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14.09.2016

12:31 Uhr

Nordkorea

Kim Jong-Un und sein „atomarer Joker“

Die Sorgen über Nordkoreas Atomprogramm sind groß. Sanktionen und mahnende Worte halfen bislang nichts. Ein Experte glaubt, dass das abgeschottete Land bis Ende des Jahres über 20 Atombomben verfügen könnte.

Atomwaffentest in Nordkorea

Gewaltige Erschütterungen in Region: Nordkorea provoziert mit Atomtest

Atomwaffentest in Nordkorea: Gewaltige Erschütterungen in Region: Nordkorea provoziert mit Atomtest

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SeoulNordkorea könnte bis Ende des Jahres über genug Material für bis zu 20 Atombomben verfügen. Dies geht aus einem Bericht von Waffenexperten der Johns Hopkins Universität hervor. Das abgeschottete Land habe den Prozess der Urananreicherung derart beschleunigt, dass es zusammen mit seinem Vorrat an Plutonium etwa sechs Atombomben pro Jahr herstellen könne, erklärte darin am Montag Siegfried Hecker, ehemaliger Leiter der US-Forschungseinrichtung Los Alamos. Am Freitag hatte Nordkorea ungeachtet internationaler Sanktionen zum fünften Mal einen Atomtest unternommen und damit international für Aufregung gesorgt.

Die Experten schätzen die jährliche Produktionsmenge Nordkoreas auf bis zu 150 Kilogramm Uran und den Plutonium-Vorrat auf bis zu 54 Kilogramm. Beide Stoffe können zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Zwar können die Plutoniumvorräte Nordkoreas mit Hilfe von Satellitenbildern vergleichsweise genau geschätzt werden. Dagegen können westliche Experten nicht erkennen, wie fortgeschritten das Uranprogramm ist. Jeffrey Lewis vom kalifornischen Middlebury Institute of International Studies sagte, Nordkorea könne wahrscheinlich an zwei Standorten hochangereichertes Uran für den Bombenbau produzieren. Hecker nannte die Uranproduktion Nordkoreas „neuen atomaren Joker“.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Parallel dazu arbeitet Nordkorea an der Entwicklung ballistischer Trägerraketen. Südkoreanischen Geheimdiensterkenntnissen zufolge hat der Norden Fortschritte bei der Verkleinerung von atomaren Sprengköpfen erzielt, so dass sie mit derartigen Waffen eingesetzt werden können.

Von

rtr

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