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01.05.2017

12:38 Uhr

Nordkorea-Konflikt

Auf der Suche nach Verbündeten

Das Regime von Kim Jong-Un droht mit weiteren Atomtests – und bringt immer mehr Staaten gegen Nordkorea auf. US-Präsident Trump will die Sorgen asiatischer Staaten nutzen – und sie von einer Zusammenarbeit überzeugen.

Die Bedrohung durch Nordkorea: Ein Thema von US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit den Regierungschefs von Thailand und Singapur. dpa

Donald Trump

Die Bedrohung durch Nordkorea: Ein Thema von US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit den Regierungschefs von Thailand und Singapur.

US-Präsident Donald Trump sucht im Konflikt um das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas Verbündete in Asien. Trump habe dazu mit den Regierungschefs von Thailand und Singapur telefoniert, sagten US-Regierungsvertreter. Dabei sei es um Möglichkeiten zum wirtschaftlichen und diplomatischen Druck auf Nordkorea gegangen. Trump hatte zuvor schon mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte über das Thema gesprochen.

Es müsse mit so vielen Ländern wie möglich in der Region zusammengearbeitet werden, sagte der Stabschef im US-Präsidialamt, Reince Priebus, dem Sender ABC. Ziel sei es, „jeden zur Unterstützung eines Aktionsplans in die Reihe zu bekommen“, falls sich die Lage um Nordkorea verschlechtere. Trump habe zudem regelmäßig Kontakt zu Japans Regierungschef Shinzo Abe und auch enge Beziehungen zum chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Anlass für die Gespräche sei die Gefahr einer „nuklearen und massiven Zerstörung in Asien“ und am Ende auch in den USA, sagte Priebus. Derzeit würden die USA und die asiatische Region durch nichts so stark bedroht wie durch die Vorgänge in Nordkorea.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Zugleich führte CIA-Direktor Mike Pompeo laut Medienberichten in Südkorea Gespräche über die zunehmenden Spannungen im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm. Er habe neben Vertretern der amerikanischen Botschaft unter anderen auch den Befehlshaber der US-Streitkräfte in Korea (USFK), Vincent Brooks, sowie Südkoreas Geheimdienstchef Lee Byung Ho getroffen, berichteten der Sender KBS und andere südkoreanische Medien am Montag. Pompeo sei seit dem Wochenende in Seoul.

Unterdessen drohte das international isolierte Nordkorea indirekt mit der Fortsetzung seiner Atomtests. Das Außenministerium in Pjöngjang unterstellte den USA am Montag erneut eine „feindselige Politik“ und atomare Erpressung. „Die Maßnahmen der Volksrepublik für den maximalen Ausbau seiner Atomstreitmacht werden auf Befehl der obersten Führung zu jeder Zeit und an jedem Ort in aufeinanderfolgender Weise ergriffen“, hieß es in der von den Staatsmedien veröffentlichten Erklärung.

Nordkorea: Der gemeinsame Widersacher

Nordkorea

Der gemeinsame Widersacher

Die Isolation Nordkoreas setzt sich ungeachtet aller Warnungen fort: Machthaber Kim Jong Un provoziert nicht nur die USA, sondern auch China – sieht sich allerdings nach wie vor im Recht. Die Geduld scheint am Ende.

US-Präsident Trump hat angesichts der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel einen Angriff auf den Norden nicht ausgeschlossen. Gleichwohl hatte Nordkorea am Samstag erneut eine Mittelstreckenrakete getestet, die nach US-Angaben aber kurz nach dem Start zerbrach. Die Führung Chinas – dem einzigen großen Verbündeten des abgeschotteten kommunistischen Staates – hatte daraufhin Nordkorea und die USA gemahnt, es nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen. Trump hatte kurz vor dem Test in einem Interview gewarnt, es könne am Ende zu einem großen Konflikt mit Nordkorea kommen. Neben etlichen Raketentest hat Nordkorea bisher auch fünf Atombombentests absolviert.

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