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15.09.2015

09:34 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Un will mehr Atomwaffen bauen

Nordkorea will die „Feindseligkeiten der USA jederzeit mit Nuklearwaffen“ begegnen. Deshalb will das Land sein Atomwaffenarsenal „in Qualität und Quantität“ ausbauen.

Will seine Atomwaffenarsenal ausbauen: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. dpa

Kim Jong Un

Will seine Atomwaffenarsenal ausbauen: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

SeoulNordkorea hat angekündigt, sein Atomwaffenarsenal „in Qualität und Quantität“ auszubauen. Das Land sei bereit, Feindseligkeiten der USA jederzeit mit Nuklearwaffen zu begegnen, zitierte die Nachrichtenagentur KCNA den Direktor der Atomenergie-Behörde am Dienstag. Die wichtigste Nuklearanlage, die spaltbares Material für das Atomwaffen-Programm des Landes liefere, sei in vollem Einsatz.

Zugleich hieß es in den staatlichen Medien, Nordkorea baue einen neuen Satelliten, der kurz vor Fertigstellung sei. Möglicherweise ist der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un damit beim Bau einer Langstreckenrakete zum Militäreinsatz weitergekommen. Südkorea und die USA teilten nach den Ankündigungen aus Nordkorea mit, jede Aktivität bei ballistischen Raketen würde Beschlüsse des Uno-Sicherheitsrats verletzen.

Nord- und Südkorea hatten sich Ende August auf Schritte zur Entspannung der jüngsten Krise verständigt, in deren Zuge es sogar zum gegenseitigen Artilleriebeschuss kam. Beide Staaten befinden sich formell noch im Kriegszustand.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Von

rtr

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