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20.12.2011

12:03 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Un verabschiedet sich am Glassarg vom Vater

Selbst der Tod kann den Personenkult nicht stoppen: Aufgebahrt in einem Glassarg liegt der einbalsamierte Kim Jong Il in einem Mausoleum. Mit der Propaganda-Show inszeniert sich sein Sohn als neuer Machthaber.

Kim Jong Il im Glaskasten aufgebahrt

Video: Kim Jong Il im Glaskasten aufgebahrt

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PjöngjangIm Rahmen der elftägigen Staatstrauer in Nordkorea für den verstorbenen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il ist am Dienstag dessen Leichnam öffentlich aufgebahrt worden. Auf Plätzen bekundeten zahlreiche Menschen offen ihre Trauer. Die Nordkoreaner wurden in den staatlichen Medien aber auch schon auf seinen Sohn Kim Jong Un als designierten Nachfolger eingestimmt. Er sei „als großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren“, hieß es in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA über ihn.   

Der Sarg Kim Jong Ils wurde in einem Raum des Kumsusan-Mausoleums aufgebahrt, wo auch der einbalsamierte Leichnam seines Vaters Kim Il Sung seit seinem Tod 1994 in einem Glassarkophag liegt. Kim erlag staatlichen Medienberichten zufolge am Samstag als Folge von Überarbeitung und Stress einem Herzinfarkt. Er wurde den offiziellen Angaben zufolge 69 Jahre alt Das Staatsbegräbnis für den Machthaber, der 17 Jahre lang sein Land mit eiserner Faust regiert hatte, soll am 28. Dezember stattfinden. 

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Es mehren sich die Anzeichen, dass der Machtwechsel wohl reibungslos verlaufen und in der letzten kommunistischen Herrscherdynastie der Welt weder Unruhen noch einen vielfach im Ausland befürchteten Machtkampf geben wird. Kims jüngster Sohn Kim Jong Un wurde im Mausoleum zusammen mit ranghohen Vertretern der Streitkräfte und Parteifunktionären gezeigt.    

Auf Kim Jong Un als Nachfolger deutete auch die Beschreibung als „vom Himmel geboren“ bei KCNA hin. Bislang war diese Bezeichnung seinem Vater Kim Jong Il und Staatsgründer Kim Sung Il vorbehalten. In der Zeitung der herrschenden Arbeiterpartei, „Rodong Sinmun“, wurde Kim Jong Un zudem als „geistiger Pfeiler und Leuchtturm der Hoffnung“ für Militär und Volk bezeichnet. Das koreanische Volk sei in „tiefer Trauer wegen des Verlusts des geliebten Vaters unserer Nation“, sagte Ri Ho Il, ein Dozent am Koreanischen Revolutionsgeschichtlichen Museum in Pjöngjang. „Er verteidigte das Glück unseres Volkes“, sagte Ri.    

Das Staatsbegräbnis für Kim soll am 28. Dezember im Kamsusan-Mausoleum stattfinden. Ausländische Delegationen würden nicht eingeladen, hieß es. Während der Trauerzeit werde es auch keine Unterhaltungsveranstaltungen in Nordkorea geben, hieß es.    

Clinton: Hoffen auf bessere Beziehungen zu Nordkorea

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Südkorea hat dem kommunistischen Nachbarstaat inzwischen eine versöhnliche Geste gesandt: Trotz der Spannungen zwischen beiden Staaten hat Südkoreas Regierung nach dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il den Menschen des Nachbarlands ihr Mitgefühl ausgesprochen. Es werde zwar keine offizielle Delegation nach Nordkorea reisen, aber die Familien des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung, der 2000 zu einem Gipfeltreffen mit Kim Jong Il zusammenkam, und des ehemaligen Hyundai-Chefs Chung Mong Hun, der enge Geschäftsbeziehungen zu Nordkorea unterhielt, könnten nach Nordkorea reisen, teilte Vereinigungsminister Yu Woo Ik mit. Südkoreas Vereinigungsminister kündigte außerdem an, christliche Gruppierungen zu bitten, ihre Pläne zur Aufstellung großer Leuchtinstallationen in Form von Weihnachtsbäumen an der Grenze fallenzulassen. Das kommunistische Nordkorea hatte diese geplanten Aktionen als Teil einer psychologischen Kriegsführung verurteilt.    

US-Präsident Barack Obama erörterte mit dem japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda die Lage auf der koreanischen Halbinsel nach dem Tode Kims. Wie das Weiße Haus mitteilte, betonte Obama in dem Telefongespräch am Montagabend die Wichtigkeit der Stabilität in der Region. US-Außenministerin Hillary Clinton rief die neue nordkoreanische Führung auf, den Pfad des Friedens einzuschlagen und die Menschenrechte zu achten. Washington sei bereit, dem Land bei der Verbesserung seiner Lebensbedingungen zu helfen, wenn die Regierung gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft „eine neue Ära des Friedens, Wohlstands und der nachhaltigen Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel“ einläute.

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Kim Jong Un gilt als Favorit für die Staatsspitze. Doch er ist nicht unumstritten.

Von

dapd

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.12.2011, 12:35 Uhr

Welch eine alberne Vorstellung !
Da brechen Erwachsene menschen in tränen aus , die einen Kim nie von nahem gesehen haben .
Eine Lächerlich Inszenierte Darbietung die nicht nur das Koreanische TV verbreitete !
Wenn sie fertig sind mit ihrer Selbstdarstellung sollten wir Schadensersatz von den Koreanern verlangen für das was sie uns hier zumuten !!!

Und wir dachten immer der Honecker mit seinen Männerküssen ist Peinlich , aber bei diesem Zirkus bekommt man tränen in die Augen - vor Lachen !!!

Account gelöscht!

20.12.2011, 12:39 Uhr

Also , Ihr lieben Koreaner (Nord)
Nun begrabt euren Kadaver mal ganz schnell und kümmert euch um die Lebenden .
Der Winter in eurem land ist kalt und manchmal auch lang, die Menschen erfrieren und Verhungern .
Ihr habt eigentlich wichtigere Probleme um die ihr euch kümmern müsst .
Nachdem ihr ganz höflich um Internationale Hilfe gebeten habt, sind wir gerne bereit euch diese zukommen zu lassen , ihr solltet allerdings in Sicherheitsfragen wesentlich kooperativer sein !

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