unter anderem Kontrollen aller Frachtlieferungen von und nach Nordkorea vor.

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