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11.08.2017

17:36 Uhr

Nordkorea-Krise

Merkel kritisiert „Eskalation der Sprache“

US-Präsident Donald Trump droht Nordkorea mit „militärischen Lösungen“. Die USA stünden „Gewehr bei Fuß“. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert die scharfe Rhetorik. Auch China ruft beide Seiten zur Mäßigung auf.

Nordkorea-Konflikt

Merkel spricht sich für einen friedlichen Dialog aus

Nordkorea-Konflikt: Merkel spricht sich für einen friedlichen Dialog aus

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WashingtonNach dem Krieg der Worte ist im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA die Zeit der Diplomatie angebrochen. „Die US-Bemühungen sind von der Diplomatie getrieben. Sie zeitigen diplomatische Ergebnisse“, sagte Verteidigungsminister James Mattis am späten Donnerstagabend. Die Möglichkeit eines Krieges mit Nordkorea bezeichnete der frühere General als „katastrophal“.

Den eher besonnen gewählten Worten von Mattis steht in den USA die Rhetorik von Präsident Donald Trump gegenüber. Am Freitag erklärte Trump auf Twitter: „Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, wir stehen Gewehr bei Fuß, sollte Nordkorea unklug handeln. Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg.“ Tags zuvor hatte er erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei in einem guten Zustand. „Es ist in Tip-Top-Verfassung“, sagte Trump. „Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen.“

Trump kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump. Er räumte jedoch ein, grundsätzlich auch zu Verhandlungen bereit zu sein. Die Börsen in aller Welt reagierten auf die Kriegsgefahr mit einem Abwärtstrend.

Das US-Atomwaffenarsenal

Grundsatz

Grundsatz der US-Streitkräfte ist es, Atomwaffen aus der Luft (Flugzeuge), vom Wasser (U-Boote) und vom Land einsetzen zu können.

Sprengköpfe

Derzeit verfügen die USA über rund 1750 nukleare Sprengköpfe, in Flugzeugen, U-Booten und auf Interkontinental-Raketen. 180 Sprengköpfe sind nach Angaben der Arms Control Association in fünf europäischen Ländern stationiert.

Inaktive Sprengköpfe

Darüber hinaus verfügen die USA über ein Lager von rund 4000 Sprengköpfen, die in Reserve stehen, aber teils nicht oder noch nicht zur militärischen Nutzung aktiviert sind. Ferner sind 2000 Sprengköpfe ausrangiert, die in Teilen theoretisch noch nutzbar wären.

Kosten

Die Erneuerung alter Systeme frisst sechs Prozent des Verteidigungshaushalts auf. Bisher wurden nur 3,5 Prozent des Budgets für die Nuklear-Abschreckung ausgegeben. Allein für das nächste Jahr hat Trump 10,2 Milliarden Dollar für diesen Zweck angefordert.

Lebensdauer

Die eigentlich auf 20 Jahre angelegte Lebensdauer einiger Atomwaffen wurde als Teil des Erneuerungsprogrammes auf 60 Jahre ausgedehnt.

Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Nordkorea droht mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, allerdings halten Nordkorea-Experten eine Ausführung für unwahrscheinlich Trump hatte angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit „Feuer und Wut“ beantworten zu wollen.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. „Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen“, hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer „schandvollen Niederlage“ rechnen, sollten sie weiter auf „extreme militärische Abenteuer“ sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Politiker aus aller Welt rufen deshalb zur Mäßigung auf. „Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Zudem rief sie dazu auf, die Bemühungen um eine friedliche Lösung zu verstärken. „Ich sehe auch keine militärische Lösung dieses Konflikts.“

Stattdessen müsse man versuchen, im UN-Sicherheitsrat und durch Kooperation auch mit China voranzukommen. „Deutschland wird hier bei den Lösungsmöglichkeiten, die wir sehen, nicht-militärischer Art dabei sein“, sagte Merkel.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz brachte eine diplomatische Lösung nach dem Vorbild des Atomdeals mit dem Iran ins Gespräch. „Vielleicht kann man mit einer vergleichbaren Vorgehensweise die nukleare Rüstungsbegrenzung in Nordkorea erreichen“, sagte der Parteichef der Sozialdemokraten am Freitag in Berlin.

Auch Russland mahnt Vernunft auf beiden Seiten an. „Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

„Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern“, sagte Lawrow. Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. „Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird.“ Australiens Regierung erklärte, das Land sei im Falle eines Angriffs auf die USA zum Beistand verpflichtet.

US-Verteidigungsminister Mattis erklärte, die USA verfolgten gegenwärtig eine politische Linie beim Versuch, den Konflikt zu lösen. Die Einigkeit im UN-Sicherheitsrat, wo auch Russland und China einer Verschärfung von Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt hatten, zeige aber, wie ernst die Lage sei. „Man sieht die einhellige Meinung, dass dies eine Bedrohung für die Welt ist.“

Wie kleinteilig die Bemühungen auf diplomatischer Ebene sind, zeigte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Ihr Haus mache derzeit Druck auf Staaten, die Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen. Dies solle eingestellt werden, damit die Arbeiter das im Ausland verdiente Geld nicht zurückschicken könnten, wo es für militärische Zwecke der Regierung abgezweigt werde.

Sandra Navidi von Beyond Global

„Für eine gute militärische Lösung in Nordkorea ist es zu spät“

Sandra Navidi von Beyond Global : „Für eine gute militärische Lösung in Nordkorea ist es zu spät“

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Wie Trump betont auch Mattis, dass das US-Militär bereit sei, um einem bewaffneten Konflikt zu begegnen. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die USA keinesfalls in einen Krieg gezogen werden wollen. Selbst wenn Nordkorea sich wie angedroht dazu entschließen würde, eine Rakete in die Gewässer vor der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern, wird keine militärische Reaktion der USA erwartet. Auch vor einem Abschuss eines nordkoreanischen Flugkörpers könnten die US-Streitkräfte zurückschrecken, um die technisch heikle Raketenabwehr nicht einem möglichen Versagen auszusetzen.

Der Konflikt spitzt sich seit Monaten zu. Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Frau Edelgard Kah

11.08.2017, 15:24 Uhr

Verglichen mit den USA, ist Deutschland politisch, wirtschaftlich und militärisch ein Zwerg. Und mit dem Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hat Deutschland nicht das Geringste zu tun.

Vor diesem Hintergrund ist schwer zu verstehen, warum deutsche Politiker wie Sigmar Gabriel, Martin Schulz und nun auch unsere verehrte Bundeskanzlerin unerbetene Ratschläge geben müssen. Ihre oberlehrerhafte Besserwisserei ist eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten. Sie dient ausschließlich der persönlichen Profilierung.

Herr Tomas Maidan

11.08.2017, 15:38 Uhr

Ein ziemlich müdes Blabla, was die Trump-Anhänger und AfD-Aktivisten wie "Frau Kah" hier loslassen.

Offensichtlich ist, dass Trump einen richtig großen Krieg herbeiführen will.

Dies wurde von allen erwartet, die ein wenig Menschenkenntis besitzen. Trump ist ein agressiver Nationalist - und Nationalismus führt immer zu Kriegen und Konflikten.

Alle, die Trump unterstützt haben, und sich ähnliche Entwicklungen für ihr Land wünschen, sind mitschuld daran, wenn es demnächst in Korea knallt. Vielleicht schafft Trump es auf diese Weise, die Apple-Fabriken von Korea zurück in die USA zu bringen.

Herr Tante Mila

11.08.2017, 16:04 Uhr

Was, verehrte Frau Kah, glauben Sie eigentlich, was da am Ende für ein Krieg bei rauskommt? So eine Pfadfindervernastaltung wie der letzte Irak-Krieg sicher nicht.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht, dieser "Konflikt", wie Sie das nennen, hat durchaus das Potenzial, den nächsten Weltkrieg auszulösen. Das wird auf jeden Fall auch Deutschland betreffen.

Und selbst wenn nicht, Südkorea und die ganze Region werden ganz sicher negative Konsequenzen tragen müssen. Das wird Deutschland zumindest wirtschaftlich spüren.

Amerika macht seiner Geschichte als Kriegstreiber mal wieder alle Ehre.

Und Trump hat wieder in den altbekannten Wahlkampfmodus geschaltet. Es war an sich schon sehr traurig, dass man mit solch respektlosem Verhalten eine Präsidentschaftswahl gewinnen kann. Noch trauriger ist es jedoch, dass dieser grundsätzliche Mangel an Respekt inzwischen offenbar gesellschaftliche Normalität geworden ist. Und am traurgsten ist es, wenn ein US-Präsident auf diese Weise nun auch noch Weltpolitik betreibt.

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