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22.05.2017

12:39 Uhr

Nordkorea

Kim kündigt Massenproduktion von Raketen an

Kim Jong Un lobt den Raketenstart vom Sonntag als „perfekt“. Es handelte sich laut nordkoreanischen Angaben um eine Feststoffrakete - der gleiche Typ wurde vor drei Monaten getestet. Die USA sehen eine Gefahrenzunahme.

Nordkorea provozierte zuletzt immer wieder mit Raketentests. Das Regime zeigt sich dabei von internationaler Kritik unbeeindruckt. dpa

Nordkoreanischer Raketentest

Nordkorea provozierte zuletzt immer wieder mit Raketentests. Das Regime zeigt sich dabei von internationaler Kritik unbeeindruckt.

SeoulNordkorea hat nach seinem Test einer Mittelstreckenrakete vom Wochenende eine Massenproduktion der Waffe angekündigt. Staatschef Kim Jong Un habe den Probestart beobachtet, als Erfolg gewertet und angeordnet, die Rakete solle schnell in großer Zahl gebaut und für den Einsatz aufgestellt werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag. Es werde weitere Raketentests geben.

Bei dem Start am Wochenende wurden laut KCNA die technischen Kennzahlen der Feststoffrakete des Typs Pukguksong-2 überprüft und die Anpassungsfähigkeit des Geschosses unter unterschiedlichen Kampfbedingungen bestimmt. Schon im Februar hatte Pjöngjang ein solches Modell getestet. Der südkoreanische Generalstab hatte angegeben, die Rakete sei Richtung Osten rund 500 Kilometer weit geflogen und habe eine maximale Höhe von 560 Kilometern erreicht. Sie könnte damit bei einer anderen Flugbahn nicht nur Südkorea und Japan erreichen, wo etwa 80 000 US-Soldaten stationiert sind, sondern auch US-Stützpunkte im Pazifik.

Nordkoreas Raketentest: UN-Gremium fordert „starke und entschiedene Reaktion“

Nordkoreas Raketentest

UN-Gremium fordert „starke und entschiedene Reaktion“

Der UN-Sicherheitsrat hat den jüngsten Raketentest Nordkoreas verurteilt. Der Vorgang am Wochenende sei eine „eklatante und provozierende Missachtung“ der Forderung des Gremiums gewesen. Es sollen neue Sanktionen verhängt wurden.

Das Geschoss ist eine landgestütze Version einer U-Boot-Rakete. Feststoffraketen können weit schneller abgefeuert werden als Flüssigstoffraketen, weil sie nicht vorher betankt werden müssen. Wenn eine Flüssigtreibstoffrakete betankt wird, können Satelliten dies unter anderem an Tankwagen erkennen, so dass es eine längere Vorwarnzeit für Gegenmaßnahmen gibt.

Vor einer Woche hatte Pjöngjang bereits eine Rakete abgefeuert, die so hoch und so lange flog wie nie zuvor. Experten halten es für möglich, dass sie Ziele wie Hawaii oder Alaska erreichen könnte. Nordkorea hatte auch diesen Test als Erfolg gewertet und zudem erklärt, die Rakete könne einen nuklearen Sprengkopf tragen. Außerdem arbeitet Nordkorea an einer Interkontinentalreakte, die auch große US-Städte erreichen könnte. Satellitenaufnahmen legen zudem nahe, dass Nordkorea jederzeit einen weiteren Atomtest durchführen könnte.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

KCNA zufolge sind die Raketenentwicklungen die Antwort auf die Politik von US-Präsident Donald Trump. Der Präsident selbst äußerte sich nicht zu dem jüngsten Test. Sein Außenminister Rex Tillerson sagte am Sonntag, es sei noch zu früh, um zu bewerten, ob der internationale Druck auf Nordkorea Wirkung zeige. „Hoffentlich bekommen sie die Botschaft, dass der Pfad, ihr Atomwaffenprogramm fortzusetzen, nicht der Weg zu Sicherheit und sicherlich nicht zu Wohlstand ist“, sagte er dem US-Fernsehsender Fox News. Die fortlaufenden Tests seien enttäuschend und verstörend.

Von

ap

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