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11.08.2017

08:36 Uhr

Nordkorea-Konflikt

Das brandgefährliche Fernduell

VonMartin Kölling

Trumps inzwischen legendärer Wutausbruch erscheint immer mehr Teil einer konzertierten Aktion, den Druck auf Nordkorea hochzuhalten. Die ehemalige US-Sicherheitsberaterin Rice warnt vor großen Gefahren dieser Strategie.

Trump legt nach

„Nordkorea sollte sich zusammenreißen, sonst wird es große Probleme geben“

Trump legt nach: „Nordkorea sollte sich zusammenreißen, sonst wird es große Probleme geben“

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TokioSein Feuer-und-Wut-Ausbruch liegt zwei Tage zurück, da gibt es von US-Präsident Donald Trump vor laufender Kamera eine Manöverkritik. Er fragt seine Kritiker, ob die kurze Erklärung gegen Nordkoreas Atomprogramm zu hart gewesen sei, um prompt seine persönliche Schlussfolgerung zu präsentieren. „Vielleicht war sie nicht hart genug.“ Dementsprechend erhöht der US-Präsident den Einsatz im verbalen Schlagabtausch mit Nordkoreas Führer Kim Jong-Un noch einmal.

Mit neuen Worten warnte er Nordkoreas Führer Kim Jong Un, wie von Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA angekündigt, eine Raketensalve auf die Umgebung der Pazifikinsel Guam abzufeuern, die zu den USA gehört. „Wir bereiten uns auf eine Menge verschiedener Optionen vor“, sagte Trump nach einem Sicherheitsbriefing. „Wenn er etwas in Guam unternimmt, dann wird es ein Ereignis sein, wie es noch niemand zuvor gesehen hat, was in Nordkorea passiert.“

Das bemerkenswerteste an Trumps neuer martialischer Erklärung war allerdings, sie keine spontaner Wutausbruch, sondern Teil einer konzertierten Aktion zu sein schien. Denn nun versuchte auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis in der Presseerklärung NR-286-17 die Nordkoreaner oberlehrerhaft mit einer Mischung aus Belehrung und Androhung der Rute auf Linie zu bringen.

Das US-Atomwaffenarsenal

Grundsatz

Grundsatz der US-Streitkräfte ist es, Atomwaffen aus der Luft (Flugzeuge), vom Wasser (U-Boote) und vom Land einsetzen zu können.

Sprengköpfe

Derzeit verfügen die USA über rund 1750 nukleare Sprengköpfe, in Flugzeugen, U-Booten und auf Interkontinental-Raketen. 180 Sprengköpfe sind nach Angaben der Arms Control Association in fünf europäischen Ländern stationiert.

Inaktive Sprengköpfe

Darüber hinaus verfügen die USA über ein Lager von rund 4000 Sprengköpfen, die in Reserve stehen, aber teils nicht oder noch nicht zur militärischen Nutzung aktiviert sind. Ferner sind 2000 Sprengköpfe ausrangiert, die in Teilen theoretisch noch nutzbar wären.

Kosten

Die Erneuerung alter Systeme frisst sechs Prozent des Verteidigungshaushalts auf. Bisher wurden nur 3,5 Prozent des Budgets für die Nuklear-Abschreckung ausgegeben. Allein für das nächste Jahr hat Trump 10,2 Milliarden Dollar für diesen Zweck angefordert.

Lebensdauer

Die eigentlich auf 20 Jahre angelegte Lebensdauer einiger Atomwaffen wurde als Teil des Erneuerungsprogrammes auf 60 Jahre ausgedehnt.

Kim Jong-Un forderte er – wohlgemerkt ohne Kims Titel zu nennen – auf, dass er sich die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats zu Herzen nehmen solle. Die DVRK (Demokratische Volksrepublik Korea) „muss“ aufhören sich selbst zu isolieren und ihr Streben nach Atomwaffen beenden. Und sie „soll“ jegliche Erwägung von Aktionen beenden, die zum Ende ihres Regimes und der Zerstörung ihrer Bevölkerung führen würden.

Danach wiederholte er noch einmal, was Kim sicher auch schon weiß: „Während unser Außenministerium alle Anstrengungen unternimmt, diese globale Gefahr durch diplomatische Mittel zu lösen, muss angemerkt werden, dass die kombinierten Streitkräfte der Alliierten nun die präzisesten, am besten eingeübten und robustesten defensiven und offensiven Fähigkeiten auf der Welt besitzen.“ Alle Aktionen des DVRK-Regimes würden massiv übertroffen, es würde jedes Wettrüsten und jeden Konflikt verlieren.

Ob diese Erklärungen Kim und seine Generäle zur Einkehr bewegen, bleibt abzuwarten. Der herablassende Tonfall ist jedenfalls nicht dazu angetan, die stolzen Nordkoreaner zu beschwichtigen. Vielleicht ist das allerdings auch gar nicht beabsichtigt. Einige Analysten glauben, dass die Trump-Regierung durch einen zweigleisigen Ansatz aus Gesprächsangeboten und Drohgebärden vor allem China dazu bringen will, die härteren UN-Sanktionen auch wirklich umzusetzen.

Allerdings sei Trumps Ansatz gefährlich, warnt die frühere Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, in einem Gastbeitrag in der New York Times. Bombastische Rhetorik von Kim sei nichts Neues, schreibt Rice, die auch UN-Botschafterin der USA war und die Nordkorea-Frage damit genau kennt. Aber die Bereitschaft Trumps, mit eigenem Bombast zu antworten, addiere einen gefährlichen Faktor zur Gleichung.

Entweder stoße Trump leere Drohungen über einen Atomkrieg aus, was die Glaubwürdigkeit und Abschreckung der USA weiter untergraben würde. Oder er beabsichtige wirklich Krieg zu führen, wenn Kim sich erneut provokant verhalte. „Das erste Szenario ist eine Torheit, aber eine Entscheidung der USA, in Abwesenheit einer imminenten Bedrohung einen Präventivkrieg auf der koreanischen Halbinsel zu beginnen, wäre Wahnsinn“, warnte Rice.

Kommentare (15)

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Herr Vinci Query

11.08.2017, 09:11 Uhr

>> Einsatz von B1-Bombern
US-Medien: Pentagon bereitet Präventivschlag gegen Nordkorea vor >>
Die Lügenpresse der Amis tobt sich aus.

Niemals* würden die Amis die *NORDKOREANER* angreifen, und zwar aus *folgenden Gründen :
- Nordkorea würde sofort mit einem GEGENSCHLAG auf SÜDKOREA antworten, zumal dort ca. 70.000 US-Soldaten auf der Militärbasis nähe SEOUL stationiert sind ( mit Atomwaffen, vermutet man . )
- Nordkorea würde sofort SEOUL auslöschen, und das sind 25 Mio. Menschen. Dazu reichen den Nordkoreanern ihre *konventionellen Waffen* ( Artillerie ).
- In Südkorea gibt es 25 Kernkraftwerke. Kim würde diese sofort beschießen.
- Nordkorea würde die US-Militärbasen in Japan ( dort sind *US-Atomwaffen gelagert* ) sofort atomar beschießen.
- Die Atomare Verseuchung würde die Chinesen und Russen treffen ( mit Russland haben die Nordkoreaner eine kleine , ca. 15 km lange Grenze ). China und Russland wären somit sofort im Krieg gegen die USA !

Das Alles wäre das ENDE dieser WELT !

RUHIG bleiben und Tee trinken.

Trump steigert nur mit seinen verbalen Attacken den Wert seiner AKTIEN der Rüstungsindustrie, mit denen er sich eingedeckt hat. 20% Rendite sind ihm bereits jetzt schon sicher !

Ein CLEVERER Halunke !

Herr Rolf Sieber

11.08.2017, 09:41 Uhr

Der Egomane im WH will nur von seiner eigenen Unzulänglichkeit in der Innenpolitik ablenken. Das bekannte Muster kennen wir doch aus dem 20. Jahrhundert, oder? Und wohin das führen kann wissen wir auch zur Genüge.

Dagegen hat der Diktator in Nordkorea doch nichts zu verlieren.

Herr Günther Schemutat

11.08.2017, 10:08 Uhr

Die Menschen in Nord und Südkorea sind Brüder und Schwestern und welcher
Koreaner diese auslöschen würde ist ein Massenmörder und vermutlich geistig gestört , was am schlimmsten ist. Wir sehen das im normalen Leben wenn geistig verwirrte Menschen andere töten wie die IS ARschl… und man machtlos ist.

Daher sind die Koreaner aufgerufen ihr Land zu schützen und SK sollte den Norden und deren Menschen mit vernünftigen Radiosendungen zu bewegen , sich von seinen Machthabern zu stellen. Es ist Heimat und niemand hat das Recht diese eventuell für Tausend Jahre zu zerstören.

Wenn China und Russland jetzt nicht eingreifen, muss man davon ausgehen , dass
beide diesen Krieg wollen. Ein verseuchtes fast unbewohntes Korea würde auch große Teile von China verseuchen . Russland ist so groß , die können auf Gebiete
von der Grösse Europa verzichten.

Danach werden alle Staaten versuchen, Atomwaffen herzustellen und sich nicht mehr von den jetzigen Atommächten dominieren zu lassen.

Außer Deutschland .

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