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10.12.2013

11:18 Uhr

Nordkorea

Kim Jong Uns Onkel hingerichtet?

Jang Song Thaek, der Onkel des nordkoreanischen Machthabers, soll laut südkoreanischen Medien bereits vergangene Woche vom Regime ermordet worden sein. Der restriktive Norden bestätigt bisher nur die Entmachtung.

Die Fernsehbilder, die Jang Song Thaeks Festnahme zeigen sollen, sind möglicherweise manipuliert. ap

Die Fernsehbilder, die Jang Song Thaeks Festnahme zeigen sollen, sind möglicherweise manipuliert.

SeoulDas Schicksal des einst einflussreichen und zuletzt in Ungnade gefallenen Onkels des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Jang Song Thaek, gibt weiter Rätsel auf. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits am vergangenen Donnerstag hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, das angeblich die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag während einer Sitzung des Politbüros der Arbeiterpartei zeige, seien womöglich manipuliert gewesen, berichtete FNK am Dienstag auf seiner Website.

Das Politbüro habe vielmehr schon zuvor beschlossen, sieben Personen einschließlich Jangs und hochrangiger Militärs, hinzurichten. FNK berief sich auf einen Informanten in der Arbeiterpartei. Unterdessen berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul, es sei noch nicht klar sei, welche Strafe Jang erwarte.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Nordkorea hatte am Montag die Entmachtung Jangs bestätigt. Dem früheren Vizechef der Nationalen Verteidigungskommission wurde unter anderem Machtmissbrauch und Korruption vorgeworfen.

Die Entlassung Jangs stößt auf scharfe Kritik von Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye. Die von Machthaber Kim Jong Un verfügte Entmachtung seines Onkels Jang Song Thaek komme einer „Herrschaft des Terrors“ gleich, sagte Park bei einem Kabinettstreffen in Seoul. So gehe es Kim darum, seine Macht zu festigen. Das Vorgehen könnte nun die Beziehungen zwischen beiden Koreas weiter destabilisieren, erklärte sie am Dienstag.

In seltener Offenheit hatte das stalinistische Regime die Entmachtung Jangs gezeigt. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder, wie Jang aus der Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei am Sonntag von Uniformierten abgeführt wurde. Dutzende Politbüro-Mitglieder schauen teilnahmslos zu.

Kommentare (1)

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tilly1632

10.12.2013, 11:42 Uhr

Fehlt nur noch der "Todeskuss" von Kim-Jong Un für seinen Onkel - live im Staatsfernsehen.
Mafia pur; schlimmer gehts kaum noch.

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